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Blog und Diskussion

Abstimmung: Wie halten Sie es mit Bettlern?

Mag. Klaus Priechenfried - 26.5.2010 09:56

Anlässlich einer wirklich bedenklichen Gesetzesreform im Wiener Landtag, die nahezu jede Form des Bettelns unter Strafe stellt und sich in der Begründungsformulierung weniger auf erhobene Daten als auf vorurteilsbeladene Vermutungen stützt, wurde mein eigenes Verhältnis zu bettelnden Personen wieder einmal in Frage gestellt. Um es gleich einzugestehen: Ich habe bettelnden Personen gegenüber einen ausgesprochen schlecht reflektierten moralischen Standpunkt, der noch dazu mit meinen Stimmungen schwankt.

Die im Folgenden angeführten Überlegungen führen dazu, dass ich manchmal etwas hergebe, manchmal nicht. Ich stelle diese Überlegungen dar und bitte alle Leserinnen und Leser, ihren eigenen Standpunkt hier zu posten; entweder, indem sie sich einfach einem meiner Standpunkte anschließen oder indem sie ihren eigenen, von meinem Repertoire abweichenden Standpunkt darstellen. Vorwürfe, meine Standpunkte seien widersprüchlich und ich solle mir das gescheiter überlegen, bevor ich es schreibe, bitte nicht posten (diesen Vorwurf mache ich mir schon selbst)!

a)   Ich gebe. Schließlich sind diese Menschen arm. Auch wenn sie Opfer von organisierten Banden sind, so sind sie durch ihre Benachteiligung in allen Lebensbereichen Opfer dieser Banden geworden.

b)   Ich gebe nicht. Ich finde, in einem reichen Land wie Österreich muss es für jeden genug Unterstützung geben, um leben zu können. Dafür setze ich mich im Beruf und im Privatleben ein. Wenn das nicht funktioniert über die öffentliche Hand, dann spende ich eher Hilfsorganisationen, die für gerechte Mittelverteilung und politisches Lobbying sorgen.

c)   Ich gebe. Es beruhigt mein Gewissen, vielleicht bringt es sogar Glück.

d)   Ich gebe nicht. Gäbe ich, würde ich die Menschen nur ermutigen, sich nicht besser um andere Möglichkeiten der Teilnahme am öffentlichen Leben zu kümmern.

Bitte um Ihre Position im Posting: entweder einfach a) bis d) (mit oder ohne eigene Erläuterung) oder um weitere Positionen. Die Auswertung folgt in einem weiteren weblog. Danke sehr!

Mag. Klaus Priechenfried ist Leiter des Zentralbereichs Sozialarbeit bei NEUSTART und Leiter von NEUSTART Wien 5

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Zu diesem Beitrag gibt es |15 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Chris schrieb am 15.10.2013 13:20

Zum Bettelverbot fallen mir einige Aspekte ein:1 Ich glaube nicht dass es verboten ist, in der Öffentlichkeit eine Schale mit einigen Euro Cent zur Schau zu stellen. Soll ich als Schausteller meiner paar Kröten einem der mir was in die Schale legen will desswegen2. eine reinhauen oder3. es mit einem Dankeschön oder Vergelts Gott qittieren? Kann ich was dafür wenn mir ein Mitmensch was schenken will? Als friedvoller Mensch entscheide ich mich für die Kombination 1 in Verbindung mit 3.
Was mich schon stört wenn ich deswegen von den Ordnungsbehörden als Krimineller denunziert werde. Wäre vielleicht besser der Staat möge sich lieber um seine krummen Steuergeschäfte in Milliarden Höhe kümmern. Gibt es eigenglich in Österreich auch so eine Watch Dog Gesellschaft wie in Deutschland den Bund der Steuerzahler, welche den ewigen staatlichen Steuerverprassern eine auf die Finger haut?

