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Blog und Diskussion

Sozialer Status beeinflusst Stress und Gewalt

Alexandra Kleibenzettel - 19.5.2010 10:53

Bei der achten Armutskonferenz in Österreich referierte Universitätsprofessor Richard Wilkinson (University of Nottingham/UK) über gerechte Gesellschaften. Warum reagieren wir so stark auf Ungleichheiten? Für Wilkinson sind wichtige psychosoziale Faktoren wie sozialer Status, frühe Kindheitserfahrungen und Freundschaft maßgeblich. Als Bewährungshelferin möchte ich den sozialen Status näher beleuchten: In diversen Versuchen konnte festgestellt werden, dass in Situationen, die auf den sozialen Status abzielen und uns vor anderen „blöd“ dastehen lassen, höchste Stressmerkmale ausgelöst werden.

„Wir erfahren uns über andere“ – um dieses Ergebnis zu unterstreichen brachte Wilkinson ein Beispiel: Seine Studie startete in Indien einen Versuch, bei dem Kinder aus unterschiedlichen Kasten verschiedene Aufgaben zu lösen hatten. Im ersten Durchlauf ließ man die Kinder, ohne sie über den unterschiedlichen sozialen Status aufzuklären, die Aufgaben erledigen. Hier konnte man keine großen Unterschiede in Bezug auf Wissen feststellen. Im zweiten Durchgang klärte man die Kinder darüber auf, dass sie aus unterschiedlichen Kasten stammen. Das Ergebnis brachte wesentliche Wissensunterschiede. Die Kinder aus den unteren Kasten schlossen deutlich schlechter ab als die Kinder aus den höheren Kasten. Das machte zumindest mich recht nachdenklich. In Bezug auf mein Klientel in der Bewährungshilfe und im Anti-Gewalt-Training muss ich mir die Frage stellen, wie weit dies mit als Ursache für Gewalttätigkeiten gilt.

Wilkinson beantwortete die Frage mit JA. Erlebte Ablehnung in Bezug auf sozialen Status löst immensen Stress aus und veranlasst Menschen (neben anderen situativen und sozialen Ursachen) mit Gewalt zu agieren und zu reagieren. Die Verminderung von sozialem Stress hat bei manchen meiner Klienten zumindest einen direkten Bezug auf ihre Bereitschaft, alternative Konfliktlösungsstrategien zu erproben. Das ist zwar jetzt keine Neuheit, jedoch hat das mit Augenmerk auf Verringerung der Ungleichheit ein anderes Gewicht.

Im Arbeitsforum „Nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren“ behandelte die diplomierte Pädagogin und Psychotherapeutin Konstanze Eppensteiner das Thema Resilienzforschung. Resilienz beschäftigt sich mit der Frage: Was macht Menschen stark, trotz ungünstiger Bedingungen in der Sozialisation? Die Pionierstudie dieser Forschung von Werner und Smith wurde in den Fünfzigerjahren mit 698 Kindern der hawaianischen Insel Kava über einen Zeitraum von 40 Jahren durchgeführt. Beim Verfolgen der Biografien stellte sich heraus, dass sich ein Drittel der Kinder trotz unterschiedlichster Widrigkeiten unbeeinträchtigt entwickelt haben. Das ist auf bestimmte protektive Faktoren zurückzuführen, wo man davon spricht, dass Menschen resilient sind. Einfach ausgedrückt heißt das: Welche Faktoren unterstützen Kinder beim Erwachsenwerden, dass sie Spannung aushalten? Die Antwort: eine stabile emotionale Beziehung zu zumindest einem Elternteil oder einer anderen Versorgungsperson, soziale Unterstützung durch Lehrer, Erzieher, Freunde; dosierte soziale Verantwortung, Erfahrungen von Selbstwirksamkeit (dass man sich bewusst ist, mit dem eigenen Handeln etwas bewirken zu können, Situationen verändern und das eigene Leben gestalten zu können)…

Für meine tägliche Arbeit im Gespräch mit meinen Klienten heißt das, dass ich neben der Arbeit am Delikt und an diversen sozialen Problemen mein Augenmerk auf das Bewusstmachen und aktive Fördern der Schutzfaktoren – der resilienten Eigenschaften(siehe oben) – meiner Klienten im Sinne ihrer Selbstwirksamkeit mit in den Vordergrund stelle. Ich bin mit frischem Schwung aus der Konferenz herausgegangen und der Überzeugung, dass es wert ist, sich für eine gerechtere Welt einzusetzen. Das mag sozialromantisch klingen. Aber: Es tut gut, Realität und Vision zu verbinden.

Alexandra Kleibenzettel ist Sozialarbeiterin bei NEUSTART Steiermark

Webtipps:

http://www.equalitytrust.org.uk

http://www.armutskonferenz.at

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Zu diesem Beitrag gibt es |2 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Michael Pech schrieb am 20.05.2010 15:49

Liebe Alexandra, danke für Deinen wunderbar formulierten Beitrag, der spricht mir aus der Seele.
Lieber Günter, Deinem Kommentar kann ich mich nur anschliessen.
Viele Grüße von Michael

Günter Wurmhöringer schrieb am 20.05.2010 11:07

ja, genau! es geht um das Aufzeigen der eigenen Wirksamkeit, abstrakt mit Verantwortung beschrieben:"wie machen sie das?" ist für mich eine Zauberformel in der Beratung. Verbunden bit Beziehungsarbeit (Interesse, Wohlwollen, Gefühle und Bedürfnisse herausarbeiten und Wege zur Bedürfnisbefriedigung finden) sind doch zentrale Elemente. Ebenso wichtig erscheint mir das aufzeigen wie sich Klienten selber abwerten aufgrund ihrer Herkunft oder ähnliches und etwas zu finden worauf sie stolz sein können. usw. usw.

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