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Blog und Diskussion

Spießrutenlauf zur Sucht-Therapie

Dr. Johannes Bernegger - 12.6.2019 08:11

Es ist ein großer Schritt, zur Einsicht zu kommen, dass man eine Therapie benötigt und seine Sucht behandeln lassen möchte. Es ist schwierig, der Droge zu entsagen und dafür in der nüchternen Wirklichkeit des eigenen Lebens anzukommen. Die Motivation zur Therapie muss also groß sein. Sie ist aber auch instabil und kann leicht verlorengehen. Deshalb braucht es einen unkomplizierten und raschen Zugang zur Therapie.

 

Das Gegenteil ist der Fall. Ein drogenabhängiger Mensch wird vom Gericht zu einer fünfmonatigen Haftstrafe verurteilt. Auf seinen Wunsch erhält er vom Gericht die Möglichkeit, statt der Freiheitsstrafe eine sechs Monate dauernde Drogentherapie zu machen. Die Voraussetzung dafür ist eine Bestätigung des behandelnden Arztes und der Suchthilfe, dass er in Betreuung ist. Die Zusage zur Aufnahme in eine Entgiftungsstation muss eingeholt werden und ein Therapieplatz muss zugesichert sein. Wöchentlich muss man sich dort melden, damit diese Plätze nicht verloren gehen. Jetzt muss der Antrag auf Kostenübernahme an eine Krankenkasse oder das Sozialamt gestellt werden. Diese Anträge werden immer negativ beschieden, mit Berufung auf das Gericht, das die Weisung dazu erteilt hat. Erst nach diesen Bescheiden kann das Gericht den Beschluss auf Übernahme der Behandlungskosten erlassen.

 

Während der Behandlungszeit hat die behandelte Person kein Einkommen und ist nicht krankenversichert. Ein suchtkranker Mensch muss außerdem während der Therapie den Wohnsitz abmelden. Ein neuer Antrag auf „Taschengeld" und Krankenversicherung muss gestellt werden. Das Sozialamt am gegenwärtigen Wohnsitz erklärt sich für nicht zuständig, weil es während der Therapie keine Meldung am Wohnsitz gibt. Das am Therapieort zuständige Sozialamt sagt, es wird erst zuständig nach einer halbjährigen Wartezeit. Wer eine lange Therapie macht muss seine Wohnung aufgeben. Wer sollte die Miete bezahlen? Durch die Abwesenheit vom Wohnort geht auch der Anspruch auf eine Gemeindewohnung für die Zeit danach verloren. Nach erfolgreicher Therapie steht dieser Mensch vor dem Nichts.

 

Diese kafkaeske Geschichte ist der reale Fall eines Klienten von NEUSTART. Er dauerte vom ersten bis zum letzten Schritt dreieinhalb Monate. Dabei haben alle beteiligten Stellen gesetzeskonform gehandelt. Warum der Klient dennoch auf Therapie fahren kann? Weil er ungewöhnliches Durchhaltevermögen hat; weil seine Bewährungshelferin und die Sozialarbeiterin der Suchthilfe ausdauernd waren; und weil das Sozialamt letztlich eine unbürokratische Lösung ermöglichte. Wo unser Klient nach der Therapie wohnen kann, ob er seinen bestehenden Anspruch auf eine Gemeindewohnung verliert, ist noch offen. Unser Auftrag ist, rückfallpräventiv zu arbeiten. Das machen wir gerne. Es wird uns und unseren Klientinnen und Klienten allerdings oft sehr schwer gemacht.

 

Dr. Johannes Bernegger ist Leiter von NEUSTART Salzburg

 

 

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Daniela Himmelsbach schrieb am 12.06.2019 08:29

Besonders schwierig in eine Suchttherapie aufgenommen zu werden wird es dann, wenn zuvor kein Wohnplatz vorhanden war, zumal die Aufnahme in eine stationäre Therapie ohne Hauptwohnsitz fast nicht möglich ist. Zwar kann auch dies gelingen, aber wiederum mit viel Bürokratie, Aufwand, Menschlichkeit, Ausdauer.

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