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Blog und Diskussion

Sozialarbeit in der Krise?

Andreas Zembaty - 12.5.2010 13:45

„…die helfen den ganz armen Leuten…“ das entspricht dem Bild, das die Bevölkerung von Sozialarbeitern nach wie vor hat. Dass das überwiegend mit ehrenamtlicher, unentgeltlicher Tätigkeit assoziiert wird, ist ebenfalls Fakt. Alle Professionalisierungsschritte der Vergangenheit durch Ausbildung und professionelleren Auftritt der Sozialarbeitsorganisationen haben kaum etwas an dieser Sichtweise in der Bevölkerung verändert. Vielleicht ist die wirtschaftliche Krise und damit die problematische Entwicklung in der Finanzierung von Sozialarbeitsorganisationen eine Chance, das eigene Selbstbild zu ändern.

Sozialarbeit als Problemlösungsagentur: Das bestehende Selbstbild der Sozialarbeit (ÖBDS2004) fußt auf der Unterstützung einzelner oder Gruppen, denen die „Alltagsbewältigung mit eigenen Mitteln … nicht gelingt“. Ganzheitliche Problemsicht wird als gesamtheitliche Sicht verstanden. Soziale Gerechtigkeit und internationale ethische Werte sind weitere Grundfesten des Berufsbilds. Aktionistischer wird die Diktion wenn „individuelle und gesellschaftliche Ursachen, die soziales Unrecht entstehen lassen“ als solche bekämpft werden sollen. Umso mehr überrascht die Einschränkung bei der Zielgruppendefinition auf „Benachteiligte, Diskriminierte und Randgruppen“. Wie will man denn gesellschaftliche Ursachen bekämpfen, wenn man die Verursacher nicht als Zielgruppe definiert?

Aus meiner Sicht wäre ein offensiverer und tatsächlich ganzheitlicher Fokus gefragt. Unzweifelhaft bleiben die Klienten Zielgruppe. Gleichrangig müssten aber auch die gesellschaftlichen Repräsentanten Zielgruppen sein: Auftraggeber aus Politik und Wirtschaft, aber auch die Medien als veröffentliche Meinung und Instrument zur Mobilisierung der Bevölkerung sollten aktiv ins berufliche Handeln der Sozialarbeit aufgenommen werden.

Gesellschaftliche Probleme dort, wo sie entstehen, wahrzunehmen und dafür Lösungsmöglichkeiten anzubieten wäre gesellschaftspolitisch relevanteres Handeln. Damit würde auch der Anspruch „Sozialarbeit entwickelt und verbessert soziale Hilfssysteme und den Zugang zu diesen. Sozialarbeit ist Lobbying für Benachteiligte, Diskriminierte und Randgruppen in der Gesellschaft und arbeitet auf die Beseitigung der Ursachen menschlicher Notlagen materieller, gesundheitlicher, sozialer, kultureller Art hin“ positiv eingelöst werden. Die Auftraggeber von Sozialarbeit würden dann als Kunden und nicht tendenziell als Verursacher von Problemen, die man von ihrer Fehl- oder Minderleistung überzeugen muss, gesehen werden. Wir haben nichts zu verlieren außer liebgewordenen Feindbildern.

Gewinnen könnten wir jedoch mehr gesellschaftliche Anerkennung und damit Einflussnahme. Eine in die Zukunft gerichtete Sozialarbeit sollte Problemlösungskompetenz nicht nur auf den Einzelfall beschränken, sondern auch eine volkswirtschaftlich dokumentierbare Nutzenstiftung in ihr Selbstverständnis aufnehmen. Voraussetzung dafür ist die verstärkte Integration anderer Professionen in die Sozialarbeitsorganisationen. Das Know-how von Betriebswirten, Marketingexperten, Juristen und Lobbyisten zu integrieren verspricht hier mehr Erfolg als der Versuch, Sozialarbeiter mit Versatzstücken dieser Professionen in der Ausbildung zu konfrontieren und damit auch schon zu glauben, Experten für „eh alles“ ausgebildet zu haben. Der wichtige Schritt der Umsetzung erfolgt aber ohnehin in den Sozialarbeitorganisationen selbst. Teamarbeit neu verstehen bedeutet, dass gemeinsam mit anderen Professionen Problemlösungen erarbeitet und an den Mann gebracht werden – gemeinsam statt einsam.

Andreas Zembaty ist Pressesprecher von NEUSTART

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