Cookies akzeptieren
Wir verwenden Cookies für eine optimale Nutzererfahrung, Media Sharing und um Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr darüber erfahren

Tipps für heikle Situationen

Hier finden Sie viele Informationen und Antworten, wenn eine Angehörige oder ein Angehöriger von Ihnen einer kriminellen Handlung beschuldigt oder verurteilt wurde, wenn Sie gerade aus der Haft entlassen worden sind oder wenn Sie Opfer von Kriminalität geworden sind.

Online-Beratung

Sie können alle Ihre Fragen an die NEUSTART Online-Beratung stellen. Bitte erklären Sie kurz den Hintergrund Ihrer Frage und geben Sie den Wohnort und das Bundesland an. Es ist nicht notwendig, dass Sie Ihren Namen angeben – wir antworten auch gerne auf anonyme Anfragen.

Blog und Diskussion

Der Sinn gemeinnütziger Leistung statt Ersatzfreiheitsstrafe

Franz Hanich - 21.5.2008 16:50

Seit 1.1.2008 ist es nun Gesetz. Menschen, die ihre offene Geldstrafe nicht bezahlen können, bekommen vom Gericht die Möglichkeit, statt der Ersatzfreiheitsstrafe gemeinnützige Leistungen erbringen zu können.

Wie war es früher? Der Betroffene wurde in der Verhandlung für sein Fehlverhalten verurteilt. Es wurde eine Geldstrafe ausgesprochen. Er konnte sie aber nicht bezahlen, weil er einfach nicht über das Geld verfügte. Warum? Die paar hundert Euro hat doch jeder! Eben nicht. Es gibt viele Gründe, warum das Geld nicht aufgetrieben werden kann. Zum Beispiel Hans (Name geändert): Er konsumierte viele Jahre Drogen. Nach zwei Therapien war er wieder clean, aber die Vergangenheit holte ihn ein. Die Schulden erdrückten ihn. Mit der Sozialhilfe konnte er gerade mal die Wohnung und die Lebensmittel finanzieren. Die Exekutionstitel häuften sich. Die 300,- Euro für die offene Geldstrafe waren absolut nicht mehr drin. Hans konnte Miete und Rechnungen nicht mehr bezahlen. Es drohte der Wohnungsverlust und die Gefahr, wieder ins alte Fahrwasser zu kommen. „Für was die ganzen Mühen, wenn man dann doch wieder im Knast endet?“

Oder Georg (Name geändert): Er erlitt drei Herzinfarkte. Seine Berufskarriere als Präzisionsschweißer war nun endgültig vorbei. Durch die langen Krankenhausaufenthalte wurden die Raten an die Einbringungsstelle nicht mehr bezahlt. Nun, endlich wieder gesund und nach langem Suchen gerade wieder einen Arbeitsplatz gefunden, kam mit der Post die Aufforderung für den Haftantritt. Georg verlor seine Arbeit. Der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt war verwirkt. Die Suche nach einer neuen Stelle fing von vorne an – abgesehen von den Schulden, die sich angehäuft hatten.

Beide, Hans und Georg, hätten die Konsequenz zu tragen: ab in die Haft. - Wie kann es nun, mit gemeinnütziger Leistung statt Ersatzfreiheitsstrafe, verlaufen? Was ist jetzt anders?

Statt in Haft zu gehen bekommen nun beide die Chance, die angeordneten Stunden in gemeinnützigen Einrichtungen abzuleisten. Hans kann 300 Stunden in einer Einrichtung ableisten, die behinderte Menschen betreut. Da er eine abgebrochene Lehre als Schreiner vorweisen kann, erledigt er in der Holzwerkstätte leichte Hilfstätigkeiten. Nachdem er in der Apotheke seine tägliche Dosis Methadon eingenommen hat fängt er um 8:30 Uhr mit dem Dienst an, Montag bis Freitag, fast wie viele andere Menschen auch. Nach zweieinhalb Monaten hat er es geschafft. Fazit: Er kann die Wohnung behalten und seinen Verpflichtungen nachkommen. Persönlich fühlt er sich nun sehr erleichtert. Der Druck, eventuell doch noch ins Gefängnis zu müssen, ist nun weg. Er hat nun wieder Vertrauen in sich selbst gefunden und hofft, bald wieder ein normales Beschäftigungsverhältnis zu finden.

Georg wird seine 480 Stunden in einem Arbeitsprojekt ableisten. Als Schweißer bietet es sich natürlich an, dass er in der Abteilung für Metallverarbeitung eingesetzt wird. Aufgrund seiner Erkrankung schafft er aber nicht eine volle 40-Stunden-Woche. Es wird ausgemacht, dass er zumindest 20 Stunden pro Woche im Projekt mithelfen soll. Wenn er sich nicht wohl fühlt, kann er auch schon einmal um 12 Uhr nach Hause gehen. Er überfordert sich so nicht und kann seinen zugeteilten Aufgaben nachkommen. Auch den durch das Arbeitsmarktservice angebotenen Vorstellungsterminen kommt er nach, hat mit seiner Krankengeschichte aber wenige Chancen am Arbeitsmarkt. Nach einem halben Jahr hat auch er es hinter sich gebracht. Dem Arbeitsprojekt hat er ein wenig „unter die Arme gegriffen“ und somit den für ihn möglichen Teil geleistet. Die Miete und die Schulden hat er weiter bezahlt – und bleibt somit in der Gesellschaft integriert.

Zusammenfassend zeigt sich, dass gemeinnützige Leistung statt Ersatzfreiheitsstrafe Sinn macht - nicht nur für Hans und Georg.

Franz Hanich ist Mitarbeiter von NEUSTART Bregenz

Zurück zur Übersicht

Zu diesem Beitrag gibt es |2 Kommentare|

Ihre Meinung zählt

Wir freuen uns über Ihren Kommentar zu diesem Blogeintrag

Kommentare zu diesem Beitrag:

Franz Hanich schrieb am 12.01.2011 17:58

Sehr geehrte Frau Seidel!
Das Gericht hat Ihnen die Möglichkeit einer Gemeinnützigen Leistung schriftlich anzubieten.
Warum das nicht erfolgt ist, ist ohne entsprechende Schriftstücke nicht gut zu erklären.
Ich würde Ihnen empfehlen sich mit den Schreiben vom Gericht einfach bei einer unserer Einrichtungen in Ihrem Bundesland zu melden. Die Adressen und Telefonnummer finden Sie auf unserer homepage.
Sie können mich auch gerne direkt hier in Vorarlberg anrufen: 05574 45590
Mit freundlichen Grüßen
Franz Hanich
NEUSTART Vorarlberg

Brigitte Seidel schrieb am 10.01.2011 19:48

Was aber tun wenn man nicht zahlen kann das Gericht aber auf Ersatzhaft besteht?
Ich bin 63 habe mir mal gerade ein Dach über dem Kopf neu geschaffen und habe dem Gericht angeboten mir doch eine soziale Tätigkeit aufnehmen zu lassen um die Schuld smit zu begleichen. Ich habe au jedes Schreiben reagiert, doch das Gericht will mich in Ersatzfreiheitsstrafe sehen. Angeblich soll ich ein Geschäft um 50 Cent betrogen haben da ich eine aufgebrochene Tüte mit den dane
benliegenden Teile befüllt habe. Anzeige wegen Diebstahl und Betrug mit Verurteilung. Ich war und bin mir keiner Schuld bewußt und die Berufung wurde abgelehnt.

powered by webEdition CMS