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Blog und Diskussion

Opferorientierte Täterarbeit

Jürgen Kaiser MBA, Mag. Bernhard Glaeser - 28.3.2013 08:52

Unsere Arbeit mit Tätern ist im Sinne der Rückfallvermeidung gleichzeitig Opferschutz. Was tun, wenn ein Täter nach seiner Tat Reue empfindet und das Bedürfnis entwickelt, sich zu entschuldigen? In diesem Zusammenhang stellen sich zwei wichtige Fragen. Ist es legitim, dem Opfer ein Angebot zur Wiedergutmachung zu unterbreiten? Ja, ein Angebot zur Wiedergutmachung kann erfolgen. Darf der Bewährungshelfer des Täters dem Opfer dieses Angebot zur Aufarbeitung und Wiedergutmachung unterbreiten? Nein, die Kontaktaufnahme mit dem Opfer darf keinesfalls durch den (kritisch parteilichen) Bewährungshelfer erfolgen! Das ist Aufgabe des vorgesetzten Abteilungsleiters oder eines Kollegen, der nicht in den Fall involviert ist und deshalb die dafür nötige Distanz hat.


Wenn die Bedürfnisse des Opfers betont werden, kann es für das Opfer einer Straftat eine bereichernde Erfahrung sein, nicht nur über die Verurteilung des Täters informiert zu werden, sondern die Reue und Einsicht des Täters zu erleben und eine Wiedergutmachung für den entstandenen Schaden zu bekommen. In einem solchen Fall ist Grundbedingung, dass sich das Opfer freiwillig beteiligt und jedes noch so leise geäußerte „Nein“ unhinterfragt respektiert wird. Denn das Opfer musste bereits die Straftat verarbeiten; ein Angebot zur Entschuldigung bis hin zum Schadenersatz kann nur dann hilfreich sein, wenn es vom Opfer gewünscht wird und das Opfer damit einverstanden ist.

Dieser Prozess (international als „Restorative Justice“ bekannt) kann neben dem subjektiv empfundenen Wert für das Opfer weit über die bloße Verurteilung hinausreichen – wenn er mit der entsprechenden Sensibilität durchgeführt wird. Aus einem anderen Bereich unserer Arbeit, nämlich aus über 25 Jahren Erfahrung im Tatausgleich mit tausenden erfolgreich abgeschlossenen Fällen wissen wir, dass Opfern folgende Punkte wichtig sind: ehrliche Einsicht des Täters, Gewährleistung der eigenen persönlichen Sicherheit für die Zukunft, faire Wiedergutmachung und nicht zuletzt, einen Schlussstrich unter die Nachwirkungen des Vorfalls ziehen zu können. Wenn die wiedergutmachende Aufarbeitung der Tat für Opfer und Täter gut gelingt, kann das eine Win-Win-Situation für beide sein.


Jürgen Kaiser MBA und Mag. Bernhard Glaeser sind Leiter des Zentralbereichs

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