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Blog und Diskussion

Das "Bild des Kriminellen"?

Dr. Kristin Henning - 27.3.2008 14:05

Beim Gespräch mit einer Praktikantin über ihre Eindrücke und Erfahrungen beim Tatausgleich ging es um das „Bild des Delinquenten“. Sie berichtete, dass bei ihr anfangs aufgrund der spärlichen Informationen, die sie über die Akten hatte (in der Regel lediglich eine kurze Schilderung des Sachverhaltes), bestimmte Bilder und Vorstellungen der beteiligten Menschen entstanden waren. Anscheinend stellte Sie sich diese anfangs eher kräftig, korpulent, ungebildet und mit schlechtem Ausdrucksvermögen, aggressiv und wohl sicherlich nicht sympathisch vor.

So war sie erstaunt, mit den Klienten des Tatausgleichs in Kontakt zu treten: finden sich doch hier alle Altersgruppen (vom 14-jährigen, gerade strafmündig gewordenen Jugendlichen bis hin zum 80-jährigen Großvater), Mädchen wie Burschen, Männer wie Frauen, Hilfsarbeiter wie Akademiker, Arbeiter, Angestellte, Beamte; sprich ein Querschnitt der österreichischen Bevölkerung. Und natürlich (schließlich gibt es keine „Typologie des Verbrechers“ oder anders gesagt kein „Bild des Kriminellen“) ist auch vom äußeren Erscheinungsbild alles vertreten.

Unsere Praktikantin stellte auch fest, dass ihr einige Täter aufgrund ihres freundlichen Wesens und ihrer angenehmen Art durchaus sympathisch waren. Natürlich entstand keine Sympathie für die Tat oder gar eine Rechtfertigung, aber sie stellte fest, dass sie bei einem Kennenlernen unter anderen Umständen nie auf den Gedanken gekommen wäre, dieser Mann könnte seiner Frau Gewalt antun.

Warum hatte sie (und wenn man/Frau ehrlich ist, vermutlich viele von uns) diese Bilder und Vorstellungen im Kopf? Ein sicherlich von klein auf prägendes Medium ist das Fernsehen. In vielen Filmen – Krimis wie Actionfilmen – ist der Bösewicht leicht ausgemacht (interessanterweise verändert er sich im Laufe der Zeit zum Beispiel vom sowjetischen Spion zum muslimischen Terroristen). Auch in Märchen und Zeichentrickfilmen wird oft „das Gute“ mit dem „Schönen“ und „das Böse“ mit dem „Hässlichen“ symbolisiert. Erst der Gang mit offenen Augen durch die Welt lehrt uns, dass die Realität eine andere ist und so bauen wir hoffentlich alle unsere Vorurteile ab.

Auch die Medien berichten selten differenziert. In Zeitungen und Nachrichtenmagazinen finden sich meist Stereotype und Klischees und wenig über die Hintergründe von Taten und die Geschichte der handelnden Personen. Hier vermittelt der Tatausgleich eine andere Realität: Gut und böse, richtig und falsch liegen oft nahe beieinander; und es ist oft nur ein kleiner Schritt, der einen straffällig werden lässt. Das Leben besteht zumeist nicht aus schwarz-weiß, sondern aus vielen Schattierungen.

Dr. Kristin Henning ist Konfliktreglerin bei NEUSTART Tirol

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