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Blog und Diskussion

Schulsozialarbeit

Mag. Karin Waidhofer - 14.5.2008 14:33

Schulsozialarbeit - kontinuierliches Beratungsangebot als Problemabschiebung oder verantwortungsvolle, interdisziplinäre Gestaltung eines zentralen Lebensraumes?

„Dinge wie Angst, Schmerz, Kummer, Schuld und überhaupt der allgemeine Jammer, das heisst, der Alltag im alten Russland, haben in diesen windschnittigen modernen Zeiten nicht allzuviel Stehvermögen.“ Marisha Pessl, Die alltägliche Physik des Unglücks


Aufgrund der Präventions-Initiative von NEUSTART gegen Jugendgewalt an Schulen und der in diesem Rahmen präsentierten Umfrage hatte ich in den letzten Wochen viele interessante, aufschluss- und lehrreiche Begegnungen in Politik, Behörden und Schulen.

Folgende Ergebnisse unserer Umfrage standen dabei immer wieder im Mittelpunkt durchaus kontroversieller Diskussionen: 93 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer, 85 Prozent der Eltern und 72 Prozent der Schülervertreterinnen und –vertreter wünschen sich externe Unterstützung in Fragen der Gewaltprävention. 70 Prozent der Eltern, 67 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer und 59 Prozent der Schülerinnen und Schüler bevorzugen dabei ein kontinuierliches Angebot über das gesamte Schuljahr hinweg, wie es die Schulsozialarbeit darstellt.

Manche Reaktionen auf diese doch deutlichen Zahlen waren skeptisch bis ablehnend: „Na klar, niemand im System selbst will sich mit diesen Problemen befassen – die sollen abgeschoben werden und in einem Extra-Kammerl durch eine andere Berufsgruppe gelöst werden; dabei muss doch in der Schule selbst ein sozialpädagogisches Klima geschaffen werden und die Lösungen müssen durch Lehrende und Lernende selbst entwickelt werden.“

Selbstverständlich sind Lehren und Lernen nicht auf kognitive Inhalte zu reduzieren. Dies zu versuchen und damit den psychosozialen Lernprozess außer Acht und daher unstrukturiert „ausgrenzen“ zu wollen, macht ihn nicht inexistent oder weniger wichtig – und produziert dabei selbst „Ausgegrenzte“; diese Haltung ist gesundheitsschädlich und wenig sicherheitsfördernd. Sie widerspricht daher dem Präventionsgedanken diametral.

Nun, in Finnland, dessen Schulsystem als PISA-Sieger vielbeäugt und analysiert wird, gibt es an jeder Schule flächendeckend täglich Schulsozialarbeit, und niemand käme dort auf die Idee, dass es dabei um den Versuch der Abschiebung sozialer Probleme ginge. Vielmehr wird dort wie auch mancherorts in Deutschland und der Schweiz erkannt, dass Sozialarbeit Expertentum in der Bearbeitung gesellschaftlicher Spannungsfelder entwickelt hat; und wie sehr dieses professionelle Wissen durch interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Lehrerinnen und Lehrern, Psychologinnen und Psychologen, Krankenpflegepersonal, et cetera dazu beiträgt, die Schule als bedarfsadäquaten Lebensraum für alle Kinder und Jugendlichen zu gestalten.

Fend bezeichnet das Jugendalter als „das wichtigste Eintrittsfenster in Problemverhalten“ (2000: S. 438, in Drilling, 2001: S. 30). „Der Schulhof“ wird vermehrt zum Ort der Austragung persönlicher und gesellschaftlicher Konflikte, dort werden diese Spannungsfelder wie sonst kaum wo so sichtbar. Die Schule selbst als soziales System arbeitet im Spannungsfeld der eigenen Sozialisations-, Selektions- und Integrationsfunktion im Sinne politischer Orientierungsgebung. Schule ist mittlerweile der Ort, an dem Jugendliche einen grossen Teil ihrer Lebenszeit verbringen: „Die Jugendphase ist in erster Linie eine Schulphase.“ (Drilling, 2001: S. 24).

Unter diesem Blickwinkel ist die Forderung nach Unterstützung und Entlastung von Lehrerinnen und Lehrern und deren Standesvertretung, wie sie (nicht nur in unserer Umfrage) seit Jahren verstärkt formuliert wird, wohl nur allzu verständlich. Sie ist vor allem als professioneller Schritt zu verstehen, multifaktorielle Herausforderungen des Schulalltages auch multiprofessionell und unter der Bereitstellung angemessenen Raumes und entsprechender zeitlicher Ressourcen lösen zu wollen – Schulsozialarbeit ist dabei wichtiger Partner, diese  Aufgabe verantwortungsvoll zu bewältigen!

(Literatur: Drilling, Matthias; Schulsozialarbeit. Antworten auf veränderte Lebenswelten, Verlag: Haupt; Bern; Stuttgart; Wien 2001, ISBN 3-258-06311-7)

Mag. Karin Waidhofer ist Geschäftsführerin von NEUSTART für den Bereich Sozialarbeit

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