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Blog und Diskussion

Wiedergutmachung als Chance

Nikolaus Tsekas - 3.4.2013 07:57

Opfer einer Straftat zu werden verunsichert zutiefst. Die im Laufe des bisherigen Lebens aufgebaute Sicherheitsblase zerplatzt mit einem Schlag! Neben der emotionalen Verunsicherung und den körperlichen Schmerzen leidet ein Opfer unter einem akuten Belastungssyndrom, das oft langwierig beeinträchtigt. Der Staat reagiert in der Regel unmittelbar durch eine Einvernahme bei der Polizei und mit Zeitverzögerung durch das Gericht. In ausgewählten Fällen kommt statt der Verständigung durch das Gericht eine Einladung von NEUSTART zum Tatausgleich.


Opfer reagieren darauf durchaus verständnislos und skeptisch. Erst die nähere Erklärung und die Möglichkeit, in einem vertraulichen Gespräch die subjektive Wahrnehmung und die eigene Bedürftigkeit unhinterfragt erzählen zu können, schaffen die nötige Sicherheit, damit das Opfer einverstanden ist zur Konfrontation mit dem Beschuldigten. In diesem Gespräch wird mit fachkundiger Unterstützung durch einen allparteilichen Konfliktregler nicht nur emotionaler Ausgleich hergestellt sondern auch finanzielle Schadenswiedergutmachung vereinbart. Keiner der Beteiligten soll zu einem Zugeständnis gedrängt werden; das wird auch dadurch garantiert, dass kostenlose Rechtsberatung in Anspruch genommen werden kann.


Der Tatausgleich kann zwar kein zivilrechtliches Gerichtsverfahren ersetzen, schafft aber die Möglichkeit eines bestmöglichen fairen Ausgleichs und einer nachhaltigen Verhaltensveränderung beim Täter. Jährlich werden drei Viertel der Fälle positiv abgeschlossen und rund 500.000,- Euro an Schadenswiedergutmachung gezahlt. Der erfolgreiche Weg des Tatausgleichs wird von Opfern überwiegend positiv beurteilt (89 Prozent), weil damit das individuelle Sicherheitsgefühl wiederhergestellt wird.


Nikolaus Tsekas ist Leiter von NEUSTART Wien 1

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