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Blog und Diskussion

Rache ist süß - aber ungesund!

Mag. Klaus Priechenfried - 17.7.2013 08:52

Eine Erkenntnis der Hirnforschung zeigt, dass die Befriedigung des Racheimpulses für uns ein ähnlich positives Gefühl hervorruft wie das Essen einer Süßigkeit. Rache ist also wirklich süß! Der Impuls, ein Unrecht nicht einfach hinzunehmen, sondern etwas zu tun, wird also unmittelbar belohnt im Gehirn. Wer kennt es nicht: Wie Charles Bronson in „Ein Mann sieht rot“ (für die jüngeren Leser: ein Kassenschlager der Filmindustrie aus dem Jahr 1974, im Original „Death Wish“) stellen wir uns vor, die Übeltäter auf eigene Faust zu verfolgen und zur Rechenschaft zu ziehen. In der Phantasie lassen wir sie leiden für ihre Taten. Dabei mag jede und jeder andere „Lieblings“-Übeltäter vor sich haben: korrupte Politiker, brutale Schläger, reiche Ausbeuter, Fußballrowdys. Revanche, Rache, Vergeltung steht uns im Sinn und schon die Phantasie erzeugt ein inneres Hochgefühl des Triumphes gegen das Böse.


 Dieser Impuls wäre ein schlechter Ratgeber für eine moderne und aufgeklärte Justiz. Daher legt die Justiz auch eine Phase des Ermittelns und Nachdenkens ein, eine Pause, während der alle Impulse gehemmt werden und in der nachgedacht werden soll: Was ist genau passiert, welche Umstände, welche Motive lagen vor, wie kann so reagiert werden, dass dem Opfer wirklich geholfen wird, dass der Täter nicht rückfällig wird, dass auch sonst niemand ermuntert wird, Ähnliches zu tun. Geben wir dem Racheimpuls direkt nach, werden wir zu Rufern nach höheren, strengeren, schmerzhaften und erniedrigenden Strafen, wie es häufig auch in Medien beobachtet werden kann.

Wir bei NEUSTART verlangen von den Tätern im Zuge der Deliktverarbeitung zu lernen, ihre Impulse unter Kontrolle zu bekommen, um rechtzeitig Handlungsalternativen setzen zu können; genauso verlangen wir auch von einem Rechtssystem, dass es nicht mit Racheimpulsen reagiert, sondern nach einer Beruhigungsphase die rational sinnvollste Handlung setzt. Gerade in Ländern mit hoher Kriminalitätsbelastung wird von den Regierungen eine extrem brutale Strafjustiz (bis zur Todesstrafe) umgesetzt. Die Folge ist steigende, nicht sinkende Kriminalität. Ungeachtet dessen wird die steigende Kriminalität dann als Argument für noch höhere Strafen benutzt. Ein Kreislauf der impulsiven Fehlhandlungen, der eskaliert und erfolglos bleibt.


Die Möglichkeit, Impulse zu kontrollieren und nach einer Phase der Reflexion gezielt das Richtige zu tun, ist hingegen die vornehmste Eigenschaft des menschlichen Gehirns. Nutzen wir sie, ebenso wie wir von unseren Klienten verlangen, ihre Impulse unter Kontrolle zu bekommen!


Mag. Klaus Priechenfried ist Leiter von NEUSTART Wien 2

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Reinhard Kaufmann schrieb am 17.07.2013 15:35

Interessant wäre, ob die Hirnforschung auch etwas darüber weiß, ob die beschriebene Belohnung nur bei den Opfern einer Untat (einschließlich der Angehörigen) funktioniert, oder auch Amtspersonen (Exekutive, Staatsanwälte, Gutachter, Richter), die persönlich nicht betroffen sind, aber im Auftrag der Gesellschaft an der Vergeltung der Tat mitwirken, die Süße spüren.

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