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Blog und Diskussion

NEUSTART aus Sicht der Öffentlichkeit

Mag. Susanne Herzog - 20.1.2010 09:15

Die aktuellen Entwicklungen rund um das geplante Asyl-Erstaufnahmezentrum haben einmal mehr die Verfechter von härteren Strafen und Repression auf den Plan gerufen: strengere Gesetze und härtere Strafen für die, die ohnehin keine Stimme haben in Österreich. Einmal mehr überwiegt der Eindruck, dass Österreichs Bevölkerung immer mehr zur einschlägigen Argumentation diverser freiheitlicher Parteien und einschlägig bekannter Kleinformate tendiert.

Dem entgegen steht die jüngste Befragung der Österreicher, die im November des Vorjahres im Auftrag von NEUSTART vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut INTEGRAL durchgeführt wurde. 522 Österreicher (repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 14 Jahren) wurden telefonisch zu NEUSTART und der Arbeit, die die Mitarbeiter von NEUSTART täglich leisten, befragt. Auf die Frage, ob die Befragten glauben, dass die Arbeit von NEUSTART hilft, Kriminalität zu verhindern, haben 47 Prozent der Befragten mit „Ja“ geantwortet.

Nach Information derjenigen Personen, denen NEUSTART vor der Befragung nicht bekannt war, über die Tätigkeit des Vereins, hält die große Mehrheit der Befragten die Arbeit von NEUSTART für sehr wichtig (49 Prozent) oder wichtig (35 Prozent). Am geringsten ist der Anteil derer, die unsere Arbeit wichtig oder sehr wichtig finden, bei den unter zwanzigjährigen Befragten.

64 Prozent der Befragten schätzen den Nutzen der Arbeit von NEUSTART für die Gesellschaft als hoch ein. Die Meinung, dass diese Arbeit auch einen individuellen Nutzen für den jeweils Befragten bringen könnte, hat nur ein Viertel der Befragten – 34 Prozent sind überzeugt, dass es für sie persönlich keinen Nutzen gibt. Die Frage, welchen konkreten Nutzen die Arbeit von NEUSTART nach Meinung der Befragten für die Gesellschaft hat, beantworteten 25 Prozent der Befragten mit „Resozialisierung der Straftäter“, 13 Prozent mit „Verbrechensprävention und Vermeidung von Rückfällen“, zwölf Prozent mit „wichtig und nützlich“, sieben Prozent mit „Wiedergutmachung, Entschädigung für die Opfer“ und sechs Prozent mit „Hilfe für einen Neuanfang“. Sieben Prozent sehen „keinen Nutzen“ in der Arbeit, da die Täter nicht rehabilitierbar seien.

Die Österreicher sind also ganz und gar nicht – wie man manchmal den Eindruck gewinnt –überwiegend fürs „Wegsperren“, sonders durchaus zugänglich für sozialkonstruktive Maßnahmen. Die Arbeit von NEUSTART wird überwiegend geschätzt und als unverzichtbarer wichtiger Beitrag für die Gesellschaft wahrgenommen.

Mag. Susanne Herzog ist Mitarbeiterin des NEUSTART Zentralbereichs Marketing und Öffentlichkeitsarbeit

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Zu diesem Beitrag gibt es |2 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Mag. Karin Waidhofer schrieb am 20.01.2010 13:56

