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Blog und Diskussion

Streit ums Kind

Michael Königshofer - 17.12.2008 09:34

Mutter bleibt Mutter und Vater bleibt Vater – auch wenn die Beziehung vorbei ist. Jüngst konnte den Medien entnommen werden: „Vater will per Plakat Kontakt zu seinen Kindern aufnehmen“, da er sich um sein Besuchsrecht geprellt fühlt. Ebenso ist den Medien eine Debatte über die Qualität von Expertisen bezüglich des Sorgerechtes für Kinder im Zuge einer Scheidung zu entnehmen. 5.000 Fälle landen deshalb jährlich vor Gericht. Zur Entscheidungsfindung holen Österreichs Richter jährlich 12.000 Gutachten bei Sachverständigen ein. Damit verknüpft sind die Schicksale von 5.300 Kindern und 10.000 Müttern und Vätern (laut Die Presse vom 4.12.2008).

Wenn Mutter und Vater sich trennen folgen meistens Streitigkeiten um das Kind. Auch Erfahrungen der Mediation im Strafrecht (Tatausgleich) zeigen, dass unbefriedigend erlebte Besuchs- und Sorgerechtsregelungen oft den Konfliktstoff für einseitige oder aber auch wechselseitige Tätlichkeiten darstellen. Diese beschäftigen noch zusätzlich die Strafgerichte.

Was ist los mit den Scheidungs-Eltern? Das Trennende wird über das Gemeinsame gestellt und Machtkämpfe werden zu regelrechten „Rosenkriegen“. Das gemeinsame Kind kann in diesen Situationen rasch instrumentalisiert werden und wird nun ebenfalls zum Streitobjekt. Ehemalige Zuneigungen der Parteien verwandeln sich rasch in Abwertungen. Der jeweils anderen Partei werden sofort wechselweise die „schlechtesten Absichten“ unterstellt.

Durch die Trennung werden die individuellen ökonomischen Grundlagen der Parteien neu definiert. Um die Neudefinierung der jeweils ökonomischen Grundlagen wird ebenfalls gerungen. Ohnmachtgefühle und Feindseligkeiten entstehen, konstruktive Kommunikation zwischen den Parteien versiegt und es werden Koalitionspartner (Gutachter, Gerichte, Anwälte) gesucht, um die jeweils eigenen Interessen durchzusetzen. Am Ende der Dynamik stehen „Machteingriffe“ durch Dritte, die aber letztlich den Konflikt tradieren und weiterführen. Machteingriffe sind oftmals den individuellen Interessen diametral entgegengesetzt. Bei den Konfliktparteien führt diese Situation zur Loslösung aus der eigenen Selbstverantwortung.

Emotion als Katastrophen-Generator? Emotionen sind schlechtweg das „Schmieröl“ für Konflikte und halten den Streit-Motor und allenfalls auftretende Eskalationen am Laufen. Ohne „mediatorisches Wahrnehmen und Würdigen“ der Emotionen der Parteien lässt sich keine positive Mediation mit den Parteien bewerkstelligen. Mediation als sachlicher Aushandlungsprozess zwischen den Parteien auf gleicher Augenhöhe ist zwar richtig, ohne Berücksichtigungen der Emotionen der Parteien geht aber gar nix, da diese Emotionen eine sachliche, konstruktive Konfliktlösung blockieren.

Was der Tatausgleich kann, nämlich die Parteien selbstverantwortlich mit dem Instrument der Mediation zu unterstützen und damit bei den Parteien „Erkenntnisse“ und „Ermächtigungen“ für Konfliktlösungen zu ermöglichen, müsste doch eine adäquate Anwendung von Mediation bei Familienrechts-, Sorgerechts- und Besuchsrechtsfragen allemal zusammenbringen. Im Sinne der betroffenen Kinder könnte ja von den Jugendwohlfahrtsträgern die Mediation in ihr unmittelbares Handlungsfeld integriert werden; oder ist das – in Zeiten wie diesen – zuviel verlangt? Die Kosten für 12.000 Gutachten für Obsorgefragen sind letztlich nicht gratis und weitere Kostenfaktoren möchte ich hier erst gar nicht erwähnen.

Michael Königshofer ist Abteilungsleiter bei NEUSTART Wien 2

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Martin Kutej schrieb am 21.01.2009 14:32

Einige JugendamtssozialarbeiterInnen in Österreich haben Mediationslehrgänge absolviert.
Nicht zuletzt deshalb bietet sich der Einsatz der Mediation in der Jugendwohlfahrt als Konfliktlösung an, wenn die Rahmenbedingungen dafür gegeben sind. Gerade die sind aber derzeit nicht gegeben: Aufgrund der Parteilichkeit des Jugendamtes (nicht Neutralität sondern Kindeswohl als Auftrag) und der Stellung als Gutachter im Obsorgeverfahren scheuen viele Eltern, dem „Amt“ zu viel Vertrauen entgegenzubringen.
Gleichzeitig lässt die Arbeitsüberlasung an den Jugendämtern eine (zeitintensive) Mediation nicht zu, zu oft beschränkt sich die Arbeit auf Kriseninterventionen z.B. nach Gefährdungsmeldungen. Mediation am Jugendamt ist sicher sinnvoll, derzeit reichen die vorhandenen Ressourcen aber kaum noch, die bestehenden Aufgaben zu bewältigen.……

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