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Blog und Diskussion

Strafe und ihr Nutzen

Mag. Klaus Priechenfried - 23.7.2009 16:24

Die gesellschaftliche Reaktion auf Straftaten ist die Strafe. Nur, welche nützt wirklich etwas? Was bedeutet "nützen" in diesem Kontext? Welche Zielbilder haben wir, wenn wir eine Straftat mit staatlichen Zwangsmaßnahmen gegen den Täter beantworten? Aus der Frage „Welche Strafe nützt etwas?“ wird also schnell die zweite Frage „Wie definiert sich der Nutzen?“. Dazu stelle ich folgende Formulierung zur Diskussion: Die Bearbeitung von Kriminalität hat ihre individuelle und gesellschaftliche Bewältigung zum Ziel. Bewältigung bedeutet, dass die Lebensqualität aller Betroffenen trotz des Auftauchens krimineller Phänomene verbessert, erhalten, oder ihre Beeinträchtigung bestmöglich gemindert wird.

Diese Zielformulierung einmal vorausgesetzt ist die beste Methode zu suchen, um das Ziel zu erreichen. Die Suche nach der effizientesten strafrechtlichen Sanktion fragt meist einmal nach den general- und spezialpräventiven Wirkungen der gewählten Sanktion. Der dritte wichtige Punkt, das Opfer und seine Bedürfnisse, werden oft übersehen.

Zur Frage nach General- und Spezialprävention: Franz Streng vom Institut für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Erlangen-Nürnberg hat sich mit der Frage der Effizienz von Sanktionen beschäftigt. Nach der Sichtung vieler Forschungsbeiträge kommt er zu folgendem Ergebnis: „Es ist unter generalpräventivem Aspekt mehr das Ob als das Wie der Strafe relevant, also weniger die Strafhärte als vielmehr die Verdeutlichung einer unmissverständlichen Missbilligung der Tat.“

Hinsichtlich der spezialpräventiven Wirksamkeit ist es ganz ähnlich: Es „lässt sich festhalten, dass eine spezifische Rückfallverhinderung oder aber Rückfallbegünstigung durch harte Sanktionen  - zumindest derzeit - nicht beweisbar erscheint. Das schon durch ausländische Untersuchungen nahegelegte Argument einer weitgehenden 'Austauschbarkeit der Sanktionen' unter spezialpräventivem Aspekt findet Bestätigung."

Streng empfiehlt deshalb durchgängig die Wahl der weniger in das Leben eingreifenden Sanktionen. Ausnahmen seien lediglich in jenen Fällen zu machen, in denen das Sicherungsbedürfnis im Vordergrund steht. Kann Sicherung wegen fehlender (Behandlungs-)Alternativen nicht anders erfolgen, so muss weggesperrt werden. In diesem Fall ist aber nicht die Bestrafung durch Wegsperren sondern die Sicherung der Grund für die Haft.

Daher gilt: im Zweifel weniger, eher ambulant (mit Bewährungshilfe) betreuen als stationär verwahren, eher Konflikte mit allen Beteiligten bearbeiten als wegsperren. Wobei Zwischenstufen wie die elektronische Fußfessel außerordentlich zu begrüßen wären. Noch einmal Streng: „Von den Politikern ist zu verlangen, dass sie sich aus dem Schulterschluss mit den Medien lösen und sich darauf besinnen, dem Prinzip des sinn- und maßvollen Strafens zu folgen."

Wir verdeutlichen unsere Werte ausreichend, wenn wir auf Straftaten eindeutig missbilligend reagieren. Statt den teuren Vollzug zu überlasten und die Opfer auf den mühsamen und meist frustrierenden und erfolglosen Weg des Zivilrechts zu schicken könnten wir Täter und Opfer ausreichend betreuen und versuchen den Schaden gutzumachen. Der Glaube, dass wir uns durch teures Wegsperren und Bewachen dauerhaft Sicherheit vor Straftaten erkaufen können gehört zum letzten Aberglauben, der der Aufklärung trotzt.

(Literaturhinweis: „Die Wirksamkeit strafrechtlicher Sanktionen – zur Tragfähigkeit der Austauschbarkeitsthese“, Franz Streng, Neue kriminologische Schriftenreihe, Forum Verlag Godesberg, Band 110, S. 81 und S. 72)

Mag. Klaus Priechenfried ist Leiter des Zentralbereichs Sozialarbeit bei NEUSTART

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