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Blog und Diskussion

Das Recht auf ein eigenes Konto

Leopold Schilcher - 2.4.2008 09:03

Eine Forderung, die unlängst im Rahmen der Armutskonferenz erhoben wurde: das Recht auf ein eigenes Konto. Der Bezug von Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Lohn, Krankengeld, Pension et cetera – all das ist an das Vorhandensein eines Bankkontos geknüpft. Aus Gründen der Existenzsicherung ist Arbeiten mit Geld in der Betreuung von NEUSTART und hier speziell in den Bereichen Haftentlassenenhilfe und Bewährungshilfe eine alltägliche und oft auch mühsame Notwendigkeit.

Viele unserer Klienten sind „UKV“ (unerwünschte Kontoverbindung) und haben keinerlei Möglichkeit, ein Bankkonto zu eröffnen. Hausgemachte Lösungen im Rahmen unserer Kassenerfassung und Buchhaltung helfen fürs Erste, sind aber auch nur halbe Lösungen. Zur Erweiterung unseres Handlungsspielraums ist nach dem Finanzcoaching und der damit verbesserten Heranführung unserer Klientel an Ausgleich und Privatkonkurs die Kooperation mit der Zweiten Sparkasse ein nächster wichtiger Schritt in Richtung des Ziels, ein eigenes Konto zu haben.

In Salzburg arbeiten wir daher seit Anfang März dieses Jahres mit der Zweiten Sparkasse in Salzburg zusammen. In Gesprächen, gegenseitigen Einladungen und Besuchen haben wir die Partner als sehr sympathisch, engagiert und motiviert kennengelernt. Klienten, die in laufender Betreuung stehen und von uns empfohlen werden, haben ab jetzt die Möglichkeit, ein Habenkonto zu eröffnen. Der fehlende Überziehungsrahmen soll vor Neuverschuldung schützen. Der Zeitraum ist noch zu kurz, um über Erfolg sprechen zu können, die Nachfrage ist allerdings groß. Gemeinsames Ziel von NEUSTART und der Zweiten Sparkasse ist es jedenfalls, möglichst vielen unser Klienten/Kunden einen dauerhaften Wiedereinstieg in geordnete wirtschaftliche Verhältnisse zu ermöglichen.

Geld ist ein hoch aufgeladener Begriff, mit dem so starke Worte wie Freiheit, Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Glück assoziiert werden. Ohne Zweifel werden daher der Umgang mit Geld und die vielen Beziehungsangebote, die sich daran knüpfen, auch weiterhin Gegenstand unserer Zusammenarbeit und Auseinandersetzung mit unseren Klienten bleiben. Es wird notwendig sein, auch zukünftig sehr flexible und individuelle Ziele und Arbeitsschritte zu entwickeln. Eine Möglichkeit mehr im Angebot zu haben entspannt und macht Raum, weitere Schritte auf dem Weg in ein deliktfreies Leben zu gehen.

Leopold Schilcher, MAS ist Sozialarbeiter bei NEUSTART Salzburg

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