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Blog und Diskussion

Mehr Strafe, mehr Abschreckung?

Alfred Kohlberger MAS - 2.4.2014 08:34

Die Hoffnung, dass Delikte verschwinden, wenn die Strafdrohung erhöht wird, ist so alt wie das Strafrecht selbst; aber leider ebenso lange nicht belegt. Im Gegenteil – die Erhöhung der Strafdrohung bleibt meist ohne Erfolg. Lediglich die Wahrscheinlichkeit, von der Polizei ertappt zu werden, wirkt abschreckend.


Wird argumentiert, dass vor allem Einbrecher in Wohnungen und Wohnhäuser Rückfallstäter sind, ist der Ruf nach Erhöhung der Strafdrohung gegenüber der breiten Masse naheliegend und damit politisch wirksam; aber leider nur imagebildend für Politikerinnen und Politiker. Betroffenen und künftigen Einbruchsopfern hilft das wenig.


Kriminalitätsentwicklungen bloß in Jahreszeiträumen zu kommentieren schafft verkürzte Bilder. Zieht man zum Beispiel bei den erwähnten Delikten einen Zehn-Jahres-Vergleich heran, zeigt sich ein Rückgang um 18 Prozent! Es ist außerdem unwahrscheinlich, dass die in verschiedenen Medien erwähnten „Berufsverbrecher mit Hafterfahrung“ nach der Mindeststrafdrohung verurteilt werden; die Strafe wird sich mit der Anzahl der Vorverurteilungen erhöhen, was offenbar auch nicht abschreckt.


Mehr vom Gleichen würde bedeuten, den Strafvollzug in seinem resozialisierenden Anspruch nicht ernst zu nehmen. Die Zeit des Freiheitsentzugs verstärkt für eine Umkehr und neue Lebensgestaltung des Insassen zu nutzen muss dabei Leitlinie sein. Natürlich braucht es dafür mehr Personal beziehungsweise müsste dieses anders eingesetzt werden. In Zeiten budgetärer Engpässe sicherlich eine Herausforderung, die aber aufgrund des Mehr an Rückfallsvermeidung und damit Sicherheit öffentlich argumentierbar wäre.


Nicht alles, was sich positiv auf den Strafvollzug auswirkt, kostet gleich mehr Geld. Der elektronisch überwachte Hausarrest ist in vielen Fällen eine Alternative zum klassischen Einsperren. Hier werden soziale Grundlagen, die für die Resozialisierung wichtig sind, erhalten. Gleichzeitig wird mit Hilfe der Sozialarbeit an der Neugestaltung des Lebens gearbeitet. Mit Erfolg, wie die bisherigen Erfahrungen zeigen.


Alfred Kohlberger MAS ist Geschäftsführer von NEUSTART

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Zu diesem Beitrag gibt es |2 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Unbekannt sonst nix veröffentlichung schrieb am 25.09.2014 10:31

Mehr Strafe mehr Abschreckung? Wo soll es denn bei dem österreichischen Strafsystem mehr Abschreckung geben, wenn Kriminalität in Mrd.Höhe in diversen staatlichen Kreisen noch immer als Kavaliersdelikt betrachtet wird? Mag schon sein, dass z.B. in USA mehr Waffenbesitz nicht zum gewünschten Erfolg der Verminderung von Straftaten führt. Auch die Verhängung der Todesstrafe scheint in diesen Staaten nicht richtig abzuschrecken. In Saudi Arabien wird Diebstahl mit Auspeitschen und Handabhacken bestraft. Die Vestümmlungsgegner argumentieren mit dem internationalen Verstümmlungsverbot- die Beführworter dafür dass eine abgehackte Hand nicht mehr Stehlen kann.usw. Wenn ich sehe wie z.B. Oststaaten EU Bürger ihr Recht sich gemäß §19a Meldegesetz innerhalb der 90Tagesfrist anzumelden- permanent verweigert wird-also gegen den Vertrag über die Arbeitsweise der EU(Recht auf eine gute Verwaltung) von Behördenwegen missachtet wird. Wenn ich sehe dass passives Betteln immer noch zu politischen Zwecken kriminalisiert wird, dann sehe ich keinerlei Veranlassung kriminelle Österreicher, welche trotz ca. 10000 Euro/Jahr Sozialhilfe oder dergl.(gesetzl.Existenzminimum) kriminelle Sachen treiben auch noch für milde Gesreichtsurteile sich auszusprechen. Die Methode des Wegsprerrens also die Haftstrafe abzusitzen, hat zumindest den Vorteil, dass während der Haft, die Bevölkerung von kriminellen Österreichern geschützt ist- Dannach treiben die trotz Resozialisierungsmaßnahmen größtensteils eh wieder Scheiße solange bis es zum nächsten Häfnaufenthalt kommt. Resozialisierungsprogramm? Ja-aber warum nicht Bildungsangebote wie Fernabitur, Fernstudium im Knast wahrnehmen?
Gruß Unbekannt
(mir hat Neustart Sbg schon mal meinen Komentar unter meinem richtigen Namen nicht veröffentlicht)

Werner Flasch schrieb am 03.04.2014 07:52

Danke für diesen Beitrag. Ergänzend gibt's da noch für mich hinzuzufügen:
Auf den ersten Blick betrachtet finde ich es fast logisch: Schlag härter zu, dann werdens die Leut sich schon merken.
So bin ich aufgewachsen und erzogen worden.
Was hats gebracht? Ich erinnere mich zwar noch genau an die Gesichter der Menschen die das getan haben, aber Wirkung in deren erwünschten/erhofften Sinn habe ich ihnen (absichtlich) nicht gezollt.
Wirkung zeigten erst die Menschen, die mir "ganz anders" begegneten. Die mich mit ihren unorthodoxen Mitteln verblüfften und die gewachsene harte Schale durchdringen konnten.
Leider ist bei unserem System so etwas nicht möglich bzw sogar unerwünscht, da es ja menschliche Züge an sich hat, Anteil zu nehmen, Mitgefühl zu zeigen, auf das Gegenüber einzugehen, sich vielleicht sogar ZEIT zu nehmen. Funktionieren genügt schon, alles darüber hinaus muß ja gar nicht sein, denn wer bezahlt das schon??
Im Strafsystem zeigen sich die Auswüchse der Irrwege unseres Systems, das an den Wurzeln umgestellt werden müßte. Symptombekämpfung nennt man das soweit ich mich erinnere ....