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Blog und Diskussion

Stalking: Wir sind die Trenner

Mag. Dorit Bruckdorfer - 7.3.2008 15:04

Normalerweise nicht. Sinnvollerweise und in manchen Fällen aber schon. Etwa bei Stalking, wenn es nämlich darum geht, den größten Wunsch eines Stalkers zu vereiteln: dass er mit seinem Opfer Kontakt hat. Da machen unsere Sozialarbeiterinnen anders als üblich genau das Gegenteil von dem, was sie sonst tun: Sie trennen, statt zu vermitteln.

Laut Gesetz geht es um Stalking, wenn eine Beschuldigte oder ein Beschuldigter einen anderen Menschen in einer Art und Weise so beharrlich verfolgt, dass dieser in seiner Lebensführung unzumutbar und eine längere Zeit hindurch fortgesetzt beeinträchtigt ist. Das kann etwa durch das Herstellen räumlicher Nähe sein, durch Kontakt über Dritte oder via Telekommunikationsmittel.

4.415 Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft seit Einführung des neuen Gesetzes im Juli 2006 stehen 363 Verurteilungen und 204 Freisprüche gegenüber. Rund sechs Prozent aller Anzeigen wurden diversionell erledigt. Etwa durch einen Tatausgleich oder Anordnung von Bewährungshilfe. Trotz eines kurzen Beobachtungszeitraums und noch ausständiger Evaluierung ist die Diskussion über den Umgang mit Stalking heftig.

Der Hauptvorwurf lautet „Bagatellisierung“: weil die Verurteilungsrate bei anderen Delikten häufiger ist; weil es oft nicht zu einer förmlichen Gerichtsverhandlung kommt, wo dann zu Geldstrafe oder bedingter Strafe verurteilt wird; sondern weil stattdessen zum Tatausgleich zugewiesen oder Bewährungshilfe angeordnet wird. Dann gibt es die Meinung, dass das Opfer wider seinen Willen zum Tatausgleich kommt. Und dann gibt es noch die Fehlmeinung, dass beim Tatausgleich Täter und Opfer zusammengebracht werden (worum es üblicherweise bei einem Tatausgleich ja auch geht).

Aber: Stalking ist anders. Die Behauptung, dass bei der von NEUSTART durchgeführten Hilfe bei Stalking Täter und Opfer zusammentreffen, ist falsch. Denn: Die Sozialarbeiterin ist in so einem Fall die Trennerin. Oberstes Prinzip und erste Maßnahme ist der sofortige Kontaktabbruch. Der Täter muss ihr das schriftlich geben, und diese Vereinbarung wird kontrolliert. Ohne Zustimmung des Opfers geht von Anfang bis Ende gar nichts – und ohne Zustimmung des Opfers gibt es auch keinen positiven Abschluss des Tatausgleichs. Anders als sonst bei einem Tatausgleich geht es beim Stalking nicht um eine Entschuldigung des Täters oder der Täterin. Um seine oder ihre Schuldeinsicht geht es schon, und die soll in der Betreuung mit der Sozialarbeiterin erarbeitet werden. Nur mit dem Täter, ohne Beisein des Opfers. Mit dem Opfer wird daran gearbeitet, wieder angstfrei und unbehelligt leben zu können. Mit Maßnahmen wie der Erstellung eines Sicherheitsplans, der Kontrolle des Täters, der Hilfestellung für notwendige Maßnahmen wie Prozessbegleitung oder Vermittlung in Beratungseinrichtungen hilft die Sozialarbeiterin von NEUSTART, dass das gelingt.

Beim Vorwurf der Bagatellisierung und der Ablehnung diversioneller Erledigung stehen einander die Positionen „Strafe muss sein“ und „Helfen statt strafen“ gegenüber. Da geht es nicht nur um das Thema Stalking, sondern um eine prinzipielle Positionierung zum Umgang mit Straffälligkeit. Diese Polarisierung ist nicht neu, aber immer aktuell. NEUSTART zeigt: Man kann trennen und gleichzeitig helfen, ohne zu strafen - und dennoch bleibende Wirkung erzielen. Bei Opfern und Tätern.

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