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Blog und Diskussion

Spenden ohne Steuern - Sponsoring statt Spenden?

Mag. (FH) Christian Pimperl - 8.11.2007 13:50



Es war einmal ... die Geschichte von der Steuerabsetzbarkeit für humanitäre Spenden. Oder: Gibt es andere Wege, um die nicht-staatliche Finanzierung von NEUSTART zu steigern?

Die Flutkatastrophen vergangener Jahre (Tsunami im indischen Ozean, Donau-, Kamp- und March-Hochwasser) sowie die damals bevorstehenden Wahlen veranlassten die (potenziellen) Regierungsparteien (im Zuge der regelmäßig im Wahlkampf thematisierten Steuerreformen beziehungsweise –entlastungspakete), auch über das Thema einer Steuerabsetzbarkeit für (private) Spender zu reden.

Das österreichische Steuerrecht sieht für Spenden an bestimmte Organisationen (zum Beispiel die österreichische Nationalbank, Museen, das Bundesdenkmalamt…) und für Organisationen, die ausschließlich wissenschaftliche Zwecke verfolgen, eine Steuerabsetzbarkeit vor (zum Beispiel Spenden an die Gesellschaft der Freunde von Ephesos, den Jubiläumsfonds 50 Jahre VOEST, die Österreichische Gesellschaft für Ameisenkunde…). Anmerkung: Es wurden hier bewusst eher ungewöhnliche Beispiele herangezogen.

Eine Spende für humanitäre Zwecke ist sowohl für Unternehmen als auch Privatpersonen nicht von der Steuer absetzbar. Im Zuge der Flutkatastrophen wurde die Hilfestellung in Katastrophenfällen, wenn sie der Werbung dienten, ebenfalls steuerfrei gestellt. Meines Erachtens ist dies keine Spende, sondern eine Sponsoringleistung und diese gilt wiederum für Private nicht (ich glaube nicht, dass das Finanzamt persönliche Werbung gelten lässt?). Daher gilt, dass grundsätzlich in Österreich für humanitäre Zwecke vor allem von Privatpersonen nicht steuerbegünstigt gespendet werden kann. Für Unternehmen gibt es das "Schlupfloch" Sponsoring. Beiträge für angemessene Werbeaktivitäten durch gemeinnützige Organisationen können als Werbeaufwand beim Sponsor abgesetzt werden. Auch hier gibt es Einschränkungen: Kleinen Organisationen wird die Eignung als Werbeleister von den Steuerbehörden oft abgesprochen.

Nun ja, die Wahlen sind schon lange geschlagen, es gibt genügend wichtigere Themen wie (Nicht)Raucherschutz, den Bundesheereinsatz im Tschad, Nikolaus und Krampus in öffentlichen Schulen et cetera. Ist der damalige Initiativantrag zur Änderung des § 4 des EStG 1988 (Einkommenssteuergesetz) in Vergessenheit geraten? Wahrscheinlich nicht, daher gilt, Augen und Ohren auf, damit auch NEUSTART unter die aufgezählten Tätigkeiten des Initiativantrages fällt – zum Beispiel durch Formulierungen wie „justiznahe Sozialarbeit", „Tätigkeiten zur Vermeidung von strafbaren Handlungen", „Hilfe für Opfer" oder ähnliches.

Das ist die eine Seite der Medaille. Hat auf der anderen Seite NEUSTART überhaupt Chancen, am Spendenmarkt zu reüssieren? Soll sich eine gemeinnützige Organisation wie NEUSTART, die als Spendenwerber um den privaten Spendentopf auf Grund seines Klientels und der derzeitigen Law and Order-Themen eher nicht gut wegkommt, darauf verlassen, dass irgendwann einmal Spenden steuerlich absetzbar sind? Würde dies überhaupt zu einem höheren Spendenaufkommen bei NEUSTART beitragen?

Wenn NEUSTART innerhalb seiner Statuten außerhalb seiner Dienstleistungs- und Förderverträge frei tätig werden will, benötigen wir zusätzliche finanzielle Mittel. Gibt es also andere Wege? Im Zuge der Spendenabsetzbarkeitsdiskussion tritt immer öfter der Begriff Social Sponsoring oder Corporate Social Responsibility (CSR) auf. Das bedeutet, dass Profit-Unternehmen im Rahmen eines vorhandenen Leitbildes, das mehr als nur eine Sonntagsrede sein soll, gemeinnützige Non-Profit-Organisationen wie etwa die Volkshilfe, die Caritas oder NEUSTART unterstützen; und somit Verantwortung für gesellschaftliche Themen übernehmen (ihr Beitrag zur so genannten Bürgergesellschaft - egal wie man nun zum Begriff steht). Nichtsdestotrotz müssen Unternehmen wirtschaftlich handeln - im Grunde ist CSR nichts anderes als Sponsoring. Deshalb stellen sich Fragen wie „Wie sieht die Gegenleistung von NEUSTART aus?" und „Wie kann NEUSTART den Sponsor werbewirksam unterstützen?".

Können wir diese Fragen ausreichend beantworten, muss NEUSTART nicht auf die Steuerabsetzbarkeit von humanitären Spenden warten, sondern kann mit wesentlich mehr Mitteln neue Projekte umsetzen.

Mag. (FH) Christian Pimperl ist Leiter des Zentralbereichs Rechnungswesen bei NEUSTART

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Harald Dvorak schrieb am 16.12.2008 07:40

"Nichtsdestotrotz müssen Unternehmen wirtschaftlich handeln - im Grunde ist CSR nichts anderes als Sponsoring."
Ja, wenn man Spenden unter dem Aspekt betrachten möchte, dass man für eine Spende eine Gegenleistung bekommt. Das geht halt bis zu einem gewissen Grad zulasten möglicher Spendenempfänger. Meiner Ansicht nach, besteht eine "gesunde" Spende (im ideologischen Sinn) darin, einen Prozentteil des Unternehmenserfolgs gemeinnützigen Institutionen zur Verfügung zu stellen - ohne Gegenleistung dieser Institutionen. Mit "gesund" meine ich, dass Spenden nur dann möglich ist, wenn auch für den Spender etwas übrigbleibt (z.B. aus einem Unternehmensgewinn). Da bietet sich ein Prozentsatz für Spenden geradezu an, denn 10% bleiben immer 10% ;-)