Mein Beitrag zur Diskussion zitiert aus „sozial- und kriminalpolitische Positionen“, April 2009, Seite 9 (http://www.neustart.at/Media/kriminalpolitische_positionen_lang_apr09.pdf)
Fremde: hinschauen statt wegschauen
Menschen ohne legalen Aufenthalt in Österreich unterliegen großem sozialen Druck und Ausgrenzung. Der Zugang zum Arbeitsmarkt, zur Sozialhilfe und zu sozialen Diensten ist ihnen verwehrt. Vielfach sind sie in die Illegalität und auf informelle Arbeitsmärkte gedrängt. Diese unsichere Existenz stellt einen hohen Risikofaktor für illegales und kriminelles Verhalten dar. Indiz dafür ist der schnell wachsende Anteil ausländischer Staatsbürger an der Gefängnispopulation in Österreich. Im Jahr 2005 befanden sich knapp 4.000 Ausländer in gerichtlicher Haft, ihr Anteil an allen Insassen österreichischer Justizanstalten erreichte 45 Prozent. Die meisten von Ihnen sind Fremde ohne Beschäftigung, Fremde mit prekärem, unbestimmtem oder provisorischem Aufenthalt und Fremde mit Asylwerberstatus.
Dieser hohe Anteil an Ausländern im Strafvollzug schafft Probleme und Spannungen.
Vorschläge:
Auch in den Gefängnissen müssten Anstrengungen unternommen werden, um Sprachbarrieren und Informationsdefizite zu beseitigen, etwa durch Sprachkurse für Insassen und Personal, durch mehrsprachige Informationsblätter und Anträge sowie durch den Einsatz von Dolmetschern (zumindest bei den besonders sensiblen Ordnungsstrafverfahren und medizinischen Untersuchungen). Wünschenswert wäre auch eine gezielte Aufnahme von Personal mit Sprachkompetenzen und Migrationshintergrund.
Reformbedarf besteht jedoch auch auf kriminalpolitischer Ebene. Für Ausländer werden Alternativen zur Haft seltener genutzt als für Inländer. Da nicht integrierte Ausländer von den Strafverfolgungsbehörden nicht immer gleich wie Österreicher und integrierte Ausländer behandelt werden können (etwa bei der Verhängung der Untersuchungshaft, bei Diversion oder Bewährungshilfe), braucht es neue kriminalpolitische Konzepte für diese Tätergruppen.
Durch den § 133a Strafvollzugsgesetz (StVG) konnte diese Problematik nicht ausreichend entschärft werden. Die Praxis des §133a sollte evaluiert werden. Die von NEUSTART in Kapitel 8.4. gemachten Vorschläge (bedingte Entlassung) sollten auch für Fremde gelten.
Selbst die von NEUSTART kritisch gesehene derzeitige rigide Abschiebepolitik greift nicht für entlassene straffällige Fremde, wenn diese aus unterschiedlichen Gründen (kein Aufnahmeland vorhanden, Herkunftsland in Kriegswirren) nicht abgeschoben werden können. Vom Standpunkt einer vernünftigen Kriminalprävention müsste für diese Personengruppe zumindest eine zeitlich begrenzte Duldung des Aufenthaltes gewährt und eine Akzeptanz der Tätigkeit der Hilfsorganisationen ermöglicht werden.
Auch für diesen Personenkreis sollten soziale Grundrechte wie Zugang zu medizinischer Versorgung, Schulbildung, soziale Leistungen und Zugang zum Arbeitsmarkt gelten.
Nicht die illegal Eingewanderten sind zu bekämpfen, sondern die Ausbeutung (z.B. durch Schlepperorganisationen und organisierte Kriminalität). Dafür bedarf es rechtlicher Schutzmaßnahmen (z.B. Zeugenschutzregelungen).
Eine professionelle Rückkehrerberatung und -hilfe mit effektiven materiellen Hilfsangeboten müsste ausgebaut werden.
Mag. Karin Waidhofer, NEUSTART Geschäftsführerin

Maria Mlinar-Steixner schrieb am 20.01.2010 10:10

Es ist gut und wichtig, wenn Umfragen gemacht werden und dabei auch noch eine positiver Rückmeldung für den Verein kommt.
Was mir allerdings in Anbetracht der gängigen Asylpolitik sehr fehlt ist ein Aufschrei unseres Vereins in diesem Zusammenhang.
Unsere tägliche Arbeit ist geprägt von Ohnmacht gegenüber einer doch recht großen Gruppe unserer Klienten, nämlich der Asylwerber und der Menschen, die keinerlei Status in unserem Land haben und deshalb illegal hier ihr Leben fristen müssen. Es ist eine reine Verwaltung von Akten. Das Einzigste, das wir ihnen anbieten können ist eine Post-und Zustelladresse und hin und wieder rechtliche Beratung im Zusammenhang mit ihrem Asylantrag, der ohnehin meistens abgelehnt wird aufgrund ihrer Straffälligkeit.
Wenn aber ein Mensch gar keine Möglichkeit hat legal (durch Arbeit oder einem sozialen Netz) etwas zum Essen und ein Dach über dem Kopf zu bekommen, was bleibt ihm übrig, um zu überleben?
Ich bin keine Freundin großer Worte, allerdings ist es frustrierend, wenn frau als Sozialarbeiterin einem Menschen, der nichts hat, als sein "nacktes Leben" nicht mal die notwendigste Hilfe zum Überleben angedeihen lassen kann, was bei jedem Klienten aus unseren Breitengraden selbstverständlich ist, und unser tägliches Handwerkszeug.
Das 7.reichste Land ist nicht fähig einer Menschgruppe ein Obdach und eine soziale Absicherung zu gewähren. Allerdings werden diese Menschen (sie haben zwar nicht die gleichen Rechte aber die gleichen Pflichten), nämlich genauso, wenn nicht härter bestraft, wenn sie gegen das Gesetz verstoßen.
Ist die Politikhörigkeit des Vereins schon so weit gediehen, dass wir keine klaren Worte für dieses Elend finden?