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Blog und Diskussion

Let’s talk about stalking, baby

Mag. Dorit Bruckdorfer - 31.12.2008 12:00

Wenn jemand „nein“ sagt, meint er dann auch „nein“? Ratgeber appellieren gerne an den Mut zur Unnachgiebigkeit gegenüber einem „nein“, da es ja auch „vielleicht“, vielleicht „eigentlich ja“, oder eigentlich „eindeutig ja“ bedeuten könnte; besonders, wenn das „nein“ von einer Frau ausgesprochen wird und speziell, wenn es um Liebesangelegenheiten geht. Die gängige Lehre: Anfängliche Zurückhaltung gegenüber einem Verehrer lässt sich nach entsprechend hartnäckiger Belagerung ja doch erweichen; Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen wird letztlich mit Zuwendung von der begehrten Person belohnt. Das in unserer Kultur akzeptierte Verhaltensschema „sie ziert sich, er lässt nicht locker, sie gibt nach“ wird in Literatur und unzähligen Filmen tradiert: Vom klassischen Charmeur Rhett Butler in „Vom Winde verweht“ (1939) über Benjamin Braddock in „Die Reifeprüfung“ (1967) bis hin zu Alex Forrest in „Eine verhängnisvolle Affäre“ (1987) sind Abstufungen von charmanter Hartnäckigkeit bis hin zum deftigen Stalking erkennbar. Oft sind die Grenzen fließend und (je näher wir der Gegenwart kommen) auch Rollentausch ist keine Ausnahme mehr.

Laut dem Polizeipsychologen Dr. Jens Hoffmann vom Institut für Psychologie und Sicherheit Aschaffenburg (http://www.institut-psychologie-sicherheit.de) ist das Verhältnis stalkender Männer zu Frauen etwa 80 zu 20, wobei Frauen nicht weniger gefährlich als Männer sind, wenn sie stalken. Die Bindungsstile von Stalkern sind unterschiedlich. Nur ein geringer Teil (15 Prozent) ist psychopathisch, viele sind dependent und klammern ängstlich, während die Borderliner zwischen Nähe und Wut schwanken.

Auch wenn die gesuchte Nähe vom Opfer ungewollt ist, glaubt dennoch ein Großteil der Stalker, dass das Opfer und sie füreinander bestimmt sind, das Opfer an ihnen interessiert ist oder dass sie für das Opfer sorgen müssen  – also ihre Motivation berechtigt ist. Zehn Prozent wollen Furcht und Schrecken verbreiten; sechs Prozent der Stalker kippen von Verehrung in ein Rachemuster, wenn sie zurückgewiesen werden. Stalker können nicht davon überzeugt werden, dass das, was sie tun, falsch ist und sind im Grunde unglückliche und kränkbare Menschen. Das Kernmotiv von Stalkern ist ihr Wunsch, wahrgenommen zu werden – sei es im Guten oder im Schlechten. Aufmerksamkeit ist also das Futter für Stalker.

Diesem Wissen muss man dort Rechnung tragen, wo der Wunsch nach Aufmerksamkeit und Zuwendung so massiv grenzüberschreitend ist, dass man von Stalking sprechen kann, dieses straffällige Tendenzen bekommt oder die Grenze zur Straffälligkeit bereits überschritten hat. Für Stalking müssen besondere Regeln und Rahmenbedingungen gelten. Der erste wichtige Schritt ist der sofortige Kontaktabbruch und eine klare Grenzziehung. Im Tatausgleich von NEUSTART bedeutet das, dass entgegen sonstiger Methodik nicht zwischen den Beteiligten vermittelt wird und auch keine Ausgleichsgespräche und Zusammentreffen stattfinden. Das klingt hart, doch Normverdeutlichung für den Stalker und Schutz für das Opfer sind die Kernpunkte weitreichender Hilfsmaßnahmen. Diese sollen beiden Teilen unabhängig voneinander ein freies Leben ermöglichen - damit „Hasta la vista, baby“ keine Chance mehr hat.

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