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Blog und Diskussion

Kriminalität von Jugendlichen

Mag. Dorit Bruckdorfer - 14.1.2009 14:32

Steigt die Jugendkriminalität? Und wenn ja, um wie viel? Die Meinungen gehen auseinander, wenn es um die konkreten Zahlen geht. Bei Schlagzeilen wie „Anstieg der Jugendkriminalität von 2001 auf 2007 um 51 Prozent“ fehlt laut Katharina Beclin vom Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Wien das Wort „registriert“ – die Umstellung in der Erfassung der Anzeigen müsste bei Vergleichen berücksichtigt werden. Deshalb wird der Anstieg oft dramatischer dargestellt, als er tatsächlich ist. (Sieht man sich die tatsächlichen Verurteilungen an, zeigt sich – gegenläufig zu den Anzeigen – ein Rückgang.)

Im Vergleich zwischen den Jahren 2002 und 2006 zeigt die „Age-Crime-Kurve“, dass die Kriminalitätsbelastung bei den 14- bis 17-Jährigen höher ist, bei allen anderen niedriger. Daraus kann man schließen, dass sich Kriminalität „nach vorne verlagert hat“, also zu den Jugendlichen hin, die sich aber auch schneller wieder fangen und dann deliktfrei bleiben.

Woran liegt es, wenn gerade Jugendliche straffällig werden? Als Ursachen ortet Beclin mehrere Faktoren: frühe Eigenständigkeit (auch durch hohen Leistungsdruck), wenig Rückhalt in der Familie, Existenzsorgen, allein erziehende Eltern, Gewalt in der Familie, fehlende Ansprechpartner. Die „Kern-Klientel“ zeigt verringerte Empathiefähigkeit, dadurch mangelnde Gewalthemmung – bedingt durch mangelnde Zuwendung, Anerkennung und Förderung.

Wie kann das Problem gelöst werden? Vorweg: Einfach geht da gar nichts. Komplexe, vernetzte Herangehensweise ist gefordert, und auch (gesellschafts)politisch ist Beteiligung notwendig. Als primäre Präventionsmöglichkeiten gelten sozialpolitische Maßnahmen (Investition in qualitative hochwertige Frühförderung), die Unterstützung und Entlastung von Familien und Sozialarbeit in Schulen.

Voraussetzung für sekundäre Prävention wäre die Vernetzung aller Beteiligten und die positive Konnotation von Hilfseinrichtungen wie etwa dem Jugendamt. Probleme bei der sekundären Prävention sind einerseits die Gefahr der Stigmatisierung oder negativen Etikettierung und natürlich die Frage der Finanzierung. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Leistungen der Jugendwohlfahrt, auf Alphabetisierung oder einen Schulabschluss. Die Zuständigkeit der Jugendwohlfahrt endet mit der Volljährigkeit.

Schließlich gibt es noch die tertiäre Prävention als sinnvolle Reaktionsmöglichkeit. Hier wird an vorhandenen Defiziten angeknüpft, indem Möglichkeiten für Therapie, Berufsausbildung oder Förderung zur Weiterentwicklung geboten werden. Ein besseres Selbstwertgefühl schafft eine bessere Frustrationstoleranz, durch Alternativen zur Haft werden Haftschäden vermieden. Gerade bei Jugendlichen bewerten Experten das Einsperren als äußerst kontraproduktiv.

Und schließlich: Die Maßnahmen sollten alle evaluiert werden, um ihre Sinnhaftigkeit und Wirkung zu belegen. Das fehlt derzeit völlig. In Zusammenhang mit Jugendkriminalität und Jugendgewalt sollte also nicht vorrangig die Frage nach der tatsächlichen Höhe des Anstiegs gestellt werden. Lösungsorientiert sind dringlichere Fragen zu stellen: „Wer finanziert die Prävention (primäre, sekundäre und tertiäre)?“; „Wer finanziert die Evaluierung?“ und „Wie weckt man das Interesse der Politik an Finanzierung und Evaluierung?“.

Quelle: Impulsreferat von Ass.-Prof. Mag. Dr. Katharina Beclin, Institut für Strafrecht und Kriminologie Universität Wien, anlässlich der NEUSTART Positionen Niederösterreich und Burgenland am 4.12.2008 in Wr. Neustadt.

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