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Blog und Diskussion

Bearbeitung des Delikts in der Bewährungshilfe

Herbert Janusch - 12.10.2008 22:20

Die Motivation unserer Klienten, sich intensiv mit dem begangenen Delikt auseinanderzusetzen, ist oftmals nur sehr spärlich vorhanden. „Ich hab’ das hinter mir“, „dafür war ich eh in Haft“, „ich tu’s eh nicht mehr“ sind allseits bekannte Stehsätze, mit denen wir konfrontiert werden. Somit nimmt die Frage nach dem Grund der Deliktbearbeitung immer wieder Raum in den Betreuungsgesprächen ein.

Diese Frage ist erst einmal pragmatisch und richtig zu beantworten: Das Delikt wird bearbeitet, weil es Teil unseres gesetzlichen Auftrages ist und das Delikt der Grund für die Anordnung der Bewährungshilfe war. Das zugrundeliegende Ziel ist die Rückfallsprävention. Um diese fachlich professionell und seriös leisten zu können ist es unabdingbar, das begangene Delikt genau zu durchleuchten: Welche Problembereiche und Defizite liegen in der Person des Täters? In welchen Situationen hat er Delikte begangen? Welche Situationen sind symptomatisch dafür? Welche deliktfördernden Faktoren sind bei diesem Klienten identifizierbar (Stress in der Beziehung, Alkohol oder ähnliches)? Wie geht er mit seiner eigenen Verantwortung für gesetzte Taten um, sieht er seinen eigenen Anteil, sind immer die anderen schuld? Welche Wert- und Normvorstellungen begünstigen die Deliktbegehung?

Ist diese detaillierte und durchaus mühsame Ursachenforschung vollzogen, folgt der nächste Schritt: Veränderungsziele zu formulieren und zu vereinbaren. Dies gelingt dann oftmals gut, da der Klient wegen seiner Deliktbegehungen ja mit einer Vielzahl von negativen Konsequenzen konfrontiert ist (Haft, Arbeitsplatzverlust, Stigmatisierung, Verschuldung et cetera).

In weiterer Folge muss analysiert werden, welche Ursachen gut beeinflussbar und veränderbar sind und bei welchen dies schwerer, mühsamer oder auch gänzlich unmöglich ist. Bei den letztgenannten Ursachen kann es nur darum gehen, den Klienten zu befähigen, künftig Risikosituationen auszuweichen und diese zu meiden. Bei veränderbaren Ursachen ist das Ziel, gemeinsam mit dem Klienten alternative Handlungsmöglichkeiten zur Deliktsetzung zu erarbeiten, zu erproben und letztlich in sein Standardrepertoire aufzunehmen.

In all diesen Bearbeitungsschritten ist es durchaus immer wieder angebracht, konfrontativ mit dem Klienten zu arbeiten, um Motivation zu erzeugen, Normen zu verdeutlichen, Grenzen zu setzen, aber auch um das Interesse des Bewährungshelfers an einer deliktfreien Zukunft des Klienten spürbar zu machen.

Nach Basisausbildungen der Bewährungshilfe, praktischer Erfahrung und Erprobung, Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und Inhalten von Aus- und Fortbildungen habe ich im Rahmen der fachlichen Standards von NEUSTART eine spezifisch einsetzbare Systematik der Deliktbearbeitung entwickelt: Die Tatrekonstruktion als Basis der Deliktbearbeitung (unter Einbeziehung der Verantwortungsübernahme und der Benennung der Gedanken und Emotionen) fußt dabei auf der Technik des Debriefings, einer Technik der Traumabearbeitung, die ich an die spezifischen Erfordernisse angepasst habe. Es folgt die Erarbeitung des Unrechtsbewusstseins mit den Standardmethoden der Bewährungshilfe. Der Bereich Opferempathie berücksichtigt Ansätze der „Restorative Justice“ und beinhaltet natürlich auch die Schadensgutmachung. Zusätzliche deliktfördernde Faktoren zu identifizieren erfolgt in einer selbst entwickelten Rückkopplungschleife auf die Tatrekonstruktion. Erstellung eines Krisenplanes und Bilanzierung sind der Anti-Gewalt-Training-Grundausbildung entlehnt. Die Erarbeitung eines Handlungsplanes schließlich basiert auf Klaus Mayer’s „Kognitiv-verhaltensorientierte Sozialarbeit in der Straffälligenhilfe“.

Deliktbearbeitung ist Rückfallsprävention und somit notwendiger und organischer Bestandteil der Bewährungshilfebetreuung. Deliktbearbeitung ist damit aber auch ein wesentlicher Beitrag zum Opferschutz.

Herbert Janusch ist diplomierter Sozialarbeiter und Abteilungsleiter bei NEUSTART Obersteiermark

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Zu diesem Beitrag gibt es |2 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

jkoacjvuuq schrieb am 23.06.2014 22:43

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Hans Jörg Schlechter schrieb am 14.11.2008 12:53

Ergänzend zum weblog von Herbert Janusch sollte doch nicht die Information vorenthalten werden, dass seit April 2008 zwei Arbeitsgruppen von Neustart an einem Konzept zur Stärkung der Opferorientierung in der Bewährungshilfe, Haftentlassenenhilfe und Wohnen arbeiten. Dabei geht es um die Anwendung von Prinzipien von restorative Justice (wiedergutmachende Gerechtigkeit) in der Einzelfallhilfe, also die Verknüpfung von Aussöhnung und Wiedergutmachung mit Resozialisierung.
Die Tat zu ächten aber den Täter zu achten, dabei die Opferperspektive einbringen, und das Opfer ernst nehmen, war auch bisher im Blickwinkel guter Einzelfallarbeit.
Um was es in diesem Arbeitprozess geht, ist ein praxistaugliches, schlüssiges und strukturiertes Konzept von wiedergutmachender Gerechtigkeit in der Bewährungshilfe, Haftentlassenenhilfe und Wohnen zu entwickeln und dabei die Perspektive zu erweitern. Dieses Konzept und die daraus abgeleiteten Standards bauen auf einer vertieften Deliktbearbeitung (Verantwortungsübernahme und Normverdeutlichung) auf. Der/die Sozialarbeiter/in erarbeitet bei Verantwortungsübernahme mit den Klienten emotionale und/oder materielle Wiedergutmachungsangebote die in geeigneter Form an das Opfer herangetragen werden und die damit im besten Fall zur Aussöhnung zwischen Täter und Opfer und zur Herstellung des Rechtsfriedens führen können. Denn geleistete Wiedergutmachung hat großen Einfluss auf gelungene Resozialisierung.
Vorläufige Ergebnisse des Workshops Opferorientierung liegen Ende November vor.

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