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Blog und Diskussion

Fairly Legal - alles kein Problem

Mag. Bernhard Glaeser - 18.12.2013 07:47

Erstmals wahrnehmen konnte ich den Trend im deutschen Fernsehen vor einigen Jahren: Eine Dame mit einer interessanten Mischung aus Dominanz, Sympathie und Empathie löste auf der Nachmittags-Talkschiene von Sat 1 Konflikte: „Zwei bei Kalwass“ hieß die Serie 2001. Heute heißt sie bezeichnenderweise „Kalwass greift ein“. Es war und ist immer wieder schön, zu sehen, was hinter Konflikten stecken kann und wie verhärtete Konflikte in Bewegung kommen, wenn die Hintergründe auf den Tisch kommen. Ein Freund machte mich auf eine erfolgreiche amerikanische Serie aufmerksam: In „Fairly Legal“ wirft einen Anwältin als solche den Hut hin, weil es für sie befriedigender ist, als Mediatorin friedensstiftend zu arbeiten. Nun auch hierzulande: Harald Krassnitzer hat das Winzerhandwerk an den Haken gehängt und ist jetzt Mediator „Paul Kemp – Alles kein Problem“.


Es ist ein gutes Zeichen, dass offenbar die Agenten-, Profiler-, Richter- und Gerichtsmediziner-Serien fad werden und anschauliche Beispiele konstruktiver Konfliktlösung das Fernsehpublikum interessieren. Es wäre keine Serie, würden diese Sendungen nicht auch von den etwas schrägen Hauptfiguren und ihren privaten Irrungen und Wirrungen handeln. Jedoch wird zentral eine wichtige Botschaft transportiert: Es lohnt sich, bei offensichtlichen Konflikten einen Blick auf die dahinterliegenden Motivationen und berechtigten Interessen der Beteiligten zu werfen, um eine nachhaltig gute Lösung zu finden.


Das genau ist es, was mich schon immer am Tatausgleich – der Konfliktregelung bei NEUSTART – fasziniert: Streitparteien, die nicht mehr miteinander sprechen können, (wieder) ins Gespräch zu bringen. Interesse zu haben, was dahintersteckt, welche Bedürfnisse zu kurz kommen und die Beteiligten zu befähigen, miteinander darüber zu reden, was sie bewegt.


Schon bei Frau Kalwass habe ich es genossen, das im Fernsehen nachzuerleben, was ich in meiner Praxis als Konfliktregler bei NEUSTART täglich erleben durfte: Meistens beginnt es mit einer scheinbar unüberwindbaren Mauer des Unverständnisses im eskalierten Konflikt. Es folgen Gespräche mit den Beteiligten, die ihnen selbst und mir ihre Sichtweise nachvollziehbar und die Handlungsweise erklärbar machten. Beinahe immer geht es um Interessen, die zu kurz kommen – auf allen Seiten. Verhärtungen des Konflikts führen oft dazu, dass man sich völlig auf die Verfehlungen des „Gegners“ konzentriert: Alles kann nur besser werden, wenn der Gegner sich radikal verändert. Wenn es in dieser Phase gelingt, mit den Beteiligten im offenen Gespräch ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen zu erarbeiten und zu Wünschen zu formulieren, ist schon ein wichtiger Schritt getan.


Berührend ist es, wenn im gemeinsamen Gespräch deutlich wird, dass die Kontrahenten beginnen, einander besser zu verstehen, die eigenen Wünsche zu formulieren und sich für die Interessen des Gegenübers zu öffnen. Wenn diese Gesprächsbasis hergestellt ist, kann man sich der konkreten Bereinigung der Angelegenheit zuwenden: Schadensgutmachung, Entschuldigung, persönlicher Ausgleich, oft auch Versöhnung und Verzeihen. Und es kann in der Tat sehr berührend sein, wenn Menschen, die noch vor einem Tag kein Wort miteinander wechselten, einander mit einem offenen Blick in die Augen die Hand drücken.


Täglich werden bei NEUSTART 20 Fälle von Konfliktregelungen bearbeitet, das sind an die 7.000 im Jahr. Mehr als 70 Prozent führen zu einer guten Lösung. Ja, und manche Fälle, die zu Beginn unlösbar scheinen und den Beteiligten viel Ungemach bereiten, nehmen im Rahmen des Tatausgleichs wundersame Wendungen und schaffen Frieden zwischen Menschen – wie im Fernsehen!


Mag. Bernhard Glaeser ist Leiter des Zentralbereichs Sozialarbeit von NEUSTART

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Snow schrieb am 29.12.2013 14:39

Ich persönlich finde, dass 2 bei Kalwass ab und zu ganz unterhaltsam war mit oft wie Sie geschrieben haben sehr schrägen Figuren aber im grossen und ganzen sind doch alle solche Sendung nur dazu da Zuschauer an zuziehen und mehr auch nicht.
Ich persönlich halte es allerdings bei uns nur ein grosses blabala wenn es heisst man müsse Haftentlassene oder andere Personen wieder in die Gesellschaft interegieren.

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