Klaus Priechenfried schrieb am 16.07.2010 14:27

Zunächst einmal herzlichen Dank für die Beteiligung an der Umfrage an alle!! Das Ergebnis lautet:
7 Gebende (a oder c),
2 eher nicht Gebende und
4 mit schwankendem, indifferenten oder ganz eigenem Standpunkt.
Das ist nicht ganz unerwartet, wenn man bedenkt, welche Menschen von dieser Webseite und diesem Weblog erreicht werden. Ich freue mich über die Resonanz im Weblog hier. Das Thema bewegt auch sonstwo die Menschen, die Positionen sind moralisch und fachlich (aus den verschiedensten Richtungen) noch sehr umstritten, das zeigt sich gerade heute auf einer Seite des Online-Standard,
http://derstandard.at/1277337695856/Wien-Keine-Almosen-fuer-Bettler
die schon jetzt über mehr als 1200 Userkommentare verfügt, und das ist selbst für den Online-Standard ganz schön viel.
»Solange es noch einen Bettler gibt, solange gibt es noch Mythos.« sagte Walter Benjamin in seiner Passagenschrift und meinte damit, dass die Aufklärung ihr Ziel so lange nicht erreicht hat, so lange Menschen in der Wohlstandsgesellschaft noch Not leiden müssen. Egal was dran schuld ist, die Bettlermafia, die mangelnde Kompetenz der Menschen das richtige Hilfsangebot zu finden, oder tatsächlich die Lücken im Sozialsystem einer reichen Gesellschaft: Wir haben längst die Mittel in der Hand, Armut von Menschen zu beseitigen, wir müssen es nur tun. Jemand vor der U-Bahn, auf der Einkaufsstraße oder sonstwo einen Euro zu geben ist kein Fehler, aber es reicht nicht aus, es braucht noch eine Anstrengung von uns allen die Auklärung unter die Leute zu bringen und klar zu stellen, dass Armut nicht mehr sein muss. Es wird unser aller Gewinn sein, wenn es sie nicht mehr gibt. "Making Poverty History" Lasst es uns angehen!

Tamara Felbinger schrieb am 11.06.2010 13:23

ich würde sagen c). Ich gebe besonders dann gerne etwas wenn ich wieder mal viel Geld für eher "Unnötiges" ausgegeben habe... Wenn ich wieder mal in einen Shopping- Kaufrausch gekommen bin, oder beim abendlichen Fortgehen viel zu viel ausgegeben habe... Immer dann stecke ich mir am nächsten Tag einige Euro in meine Hosentasche und gebe sie jenen die mir begegnen und danach fragen... Natürlich ist ein bisschen davon auch eigene Gewissensberuhigung, aber jenen die meine Spende für ein gutes Karma erhalten, macht das nicht aus : ) Wichtig ist für mich auch noch, dass ich nicht zu lange nach Geld suchen muss. Wenn ich etwas in der Hosen- bzw. Jackentasche habe, gebe ich es schneller her, als wenn ich vorher mühevoll in meiner wieder viel zu vollgestopften Tasche nach meinen Geldbörsl suchen muss... Woran das liegt weiß ich nicht… willl man/ich vielleicht nicht zu lange Zeit verplempern, muss man schnell weiter und kann nicht mal für eine kleine Spende ein bisschen mehr Zeit opfern? Oder liegt es daran ja nicht zu lange mit Leid und Armut konfrontiert zu sein? Darüber mache ich mir jetzt mal meine Gedanken! Grundsätzlich gebe ich gerne und finde es auch wichtig, dass sich die Menschen die mit mehr Wohlstand gesegnet sind sich durch inhumane Bettelgesetzte, oder diskriminierende Aussagen in den U-Bahnen der Wiener Linien nicht davon abhalten lassen- aus welchen Gründen auch immer sie spenden- SIE SPENDEN!

