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Blog und Diskussion

Jugendgewalt - ein unverständliches Phänomen?

Susanne J. Pekler - 31.8.2007 13:15

"Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer."

So sprach Sokrates vor fast zweieinhalbtausend Jahren schon - angeblich. Ist es also Privileg jeder Generation, die nachfolgende für die schlimmste zu halten? Oder ist es doch so, dass wir nun mit steigender Jugendkriminalität, Komasaufen, Happy Slapping, kaum 14-jährigen Drogentoten und einer ständig steigenden Gewaltbereitschaft eine Situation haben, die prekär ist wie nie?

Nun, die Wahrheit liegt wohl in der Mitte und ist wie bei den meisten relevanten Dingen im Leben etwas differenzierter zu betrachten. Selten ist was schwarz oder weiß wie die Schafe unserer Kampagne; nur Demagogen bedienen sich des schwarz-weiß Denkens.

Es stimmt, dass die Anzeigen betreffend Jugendkriminalität steigen, aber wir wissen auch, dass heute Dinge angezeigt werden, die früher zum „normalen“ Aufwachsen gehörten: Diebstähle oder „Streiche“ (Vandalismus in Nachbars Garten, Raufereien am Schulhof oder Revierkämpfe zwischen Jugendbanden). Dass Gewalt und deviantes Verhalten schon viel früher kriminalisiert wird soll hiermit nicht bewertet werden, nur bedacht in der Interpretation der steigenden Zahlen. Diese kritische Würdigung nehmen ja auch die Gerichte vor, weswegen die Anzahl der Verurteilungen eben nicht steigend ist!

Natürlich ist es schockierend, dass immer jüngere Kids zu unfassbar brutalen Gewalttaten fähig sind und diese jedenfalls lustvoll phantasieren. Aber wurden nicht seit mittlerweile Jahrzehnten die Mahnungen von Medienpädagogen in den Wind geschlagen? Wurden nicht unsere Kinder von frühester Jugend an dem Fernsehen, Video und Computerspielen ausgesetzt, die immer brutaler und immer realer werden? Weil sie dann ruhiger sind als wenn sie beschäftigt werden wollen oder zwischen den Häusern toben und im Stiegenhaus Party feiern. Fürs erste jedenfalls...

Ist es nicht so, wenn wir die Globalisierung so toll finden, die uns billige Flugmangos beschert und ganzjährig Erdbeeren und Diet Coke in jedem Lokal auf der ganzen Welt, dass wir uns dann auch Konzepte überlegen müssen, wie wir die viel gepriesene Mobilisierung der Menschheit bewältigen, wenn wir an sprachliche, kulturelle oder ethische Grenzen stoßen? Es ist nichts zu sagen gegen einen Multi-Kulti-Welt. Wenn wir uns darauf einlassen, dass Integration Zeit, Geld, gute Programme und noch mehr guten Willen braucht. Sonst haben wir eine kulturlose Welt, das kann niemand wollen.

Niemand wird ernsthaft meinen, dass die patriarchale Familie, die sich Respekt über Prügelstrafe verschaffte, die bessere Option war. Aber eine Gesellschaft, die - bei aller berechtigten Patchworkeuphorie, wo mit Bedacht vorgegangen wird - eigentlich überwiegend von abgebrochenen Kurzzeit-Stief-Eltern-Kind-Beziehungen dominiert wird, kann nicht erwarten, beziehungsfähige Kids zu produzieren.

Wenn wir zulassen, dass die Villa im richtigen Viertel, der Jaguar vor der Tür und die richtige Uhr am Handgelenk unseren gesellschaftlichen Status definiert, dann darf nicht verwundern, dass unsere Sprösslinge in der Schulgarderobe erpressen und überfallen; damit sie die richtigen Turnschuhe und Jacken erbeuten, falls sich die Familie dieses begehrte Eintrittsticket in die richtige und wichtige Peergroup doch nicht leisten kann.

Da selbst Papa heute das schütter werdende lange Haar zum Pferdeschwanz zusammenbindet und Mutter mehr Piercings im Gesicht hat als die Tochter, muss diese zur Ausbildung einer autonomen Ich-Identität über andere (mag sein krassere) Provokationen, Abgrenzungen und Standortdefinitionen verfügen. Die pubertierenden Jugendlichen sind angewiesen auf Eltern, Umfeld, Gesellschaft, die sich diesem Bedürfnis nach Halt und nach Grenzen, gegen die es anzulaufen gilt, aktiv stellen, Reibung aushalten und vor allem nicht müde werden, das Gespräch zu suchen. Auch wenn die Jugendsprache oft rätselhaft für uns scheint. Hinhören, Nachfragen, konfrontieren, abwägen, Paroli bieten und Zugeständnisse machen. Dieser Aufgabe haben wir uns zu stellen, die lässt sich nicht outsourcen.

Denn (um zum Abschluss wieder Sokrates zu Wort kommen zu lassen, der beweist, dass sich trotz Raumfahrt, Handy und Cybersex das Wesentliche im Umgang zwischen Menschen nie geändert hat): "Wo es kein Gespräch mehr gibt, beginnt die Gewalt."

Susanne J. Pekler ist Leiterin von NEUSTART Obersteiermark

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Zu diesem Beitrag gibt es |2 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Franz Ebenbauer schrieb am 05.12.2012 21:56

Wie kann man einen sprachlich so kaputten Beitrag ins Internet stellen!
Pisa lässt grüßen!
Shame on you!

Lang schrieb am 03.09.2007 10:48

Unwahrscheinlich, dass unter 14-jährige wegen Perspektiv-oder Arbeitslosigkeit in stress geraten, der Agression auslöst. Diese zahnlosen Erklärungen schieben notwendiges vor sich her. Keiner hat den Mut zahnlose Massnahmen zu ändern. Eltern werden überhaupt nicht angegriffen.
Auch: da gab es einen Dr. Marjan Heitger, der seitenlang im Chor mit (bezahlten ?) Psychoingenieuren Abhandlungen veröffentlichte wie gut Gewaltfilme/Spiele seien weil sie "Agressionen verarbeiten, abbauen helfen".
Der Schmarrn war in vielen Publikationen.
UND: Langweile nach Diesel Hosenkauf und Armani muss es sein," H.u.M kann man ja nicht kaufen"(Kurier 02.09.07) . Lernwille Null, alles langweilig, Null Substanz. Also warum keine ernsten Massnahmen.Mit "SpielerischGelerntem" wird später keine Firma was anfangen können.
Wer will solche Typen ausbilden? Jetzt fehlen Facharbeiter. Sind die "Gewaltbereiten" nur noch schwache Idioten oder fehlt eine Kandare- auch bei Eltern.
Immer wenn "Jugendarbeiter" ihre Kommentare abegeben ist das ohne Inhalt ohne ernsten Plan ohne Kraft ohne Mut. (Kurier 03.09.07)
Keine Grenzen werden gesetzt.
Frequency: da glaubt man, dass solche u.ä. Veranstaltungen den Jungen ein Gemeinschaftsgefühl, Halt untereinander und Ausleben geben. Wenn man dort war: Resultat
eine kommerzhörige Schafherde, die allen Königen ohne Kleider anheimfallen. Hohe Arztfrequenz nachher. Schlicht BLÖD.