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Blog und Diskussion

Arbeit statt Ersatzfreiheitsstrafe

Sonja Hochmeister-Salcher - 18.6.2008 12:05

Personen mit hoher Suchtabhängigkeit, sei es durch Alkohol oder andere Suchtmittel; Personen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Borderline-Symptomatiken, Angststörungen; Personen, die seit einem Jahrzehnt vom Arbeitsmarktservice als nicht vermittelbar eingestuft werden - sie alle wollen es.

Personen mit Vorstrafen und Hafterfahrung; Personen mit aufrechtem Aufenthaltsverbot in Österreich, ohne festen Wohnsitz, und ohne Deutschkenntnisse - auch sie wollen nicht ins Gefängnis.

Über Chancen und Grenzen des neuen Arbeitsfeldes „Vermittlung gemeinnütziger Leistungen statt Ersatzfreiheitsstrafe“:

Nach nunmehr fast fünfmonatigen Erfahrungen seit der gesetzlichen Verankerung und zwei Jahren als Modellversuch im Arbeitsbereich gemeinnützige Leistungen statt Ersatzfreiheitsstrafe zeigen sich uns diese und ähnliche Klientenbiographien (wir verwenden zur besseren Lesbarkeit in der Folge die männliche Form).

Menschen, die ihre Geldstrafe nicht bezahlen oder ihre Ratenzahlungen nicht einhalten konnten, kommen meist auch mit vielen anderen Problemen zu uns ins Erstgespräch. Sie möchten alles tun, um die Haft zu vermeiden. Oft jedoch leben sie bereits seit Jahren unter sehr schwierigen sozialen Bedingungen. Sie sind nicht oder nicht mehr in der Lage, mit Geld umzugehen, haben verlernt, Verbindlichkeiten einzuhalten oder sich Unterstützung zu organisieren.

Durch die Bereitschaftserklärung zur Ableistung der gemeinnützigen Leistung verwandeln sie sich auch nicht automatisch in kompetente, flexible und leistungsorientierte Personen. Sie benötigen Unterstützung, Struktur und Orientierungshilfe. Wir erkennen mehr und mehr, dass für einen Teil unserer Klienten ein „geschützter“ Rahmen erforderlich ist, um die gemeinnützige Leistung erbringen zu können. Sie müssen sich Fähigkeiten wie Selbstverantwortung, Verbindlichkeit, Pünktlichkeit erst (wieder) aneignen.

Für uns Vermittler bedeutet das neue Arbeitsfeld eine große Herausforderung. Es verlangt Arbeiten unter hohem Zeitdruck (einen Monat Zeit, um Klienten zu laden, vier weitere Wochen Zeit, um eine Einrichtung zu finden). Die Zusammenarbeit mit den Einrichtungen gestaltet sich intensiver. Gründliche Vorarbeiten und regelmäßige Rücksprachen mit den zuständigen Kollegen sind Voraussetzung. Häufig sorgen wir dafür, adäquate Betreuungs- oder Beratungseinrichtungen für die Klienten zu finden, wir stellen Kontakt her oder arbeiten mit bereits für die Klienten zuständigen Sozialarbeitern zusammen.

Wir sind angetan von der positiven Kommunikation mit den Zuweisern und offen für Unterstützung bei der Anwerbung neuer Einrichtungen durch unsere Leiterinnen und Leiter. Vor allem bedanken wir uns bei den Kollegen in den Einrichtungen, die uns immer wieder mit ihrer Unvoreingenommenheit und positiven Herangehensweise überraschen.

Wir stellen zur Diskussion: Für den erhöhten Mehraufwand durch unsere Klienten an eine „Aufwandsentschädigung“ für die Institutionen zu denken. Im Bedarfsfall im Vorfeld eine auf die Stunden angerechnete Betreuung anzubieten, die Klienten (wieder) zur Arbeitsfähigkeit verhilft. Ein eigenes Projekt anzubieten, wo Klienten ihre gemeinnützige Leistung erbringen können, die anderswo nicht zu vermitteln sind.

Sonja Hochmeister-Salcher, Herbert Szlovik und Gabriele Zinggl-Macher sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von NEUSTART Wien 2

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