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Blog und Diskussion

Kriminalitätserfahrung im internationalen Vergleich

Hans Jörg Schlechter - 3.9.2009 10:44

Neben den polizeilichen Kriminalstatistiken sind Befragungen zu Kriminalität eine der Quellen, um Ausmaß und Trends der Kriminalitätsentwicklung einer Gesellschaft zu erfassen. In diesen “Crime Surveys” wird eine repräsentative Bevölkerungsgruppe danach befragt, ob sie in den letzten zwölf Monaten Opfer eines Verbrechens wurde; ob Anzeige erstattet wurde, spielt dabei keine Rolle. Zusätzliche Fragen beziehen sich auf Kriminalitätsfurcht und Sicherheitsgefühle sowie auf das Strafenbedürfnis der Bevölkerung.

1989 startete auf europäischer Ebene die erste Befragung zu Kriminalität mit jeweils 2.000 Befragten pro Land. Sie wurde seitdem viermal mit den gleichen Fragestellungen wiederholt. Die nächste Befragung ist 2009 vorgesehen. Die Daten des EU ICS (europäischer internationaler Crime Survey) geben einen Hinweis über Kriminalitätsbelastungen in Europa und sind die offiziellen Zahlen der Union. Sie dürfen allerdings auch nicht unkritisch gelesen werden, da die vom Gallup Institut durchgeführten überwiegend telefonischen Befragungen subjektive Momentaufnahmen sind, die vielfältigen auch rechtlichen, kulturellen, sozialen und ökonomischen Einflüssen und länderspezifischen Unterschieden unterliegen. Eine einfache Vergleichbarkeit ist nicht immer gegeben, aber die Zahlen zeigen doch Trends und Grundeinstellungen auf und die verwendete wissenschaftliche Methode ist seriös.

Die europäischen Studien unter Federführung des britischen Innenministeriums und des niederländischen Justizministeriums sind als International Crime Victims Survey (ICVS) bekannt und publiziert. Die UNO (The United Nations, UNICRI) schloß sich 1992 diesem Projekt an und organisiert die Befragungen in den Entwicklungsländern und in Osteuropa. Mittlerweile nehmen mehr als 70 Länder daran teil. Damit sind sowohl Länder- und Städtevergleiche möglich. Durch die Zeiträume der Befragungen sind auch – bei aller gebotenen Vorsicht – internationale Trends der Kriminalitätsentwicklung ableitbar.

Die Fragestellungen umfassen die Viktimisierung in zehn Delikten: Autodiebstahl, Sachbeschädigung von und Diebstahl aus Fahrzeugen, Motorrad- und Mopeddiebstahl, Fahrraddiebstahl, Einbrüche, versuchte Einbrüche, Raubdelikte, einfache Diebstähle, sexuelle Delikte gegen Frauen, Nötigungen und Drohungen. Zusätzlich werden Zufriedenheit mit der Polizei, Unsicherheitsgefühle und das Strafbedürfnis bei einem Einbruchsdiebstahl durch einen einmalig vorbestraften Täter abgefragt.

Im Länderdurchschnitt der EU werden 16 Prozent der Bevölkerung in einem Jahr Opfer eines oder mehrer der zehn befragten Straftaten. Österreich gehört nach diesen Befragungen zu den europäischen Ländern mit der niedrigsten Viktimisierungsrate, einer hohen Zufriedenheit mit der Polizei und geringer Verbrechensangst. Die Österreicherinnen und Österreicher möchten als Strafe den vorbestraften Einbrecher nicht im Gefängnis, sondern gemeinnützige Arbeit leisten sehen.

Die höchsten Prävalenzraten mit über 20 Prozent weisen in Europa Irland, United Kingdom, Estland und die Niederlande auf. Die „sichersten” Länder in Europa mit knapp zehn Prozent Viktimisierungsrate sind Spanien, Ungarn, Portugal und Österreich. Die Stadt mit dem geringsten Kriminalitätsrisiko ist Lissabon und die „gefährlichste” ist London. Wien befindet sich im untersten Drittel dieses Rankings.

Die Gefahr, Opfer eines Einbruchs- oder Autodiebstahls oder gar eines Raubes zu werden, ist in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern gering, einzig bei den Taschendieben und den Sexualdelikten liegt Österreich im Mittelfeld. Die Dänen, Schweizer und Österreicher sind mit der Arbeit der Polizei hoch zufrieden, während Italiener, Griechen, Polen und Esten wenig Vertrauen in die Arbeit der Polizei haben. Am unsichersten nachts in den Straßen fühlen sich die Bulgaren, Griechen und Luxemburger, während die Finnen, Norweger und Dänen wenig Angst verspüren. Den vorbestraften Einbrecher möchten die Engländer, Bulgaren, Iren und Polen am  liebsten hinter Gitter bringen, während die Schweizer, Franzosen, Österreicher und Finnen Milde walten lassen.

Wer  mehr wissen möchte: http://www.europeansafetyobservatory.eu

Hans Jörg Schlechter ist Mitarbeiter des NEUSTART Zentralbereichs Sozialarbeit

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