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Blog und Diskussion

Geiselnahme

Mag. Dorit Bruckdorfer - 31.5.2007 08:25

Einem Wiener Musiker wurde am Pfingstwochenende seine Stradivari gestohlen. Aus dem Tresor. Nun taucht die Frage auf: „Wie wird man als Dieb eine Stradivari los?“ Zweieinhalb Millionen Euro soll sie wert sein und auf dem freien Kunstmarkt schwer verkäuflich. Diese Variante scheidet also aus, kein seriöser Händler würde sich da die Finger verbrennen.
Alternativen: Es war ein Auftragsdiebstahl und der Preis für die „Beschaffung“ der Geige wurde bereits vorher verhandelt. Der Auftraggeber hat nur das Pech, dass er seine Freude mit niemandem teilen kann, weil die Gefahr zu groß ist, dass das weitergetratscht wird. Es kann aber auch ein Zufallsfang gewesen sein und der Dieb wusste nicht, was er da mitgehen lässt. Dank intensiver Medienberichterstattung weiß er es nun und erhält auch gleich die Anregung, wie er weiter vorgehen kann: eine Lösegeldforderung bietet sich an. Die Stradivari ist jetzt möglicherweise eine Geisel, um deren Freilassung verhandelt wird. Der Dieb steht somit vor mehreren Herausforderungen: Er ist erstens erpressbar von jedem, der über seinen Fang Bescheid weiß. Zweitens muss er wahrscheinlich hart verhandeln um den Preis, den er im Gegenzug für die Stradivari erhält. Drittens muss er mit der Stradivari sorgsam umgehen (bitte nicht - wie die Saliera - im Wald vergraben), weil davon viertens die Be- und Verurteilung durch die Justiz abhängen wird für den Fall, dass er enttarnt wird. So wird er vielleicht eines Tages sagen: „Hätt’ i ka Stradivari g’stoin, war’ i z’Haus bliebn, wär’ i ned im Häfn.“

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

david ramirer schrieb am 04.06.2007 13:28

Interessanterweise hat meines Wissens nach noch niemand in Betracht gezogen, dass der Dieb eventuell ein neidischer Geigenvirtuose sein könnte, der sich im "stillen" Kämmerlein an dem wohlfeilen Instrument erfreut und Bach, Vivaldi oder auch Laurie Anderson-Stücke damit interpretiert und *gar nicht einmal im Traum daran denken würde*, das Meisterstück wieder herzugeben.
Diebe müssen ja am Geld orientiert sein, das passt besser ins Schema.

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