Monika Wintersberger schrieb am 10.06.2010 16:41

Mir gehts wie Nicki: ... zu aufdringlich und jämmerlich ergibt bei mir ein NEIN - immer wenn ich angesprochen werde ...
Allerdings begegnen mir regelmäßig Menschen, die auf so originelle Art schnorren, dass es Freude macht, zu "spenden".

Yvonne Czermak schrieb am 10.06.2010 06:01

Meine Tagesverfassung lässt mich zwischen a) und d) schwanken, wobei ich deutlich die unaufdringlichen BettlerInnen und, ganz besonders, die hundebesitzenden Sandler(Innen sind mir in Wien noch keine aufgefallen) bevorzuge. Letzteres gilt auch für den Kauf des Augustin, den ich allerdings auch manchmal nach dem Motto "der/die sieht aus, als hätte er/sie den ganzen Tag noch nichts verkauft" erwerbe. Wie Eva bin ich weniger für Materialspenden (Nusskipferl oder Wurstsemmel!?), kommt mir auch "pädagogisch" vor. Bei (organisiert) bettelnden Kindern machen ich allerdings Ausnahmen, weil zu befürchten ist, dass sie die gespendeten Münzen nicht behalten dürfen. Was mich überfordert, ist der "Mariahilferstrassen-Marathon": ich ertappe mich dabei, den einen oder anderen Abschnitt recht hurtig hinter mich zu bringen, vorbei an verschiedenen Formen zur Schau gestellter Körperbehinderung. Zu viel, zu arg und organisiert -macht mich hilflos ...

michael blattny schrieb am 10.06.2010 00:30

nicht jeder bekommt das was er braucht; leider ;-)

Siegfried Tatschl schrieb am 08.06.2010 10:31

Für mich ists ein moralisches und emotionales Dilemma. Habe mich auf den Grundsatz eingestellt nichts zu geben und vermeide das nähere Hinschauen auf die Personen, wiewohl mir manche dann schon bekannt sind. Betroffenheit und Ärger mischen sich in mir. Wahrscheinlich überwiegt der Selbstschutz, denn ich bin mit einer hohen Spendenbereitschaft aufgewachsen und zahle fleissig Erlagscheine ein.

Nikolaus Tsekas schrieb am 07.06.2010 14:10

a) Ich gebe abhängig von der Methode - zu aufdringlich und jämmerlich ergibt bei mir ein NEIN - immer wenn ich angesprochen werde. Ich werde auch oft "herausgepickt" und angesprochen, habe aber ein Limit pro Tag - sehe mein Leben durchaus als Privileg und fühle mich verpflichtet, ein wenig davon zurückzugeben. Als ich in der Israelitischen Kultusgemeinde gearbeitet habe, wurde ich mit einigen klassischen jüdischen "Schnorrern" konfrontiert, die dies als Beruf hatten und durch Europa zogen. Ihre Funktion war für die Gemeinschaft äußerst wichtig, da sie die Möglichkeit boten, "Gutes" zu tun - eine "Mizwe" (guteTat) die "Mazel" (Glück) bringt - hat mich geprägt! Auch heute am Brunnenmarkt bin ich immer wieder beschämt, wie selbstverständlich Menschen anderer Kulturen, denen es sichtlich schlechter als den Meisten von uns geht, zumindest einige Cent geben ...- ein wenig teilen?!

Manuela Felbinger schrieb am 07.06.2010 14:08

Ich schließe mich dem Kommentar von Jürgen an, bin beim Spenden eher unreflektiert und meine Gebefreudigkeit ist sehr von meiner Stimmung (morgens darf mich niemand anreden) und Sympathie abhängig.

