Cookies akzeptieren
Wir verwenden Cookies für eine optimale Nutzererfahrung, Media Sharing und um Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr darüber erfahren

Tipps für heikle Situationen

Hier finden Sie viele Informationen und Antworten, wenn eine Angehörige oder ein Angehöriger von Ihnen einer kriminellen Handlung beschuldigt oder verurteilt wurde, wenn Sie gerade aus der Haft entlassen worden sind oder wenn Sie Opfer von Kriminalität geworden sind.

Online-Beratung

Sie können alle Ihre Fragen an die NEUSTART Online-Beratung stellen. Bitte erklären Sie kurz den Hintergrund Ihrer Frage und geben Sie den Wohnort und das Bundesland an. Es ist nicht notwendig, dass Sie Ihren Namen angeben – wir antworten auch gerne auf anonyme Anfragen.

Blog und Diskussion

Grundrecht Wohnen – im Notquartier?

Johanna Ciupek - 30.4.2008 09:16

In der Arbeit mit unseren Klienten stellen wir - wie die meisten sozialen Einrichtungen - fest, dass ein Gutteil dieser Arbeit immer öfter das Verwalten eines Mangels bedeutet. Nicht, dass es keine Ressourcen mehr gäbe. Wenn ich auf der Suche nach Rat und Hilfe durchs Netz google, werde ich mit Information nur so überschüttet. Aber wenn es dann um die Lösung konkreter Probleme meiner Klienten geht, erweisen sich diese Ressourcen nur allzu oft als virtuelle Hilfe. Zum Beispiel das Thema Wohnen.

In der Zwischenkriegszeit waren Bettgeher, gerade in Wien in den armen Familien (also einem größeren Teil der Bevölkerung), üblich. Aber irgendwann gab es einen Quantensprung, und die ersten Gemeindewohnungen wurden errichtet. Für Kleinverdiener war auf einmal ein hoher Wohnstandard möglich. Jeder, der eine Gemeindewohnung ergattern konnte, sagte Dankeschön und vererbte sie noch an die Urenkel weiter.

Diese Urenkel haben heute aber schon viel höhere Ansprüche an Wohnqualität, als sie eine alte und womöglich noch sehr kleine Gemeindewohnung bieten kann. Die freiwerdenden, günstigen, kleinen Wohnungen kriegen also jetzt - unsere Klienten? Ja - aber leider müssen sie vorher viele Hürden überwinden: Sie müssen mindestens ununterbrochene zwei Jahre an derselben Adresse in Wien gemeldet  gewesen sein; wenn sie junge Erwachsene sind, müssen sie schon lange gearbeitet haben; wenn eine Ehe in die Brüche geht und der wohnungslose Partner auch eine Bleibe braucht, muss die Ehe bereits rechtskräftig geschieden sein (was im schlimmsten Fall drei Jahre dauert); sind sie zu zweit, aber unverheiratet, haben sie Anspruch auf eine Miniwohnung. Unter all diesen Voraussetzungen darf man sich um eine Gemeindewohnung BEWERBEN. Dann muss man sehr geduldig sein und sollte an seiner Lebenssituation tunlichst nichts ändern; dann kriegt man eine - eine Gemeindewohnung.

Es gibt aber auch noch die soziale Schiene! Leider ist sie für einen großen Teil unserer Klienten nicht mehr nutzbar. Weil sie zum Beispiel ehemalige Klienten der MAG ELF sind, die nach einem Heimaufenthalt und Erreichen der Volljährigkeit mehr oder weniger automatisch eine Gemeindewohnung erhielten, diese aber ziemlich rasch und oft unter Hinterlassung eines Schuldenberges wieder verloren, da sie (noch) nicht ausreichend wohnfähig waren. Solange diese Schulden nicht restlos getilgt sind, haben sie keine Möglichkeit auf einen Neuantrag.

All diese Menschen haben zwar ein Anrecht auf ein Notquartier (mit gewissen Fristen), aber viele fürchten diesen Abstieg und werden zu Stadtnomaden. Sie nächtigen mal bei diesen Freunden, mal bei jenen. Und verlieren dabei oft jeden Halt. Und dann setzen sie wieder Delikte.

Wien ist doch eine reiche Stadt! Und in diese Stadt gibt es auch Punker, Sandler, Giftler, Kriminelle und sonstige Außenseiter. Und es ist mittlerweile gut belegt, dass eine gesicherte Wohnform das Rückfallrisiko erheblich senkt. Ich wünsche mir, dass diejenigen, die noch soviel Lebenswillen in sich tragen, dass sie sich aus tristesten Umständen rausarbeiten wollen/können, größtmögliche Unterstützung erhalten; und dass diejenigen, die das nicht mehr schaffen, trotzdem ein menschenwürdiges Leben führen dürfen.

Johanna Ciupek ist Bewährungshelferin bei NEUSTART Wien 21 / Korneuburg

Zurück zur Übersicht

Zu diesem Beitrag gibt es |noch keinen Kommentar|

Ihre Meinung zählt

Wir freuen uns über Ihren Kommentar zu diesem Blogeintrag

Kommentare zu diesem Beitrag:

Kein Eintrag vorhanden. Schreiben Sie den ersten.

powered by webEdition CMS