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Blog und Diskussion

Sommerg’schicht’n: Zeilenfüller. Kriminalität, Ausländer, Mörder.

Mag. Dorit Bruckdorfer - 13.8.2008 11:36

Es gibt ja noch immer kein Sommerloch. Wenngleich, die Zahl der Abwesenheitsnotizen von Mail-Empfängern hat in dieser Woche ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, was darauf schließen lässt, dass wirklich viele Menschen irgendwie weg und medialer Beeinflussung entzogen sind. Dem zum Trotz - oder auch deshalb - drängelt das Böse hartnäckig (mit nahezu schon penetranter Redundanz) in die Medien.

Spitzenreiter und durch nichts zu ersetzen: Geschichten mit den K-Worten „Kriminaltourist(en)“, „Kinderkriminalität“ und – als Versuchsballon – „Kulturdelikt“. „Kriminaltourist“ wird gerne als Synonym für Moldawier, Georgier oder platt „Ostgauner“ genommen. „Kinderkriminalität“ geistert - obzwar differenziert repliziert durch diverse Experten (die aber eher ignoriert werden) - dank beharrlicher Lancierung in einer Endlosschleife durch Äther und Print. „Kulturdelikt“ hingegen wäre zwar was ganz Neues gewesen, wurde aber relativ flott als unnötig disqualifiziert. (Unwort des Jahres 1999 laut Duden, beginnend mit K, war übrigens „Kollateralschaden“.)

Egal. Gebetsmühlenartige Wiederholungen von A-Wort-Geschichten („Ausländerkriminalität“, „Asylanten“, „Afrikaner“) ziehen ebenso gut und sind eh auch wahlkampftauglich. Die „Ausländerkriminalität“ liebäugelte kurz mit dem jungen „Kulturdelikt“ (siehe oben), ist aber auf dieses nicht wirklich angewiesen; sie kommt auch alleine gut zurecht. „Asylanten“ alias Asylwerber können als gebürtige Ausländer praktischerweise unter „Ausländerkriminalität“ subsumiert werden, ebenso wie „Afrikaner“ (die aber nur, wenn sie schwarz sind). (Unwort des Jahres 1991 laut Duden: „ausländerfrei“).

Und, herrlich in diesem Sommer: Natürlich gibt’s M-Wort-Storys zum Auflockern. Am liebsten die über Meuchler, Mörder und Migranten. Letztere fallen als ausländische Mittellose zwar eher wieder in die Kategorie „Ausländerkriminalität“, obwohl, andererseits - in Wirklichkeit weiß man’s ja nie, gell?

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Zu diesem Beitrag gibt es |2 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Andreas Zembaty schrieb am 19.08.2008 10:51

Ziel NEUSTARTs ist nicht nur die Bereitstellung echter Alternativen zum Wegsperren sondern auch die Beeinflussung der öffentlichen Meinung in Richtung eines sozialkonstruktiven Umgangs mit Kriminalität. Die Medien als Träger der veröffentlichten Meinung sind seit langem wichtiger Partner bei der Umsetzung unserer Ziele. Gerade die zitierten Fälle zeigen, dass es jenseits bloß boulevardesker Aufmachung in vielen Medien gelungen ist, unsere Positionierung zu lebenslanger Strafe und bedingter Entlassung an die Leserschaft zu bringen. Grundsätzlich erfolgen personenbezogene Äußerungen immer in Abstimmung mit den betroffenen Klienten.
So gesehen werden wir auch in Zukunft ausschließlich skandalisierender Kriminalberichterstattung durch die Darstellung der Lebensrealität unserer Klienten und Präsentation unserer Vorschläge zu einem sozialkonstruktiven Umgang mit Kriminalität gegensteuern.
Andreas Zembaty, NEUSTART Pressesprecher

Klaus Bergmaier schrieb am 14.08.2008 19:50

Schön, dass auch hier Medienkritik geübt wird. Sowas tut immer gut.
Dazu passt auch mein Anliegen sehr gut:
In letzter Zeit häufen sich Medienmeldungen, wenn jemand aus der Haft entlassen wird (Saliera-Dieb, Lainz-Schwestern). Als Bewährungshelfer finde ich das extrem konrtaproduktiv. Was soll damit bezweckt werden? "Seid auf der Hut, Mörderinnen sind wieder frei?" Soll damit Entrüstung über frühzeitige Entlassungen in der Bevölkerung geschürt werden? Ich weiß es nicht. Ich denke jedenfalls, dass sich Neustart dafür einsetzen sollte, dass solche Dinge nicht in die Medien kommen. Wie kommt sowas überhaupt zu den Medien? Gibt das Justizministerium irgendwo öffentlich bekannt, wer wo und wann entlassen wird? Kann ich mir nicht vorstellen.
Ich werde übrigens auch beim Justizministerium nachfragen, weil mich das einfach interessiert.
Wie ist da die Meinung von Neustart dazu?
Ich bin ea. Bewährungshelfer Nr. E331.

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