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Blog und Diskussion

Sexueller Missbrauch: Mensch oder Monster?

Andreas Zembaty - 10.3.2010 09:32

Der kolportierte sexuelle Missbrauch im Reform-Internat Odenwaldschule im deutschen Bundesland Hessen sorgt für Empörung. Burschen und Mädchen wurden körperlich misshandelt und sexuell missbraucht. Wenige Themen irritieren unsere Gesellschaft so wie sexueller Missbrauch von Kindern. Kein anderes Thema ruft so radikale Reaktionen bei der Bevölkerung hervor.

Allein schon beim Gedanken an ein solches Verbrechen entsteht Ohnmacht. Einzelne überführte Täter werden alleine für das Unerklärliche verantwortlich gemacht. Dabei wird übersehen, dass es sich hier um eine Form von Kriminalität handelt, die häufiger existiert, als uns lieb ist. Jedes vierte Mädchen und jeder achte Bub wird sexuell missbraucht. Auch die Zahl der Konsumenten von Kinderpornographie im Internet steigt. Die Meldestelle für Kinderpornografie erhielt 2008 5.238 Hinweise aus der Bevölkerung. Eine international vernetzte Aktivität der Exekutive deckte 2008 innerhalb von 76 Stunden(!) 12 Millionen Besuche (935 aus Österreich) aus 170 Ländern auf – ein Phänomen also, das sich nicht auf einzelne zu „Monstern“ hochstilisierte Täter reduzieren lässt.

Wem ist mit Schwarz-Weiß-Malerei gedient? Die Opfer brauchen wirkliche Hilfe, nicht selbstgerechte emotionale Empörung. Und die Täter? Sexualstraftäter handeln aus ihren sexuellen Trieben und schweren sozialen Defiziten heraus; härtere Strafen werden sie in den seltensten Fällen erreichen oder gar abschrecken. Bloßes Wegsperren eskaliert nur noch die Einsamkeit, die Angst und damit die gefährliche Aggression. Ein Sexualstraftäter ist jedoch nicht nur Täter, er ist auch Mensch – und nur dort kann Veränderung ansetzen; „Monster“ lassen sich nicht ändern. Verurteilte Straftäter erreicht die Justiz mit Strafe und Hilfe, mit Therapien in und nach der Haft, mit Bewährungshilfe die hilft und kontrolliert.

Aber was ist mit den Anderen, den Unerkannten? Noch immer gibt es in Österreich keine spezielle und gut beworbene Anlaufstelle für Männer, die eine pädophile Neigung verspüren. Eine solche Hilfseinrichtung wäre allein aufgrund der oben genannten Zahl der Kinderpornokonsumenten dringend notwendig. In Berlin spricht das Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin des Universitätsklinikums Charité diese Männer so an: „lieben sie kinder mehr als ihnen lieb ist?“ Innerhalb eines Jahres gab es 1.000 Anmeldungen. Zeit zu handeln hierzulande...

Andreas Zembaty ist Pressesprecher von NEUSTART

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