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Blog und Diskussion

Kriminalitätsgefühl

Mag. Dorit Bruckdorfer - 21.8.2009 11:17

Wie sehr fürchten wir Österreicher uns davor, Opfer von Kriminalität zu werden? Laut EU ICS (European Crime and Safety Survey) eher weniger. Österreich gehört zu den europäischen Ländern mit der niedrigsten Viktimisierungsrate, geringer Verbrechensangst und einer hohen Zufriedenheit mit der Polizei.

EU-weit werden von Gallup Europe repräsentative Bevölkerungsgruppen (Sample 2.000 Personen) von über 16-Jährigen nach ihren persönlichen Erfahrungen mit Kriminalität befragt: Wurde das Auto gestohlen, fand Sachbeschädigung oder Diebstahl an/aus dem Fahrzeug statt, wurde einem Moped, Motorrad oder Fahrrad gestohlen, wurde eingebrochen oder es versucht; Raubdelikte, einfache Diebstähle, sexuelle Delikte gegen Frauen, Nötigungen und Drohungen gehören auch zu den Fragen nach Viktimisierung. Doch nicht nur das: Zufriedenheit mit der Polizei, subjektives Sicherheitsgefühl und Strafbedürfnis werden ebenfalls (mittels 354 Fragen umfassenden Katalogs) abgefragt. Alle fünf Jahre werden die Befragungen durchgeführt (initiiert 1987 als International Crime Victim Survey), die auf Initiative der UNO seit 1992 auch Entwicklungsländer und Osteuropa einschließen – mittlerweile nehmen mehr als 70 Länder teil. Das herausragendste Ergebnis für Österreich aus 2004: „There is extremely high public support for the police and only sexual assaults are significantly higher than the EU average".

Der Report „The Burden of Crime in the EU, A Comparative Analysis of the European Survey of Crime and Safety (EU ICS) 2005“ weiß über uns Österreicher: Die allgemeine Kriminalitätsrate ist seit der vorhergehenden Befragung aus 1999 um zwei Prozent gesunken und liegt mit zwölf Prozent unter dem EU-Durchschnitt; wir haben die wenigsten Autodiebstähle in der EU; Einbruch und Raub sind seit 1999 leicht gestiegen, liegen aber mit einem und 0,6 Prozent generell niedrig. Sexualdelikte sind gesunken, wenngleich sie (mit zwei Prozent) unter den ersten vier der Mitgliedsstaaten liegen. Korruptionsmäßig liegt Österreich mit 0,5 Prozent unter dem EU-Schnitt, dafür liegt Betrug mit acht Prozent darüber. Eher extrem hoch ist die Ausstattung der österreichischen Heime mit Spezialschlössern (60 Prozent, wobei der EU-Durchschnitt bei 45 Prozent liegt). Dafür liegt unsere Alarmanlagen-Bewehrung mit 15 Prozent unter dem EU-Schnitt. Unsere Polizei wird EU-weit am höchsten bewertet; davon unabhängig haben sich seit 2002 unsere Kontakte mit Drogenkriminalität verdoppelt, liegen mit acht Prozent aber noch unter dem EU-Durchschnitt. Und: Österreicher wünschen sich nicht, dass Wiederholungstäter eine Freiheitsstrafe erhalten.

Glaubt man einer IMAS-Umfrage (Sample 1.071 Personen), die im Juni 2009 veröffentlicht wurde, ist alles ganz anders. 77 Prozent der Österreicher empfinden einen Anstieg der Kriminalität in den vergangenen zehn Jahren; 63 Prozent davon sehen einen Zusammenhang mit Zuwanderung. 32 Prozent sehen zumindest teilweise einen Zusammenhang zwischen Verlust an öffentlicher Sicherheit und Einwanderung (davon gehören 77 Prozent der FPÖ oder dem BZÖ an). 46 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Opfer einer Straftat geworden seien. Das ist fast die Hälfte der Österreicher. 28 Prozent sagten, dass sie Diebstahlsopfer wurden, wobei Fahrraddiebstahl führt. Dreizehn Prozent waren schon von Sachbeschädigung oder Vandalismus betroffen, gefolgt von zwölf Prozent, bei denen eingebrochen wurde. Medial schlugen sich diese Befragungsergebnisse folgerichtig in Schlagzeilen wie „Fast jeder fünfte Städter ist Einbruchsopfer“, „Jeder Zweite bereits Opfer“, „Kriminalität steigt in Augen der Bürger“, Österreicher sehen Anstieg der Kriminalität“, „Sorge vor steigender Kriminalität“ und dann doch auch noch in „Österreicher ‚fühlen’ steigende Kriminalität, aber das Gefühl trügt“ nieder.

Abgesehen von unterschiedlichen Samples dürften Fragestellung und abgefragter Zeitraum der Lebensbiografie einen Unterschied im Ergebnis bewirken. Fragen über Gefühltes oder tatsächlich Erlebtes, Viktimisierungserfahrung im Lebenszeitraum, den letzten zehn Jahren oder in den letzten fünf Jahren müssen auch die Quote verändern. Trends und Entwicklungen lassen sich nur aus wiederholten Befragungen ableiten. Mit Ausnahme von Irland und Belgien sind laut den Daten von EU ICS in den letzten zehn Jahren in allen Ländern der EU die Viktimisierungsraten gesunken. Die wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigungssituation hat sich von 1994 bis 2004 in Europa gebessert. Spannend werden also die nächsten Crime Victim Surveys, mit denen im Jahr 2009 wieder die Kriminalitätsbelastung in Österreich, der EU und international abfragt werden.

http://www.europeansafetyobservatory.eu

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Ralf schrieb am 25.08.2009 23:48

Die anderen Statistiken sind aber auch sehr interessant auf der Seite.

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