Cookies akzeptieren
Wir verwenden Cookies für eine optimale Nutzererfahrung, Media Sharing und um Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr darüber erfahren

Tipps für heikle Situationen

Hier finden Sie viele Informationen und Antworten, wenn eine Angehörige oder ein Angehöriger von Ihnen einer kriminellen Handlung beschuldigt oder verurteilt wurde, wenn Sie gerade aus der Haft entlassen worden sind oder wenn Sie Opfer von Kriminalität geworden sind.

Online-Beratung

Sie können alle Ihre Fragen an die NEUSTART Online-Beratung stellen. Bitte erklären Sie kurz den Hintergrund Ihrer Frage und geben Sie den Wohnort und das Bundesland an. Es ist nicht notwendig, dass Sie Ihren Namen angeben – wir antworten auch gerne auf anonyme Anfragen.

Blog und Diskussion

Nacktfotos - Frauenbilder

Susanne J. Pekler - 8.3.2013 07:43

Wie jüngst in der Kleinen Zeitung zu lesen war schlug die Schuldirektorin eines Grazer Gymnasiums Alarm: In der Schule kursieren Erotikfotos von dürftig bekleideten oder nackten Mädchen zwischen zwölf und 14 Jahren. Die Mädchen lassen sich von ihrem Freund überreden, pornographische Fotos zu machen; dieser stellt sie dann ins Internet oder schickt sie auf die Smartphones seiner Freunde und Klassenkameraden. Oder: Die Mädchen entschließen sich selbst, Fotos von sich in anzüglichen Posen auf Facebook oder anderen Social Media Plattformen zu veröffentlichen.


Die Mehrheit der Eltern, aber auch die Lehrerschaft und die Sozialarbeit, stehen solchen Phänomenen eher ratlos gegenüber. Zum einen fehlt es oft am Spezialwissen, wie solche Medien überhaupt technisch handzuhaben sind. Zum anderen aber ist es uns wohl auch zu wenig gelungen, den jungen Menschen ein attraktives und erstrebenswertes Frauenbild zu vermitteln. Viele Errungenschaften des Feminismus sind für die jungen Mädchen heute selbstverständlich geworden, der Göttin sei Dank. Aber eine Sensibilität im Umgang mit Geschlechterrollen konnte immer noch nicht erreicht und vermittelt werden. Die Emanzen der Generation einer Alice Schwarzer scheinen vielen jungen Frauen heute spaßbefreit und unsexy, Pornographie und das mit ihr transportierte Bild der lüstern devoten Frau ist allgegenwärtig in Zeitschriften, in der Werbung, in Castingshows á la Supermodel und vor allem im Internet. Yvonne Seidler, Leiterin der Fachstelle für Prävention gegen sexuelle Gewalt, weiß zu berichten: „Jugendliche erleben ihr erstes Mal heute auch nicht früher, harte sexuelle Praktiken aber schon“.


Bis Mädchen und Burschen sich auf das erstmalige Erproben ihrer Sexualität einlassen haben sie tausendfach Bilder von Praktiken im Kopf, für die sie keine Erklärungen haben. Mädchen wollen und sollen tough und mutig, laut und selbstbewusst sein. Aber welche Vorbilder stellen wir ihnen zur Verfügung? Im Vorjahr waren wir bei NEUSTART Steiermark erstmals damit konfrontiert, ein Anti-Gewalt-Training für verurteilte Straftäterinnen zu veranstalten und trafen hier auf junge Frauen, die für sich den Weg gewählt haben, alles weibliche abzulehnen und abzuwerten und die härteren Männer zu sein. Andere junge Frauen wiederum eifern den Supermodels nach mit all den selbstzerstörerischen Komponenten wie Essstörungen und Selbstverletzungen und sparen das Taschengeld für eine Schönheitsoperation. Sie bezeichnen sich selbst im Cyberspace als „Sexy Bitches“, „Bunnies“ oder Schlimmeres.


Wir können für jene Fälle, wo es bereits zu strafbaren Handlungen wie Cybermobbing gekommen ist, im Rahmen des Tatausgleichs Konfliktregelung und die gemeinsame Erarbeitung von Spielregeln im sozialen Umgang miteinander in der Schulklasse und im Internet anbieten. Auch die Burschen brauchen Unterstützung, um mit dem Überangebot von pornographischen Bildern verantwortungsvoll umgehen zu lernen! Aber wie es uns im Sinn einer wirksamen Prävention gelingen wird, andere Identifikationsfiguren für ein kraftvolles, positives Frauenbild besser medial zu verankern, wird die nächste große gesellschaftliche Aufgabe sein.


Elfriede Hammerl sagte in „Menschen & Mächte“ auf ORF 2 am 6. März 2013: „Ich stehe zu meinem 70er-Jahre Feminismus. Es ist kein besserer nachgekommen. Schlecht ist nur, dass so wenig weitergegangen ist!“ Das sehe ich genauso – allerdings wir müssen ihn wohl neu einkleiden, um ihn für junge Mädchen wieder attraktiv zu machen. Feminismus muss sexy werden, ohne pornographisch zu sein!


Zurück zur Übersicht

Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

Ihre Meinung zählt

Wir freuen uns über Ihren Kommentar zu diesem Blogeintrag

Kommentare zu diesem Beitrag:

Michaela Schröckenfuchs schrieb am 27.03.2013 08:56

Danke für diesen Beitrag! Als Mutter von zwei pubertierenden Mädchen stehe ich diesem Phänomen ebenfalls ratlos gegenüber, vor allem habe ich das Gefühl, dass wir gerade wieder einen feministischen Rückschritt erleben. Spreche ich meinen Töchtern gegenüber emanzipatorische Gedanken aus, höre ich oft "Mama das war früher so, heut ist das anders".
Als einen Grund dafür sehe ich, das es kein großes gesellschaftliches Interesse gibt ein positives Frauenbild medial oder gesellschaftlich zu verankern. Vor allem am Land wurden und werden Rollenklischees unreflektiert weitergegeben - vor allem auch von Frauen. Der Feminismus der 70er ist bei einem Großteil der Frauen nie angekommen. Im Gegenteil, Femninismus wird nach wie vor oft abgelehnt.
So hab ich die Volksschullehrerin meiner Tochter darauf aufmerksam gemacht, ob sie nicht bei den Mädchen wenn sie die Aufgaben richtig gemacht haben statt "Rechenkönig" - die weibliche Form "Rechenkönigin" schreiben könnte. Als Antwort bekam ich drauf "Ich bin keine Emanze" - erst als ich sagte, bei ihrem Sohn käme es ihr auch komisch vor, wenn "Rechenkönigin" im Heft stehen würde, hat sie verstanden. Solange die Sensibilität für diese alltäglichen Dinge fehlt, und alte Rollenklischees teilweis auch in Kindergarten und Volksschule weitergelebt werden, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das Frauenbild nachhaltig und positiv medial verändert. Ein erster Schritt dazu wäre aber aus meiner Sicht wieder eine vermehrte Diskussion und ein Sichtbarmachen der derezitigen weiblichen Rollenbilder und ihre Auswirkungen auf das weibliche Leben, vor allem auf die jungen Frauen.

powered by webEdition CMS