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Blog und Diskussion

Burn-out. Macht (Sozial)Arbeit krank?

Dr. Elisabeth Grabner-Tesar - 21.8.2007 09:04

Wie kommt es, dass laut Medienberichten immer mehr Werktätige unter einem „Burn-out-Syndrom“ leiden? Überhöhte Leistungsanforderungen, enormer Zeitdruck oder Angst vor Arbeitsplatzverlust werden unter anderem als Gründe genannt. Stressfreie Lebensräume scheinen zu schwinden, auch Freizeitverhalten wird zu einer Messgröße für Erfolg.

Gleichzeitig boomen Gesundheitsmagazine, Wellness-Angebote und Bioläden. Aber wann das alles konsumieren, um leistungsfähig zu bleiben? Wann die verspannten Schultern lockern, den Darm entgiften, das Säure-Basen-Gleichgewicht ordnen, Cholesterin und Blutdruck regeln?

Von einer  interessanten Burn-out-Besonderheit lese ich im Standard (10.8.2007): In Führungsetagen gibt es kein Burn-out! Ist die Luft dort oben so nahrhaft oder zeigen gute Chefs keine derartigen Empfindlichkeiten? Ich fürchte, sie halten durch, denn sie wissen genau: keine Blässe, kein Seufzer, keine Pause ohne Imageschaden. So führt der Weg also unerbittlich zum nächsten Karriereschritt, wenn nicht die Pensionsfeier dem Treiben des dynamisch-agilen 70-jährigen ein jähes Ende bereitet. Manchmal unterbricht für alle völlig überraschend (über Krankheit spricht man nicht) der Tod eine blühende Karriere.

Du weißt nicht mehr wie die Blumen duften,

kennst nur die Arbeit und das Schuften

… so geh’n sie hin die schönsten Jahre,

am Ende liegst Du auf der Bahre

und hinter Dir da grinst der Tod:

Kaputtgerackert – Vollidiot.


Schonungslos führt uns Ringelnatz die Gefahren und Folgen von übermäßigem Einsatz vor Augen. Traurig ist auch die negative Beurteilung eines aufopfernden Arbeitslebens. Da wären Alternativen hilfreich -  zum Beispiel der Verein der glücklichen Arbeitslosen in Berlin: die freuen sich darüber, sich in Ruhe der „Rückeroberung der Zeit“ widmen zu können.

Krank, tot, arbeitslos - das alles fällt für den Durchschnittswerktätigen wohl eher unter die Kategorie “Nicht-Ziele“ (in Management-Seminaren gelernt – was möchte ich nicht erreichen?); aber es tun sich viele Fragen auf, möchten doch Viele Alles und das sofort - Arbeit, Wohlfühlen und sogar Gesundheit!

Stress reduzierend wirkt der in der Sozialarbeit gelernte weite Blick auf’s Ganze, also auch auf das Zusammenspiel von Gesellschaft und Individuum. Dieser Blick soll eine vorschnelle Individualisierung von Problemen verhindern und somit den Einzelnen entlasten. Der „kaputt gerackerte Vollidiot“ kann uns also als Warnung dienen und den Blick für Lösungen schärfen. Sich dieses Etikett vorschnell selbst zu verpassen wäre ein erster Schritt ins Burn-out.

Dr. Elisabeth Grabner-Tesar ist Leiterin von NEUSTART Wien 21 / Korneuburg

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Mag. Reinhard Kaufmann schrieb am 26.09.2007 13:59

Burnout - Hype und Realität
Ein ausgeprägtes Burnout Syndrom ist eine schwere psychische Erkrankung und verursacht bei betroffenen Personen bis zu mehrmonatige Arbeitsunfähigkeit. NEUSTART nimmt diesbezügliche Gefährdungen sehr ernst und der Zentralbereich Personal und Personalentwicklung hat in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und der arbeitspsychologischen Betreuung ein Präventionskonzept erarbeitet, welches in den nächsten Monaten in den Einrichtungen präsentiert und diskutiert wird.
Unsere Recherchen haben jedoch ergeben, dass die in den Medien bis hin zu so genannten Qualitätszeitungen genannten Zahlen von Betroffenen außergewöhnlich hoch übertrieben sind. Ein Teil der Fachliteratur unterstützt diesen Hype. Wie bei anderen Modethemen fehlt es in dieser Berichterstattung an begrifflicher Genauigkeit und Differenzierung. Dies führt dazu, dass mit dem Begriff Burnout inzwischen eine breite Palette von Befindlichkeiten zwischen mehr oder weniger berechtigtem Ärger über berufliche oder private Rahmenbedingungen bis hin zur ernsten psychischen Erkrankung bezeichnet wird. Dies erschwert eine sachliche und zielorientierte Diskussion des Themas. Die seriöse Literatur zu Burnout geht davon aus, dass diese Erkrankung grundsätzlich in allen Bevölkerungs- und Berufsgruppen sowie Hierarchieebenen auftreten kann. Manche Gruppen sind möglicher Weise eher geneigt oder in der Lage, in ihren Reihen auftretende Probleme im Kontext der Burnout-Diskussion zu kommunizieren.