Hermann Popprath schrieb am 28.05.2010 12:58

Ich gab vor einigen Jahren nichts und stellte mich auf den Standpunkt, dass der Sozialstaat funktioniert und jeder die Hilfe bekommen kann die ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Mittlerweile bin ich mir sicher dass diese meine Haltung von früher nicht mehr passt - d.h. ich gebe mittlerweile öfters, aber nicht in der U-Bahn, kaufe den Augustin und gebe gerne an Musikanten mit Zieharmonika. Aber wohl ist mir nicht dabei. Mir geht es öfters wie Klaus es beschrieben hat, Stimmungen beeinflussen das Verhalten... Und ich wähle aus mehreren Gründen diesmal sicher nicht rot, sondern grün.

eva maria bachmann schrieb am 26.05.2010 14:03

b), selten c) .. aber wenn, dann gibt es geld. ich halte nichts davon, den leuten lebensmittel aufs auge zu drücken, die sie am ende gar net haben wollen. wenn ich schon was gebe, dann soll sich der beschenkte auch aussuchen können, was er haben will. (ja, auch wenn es schnaps und zigaretten sind). ich würde nie soweit gehen, leuten, denen es sowieso schon schlecht genug geht, auch noch durch eine lebensmittelschenkung vorzuschreiben, was sie essen sollen. allzu dick aufgetragenes menschliches leid (z.B. immer öfter jetzt zu sehen - verkrüppelte kinder, die bettelnd durch stehende autokolonnen an kreuzungen humpeln) lässt meine spendenfreudigkeit jedoch rasant schwinden. weiß auch nicht warum ....

jürgen kaiser schrieb am 26.05.2010 12:00

ich oute mich ebenfalls als ausgesprochen unreflektierten spender. bei mir ist´s vor allem von der tagesverfassung abhängig. hatte ich z. b. einen anstrengenden tag und begegne ich gleichzeitig einem sehr distanzlosen bettler, sind die chancen eher hoch, dass er/sie nichts bekommt. die eher schüchtern wirkenden, zurückhaltenden bekommen fast immer etwas, mein spendenverhalten ist also in einem hohen maß sympathieabhängig.

david ramirer schrieb am 26.05.2010 11:46

e) ich entscheide spontan, ob ich gebe oder nicht. meist lasse ich mich von der "bettelmethode" zum spenden (oder verweigern) überzeugen: gefühlte ca. 95% der bettler betteln mechanisch und nahezu gewerbsmäßig, daher leider auch mit wenig überzeugungskraft: diesen spende ich grundsätzlich nichts. bei anderen hilfsbedürftigen personen ist meine tagesverfassung (und die eigene finanzielle situation) ausschlaggebend, ob ich etwas in menschlichkeit investiere und in die tasche greife.

Brigitte Leiner schrieb am 26.05.2010 11:40

Mir geht es mit dem Betteln, vor allem im Hinblick auf meine gemischten Gefühle damit, ganz ähnlich.
Jedenfalls ist meine Tendenz aber deutlich zum Geben hin gerichtet; ich sehe die Bettelnden eher als Opfer und will meine Hilfe auf diese Art direkt (?) leisten. Auch als reiches Land liegt bei uns einiges im Argen und deshalb geht mein Beitrag über die tägliche Arbeit und regelmäßige Spendenzahlungen an verschiedenste Hilfsorganisationen hinaus. War in den Medien wieder einmal ein Beitrag über die Fülle an "Banden" auf diesem Sektor, so passiert es dann, dass ich nicht in die Geldbörse greife, sondern zum nächsten Lebensmittelladen wandere und dort für die Bettlerin/den Bettler etwas zu essen kaufe. Motto: hungern soll bei uns niemand müssen...
Fazit: Der Anblick Bettelnder berührt, aber über eine weitere Kriminalisierung dieser Menschen wird man das Problem nicht lösen.

CA Rameder schrieb am 26.05.2010 10:33

c) ich gebe (Höhe schwankt abhängig von Stimmung und Sympathie) einerseits um speziell der/demjenigen eine zuwendung zukommen zu lassen und andererseits beruhigt es mein gewissen und das mit dem glück naja mag naiv klingen aber ich glaub irgendjemand beobachtet uns und prüft das herz mit der waagschale..dann irgendwann...