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Blog und Diskussion

Erziehungscamps - die Lösung?

DSA Herbert Janusch - 17.4.2008 09:35

In den letzten Wochen und Monaten war immer wieder von Jugendlichen, die Gewalttaten setzen, die Rede. Gepaart mit mehr oder weniger hilfreichen und „Erfolg versprechenden“ Ratschlägen. Eine auch von politisch prominenter Seite lancierte geeignete Maßnahme wären sogenannte Erziehungscamps. Gemeint war damit, dass Jugendliche für mehrere Wochen oder Monate irgendwo im Ausland (Sibirien war im Gespräch) unter anderem Disziplin- und Arbeitsdrill unterzogen werden sollten.

Betrachtet man die Gewalt der Jugendlichen als Symptom und macht sich die Mühe, detaillierte Ursachenforschung beim Einzelnen zu betreiben, so wird sichtbar, dass oftmals ein Bündel an Problemlagen zu bearbeiten wäre; beispielhaft zu nennen etwa impulsive Aggressivität, fehlende Ausbildung und fehlender Schulabschluss, materielle Armut, reduzierte Freizeitaktivitäten, Alkohol- und/oder Drogenmissbrauch…

Fraglich ist nun, ob in einem sibirischen Strafcamp (dieses Bild drängt sich, auch historisch beeinflusst, förmlich auf) diese Problemlagen bearbeitbar wären und, was noch viel wesentlicher ist, ob der Transfer zurück ins spätere Alltagsleben gelänge. Denn wenn jemand in Sibirien unter strenger Aufsicht und mit dichtem Beschäftigungsprogramm nicht gewalttätig agiert, heißt das noch lange nicht, dass ihm dies in seinem Alltag zu Hause (nach drei getrunkenen Bieren, - noch immer - arbeitslos, und eventuell mit weiteren psychosozialen Problemlagen im Gepäck) auch gelingt.

Als Vorgehensweise erscheint vielmehr ein individuell auf den Einzelnen angepasstes Bündel von Maßnahmen geeignet, die den Jugendlichen lebenswelt- und ressourcenorientiert in seinem Lebensumfeld unterstützen; und wo ein ständiges Erproben beziehungsweise ein permanenter, auch in kleinen Elementen überprüfbarer Transfer in den Alltag stattfindet. Dies in enger Kooperation mit dem zuweisenden Gericht (wenn es schon zu strafrechtlich relevanten Delikten gekommen ist), um allenfalls auch eine klare und harte Grenzziehung zu ermöglichen.

NEUSTART verfügt hier meiner Meinung nach über das passende Spektrum an Angeboten, Kooperationspartnern, langjähriger Erfahrung und Kontakt zu sanktionierenden Gerichten. Als Anti-Gewalt-Trainer (und auch Abteilungsleiter) erlebe ich, dass zum Beispiel folgender Mix hocheffektiv und erfolgreich sein kann: Anti-Gewalt-Training, Unterstützung bei der beruflichen Etablierung durch Motivationsarbeit und Kooperation mit Kursen durchführenden Einrichtungen, Bearbeitung des fraglichen Umgangs mit Alkohol (unter Umständen ebenfalls in Kooperation mit entsprechenden Spezialeinrichtungen) und lebensweltorientierter, aufsuchender, sozialer Kontrolle.

Die große Stärke eines solchen Maßnahmenbündels liegt in der unmittelbaren Umsetzung des Gelernten im Alltag des Klienten und der Möglichkeit, schon bei kleineren Problemen rasch die notwendigen, für den Klienten „maßgeschneiderten“ Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Positive Elemente der Erziehungscamps (wie respektvoller Umgang mit sich selbst und anderen) sind problemlos auch in dieses Maßnahmenbündel übertragbar beziehungsweise ohnehin organischer Bestandteil (beispielsweise im Anti-Gewalt-Training). Geben wir diesen Jugendlichen also eine echte Chance, statt populistischen Aussagen ungewissen Inhalts zu vertrauen.

DSA Herbert Janusch ist Abteilungsleiter bei NEUSTART Obersteiermark

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