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Blog und Diskussion

Jugendkriminalität: verstärkt Hauptschule Gewaltbereitschaft?

Mag. Dr. Harald Ristl - 16.6.2010 09:21

Im Rahmen der 4. Wiener Frühjahrstagung für Forensische Psychiatrie am 28.5.2010 zum Thema „Kinder- und Jugendkriminalität“ ließ der renommierte deutsche Kriminologe Christian Pfeiffer mit einigen bemerkenswerten Forschungsergebnissen aufhorchen: Die Hannoveraner Forscher befragten etwa 45.000 Jugendliche in Deutschland und fanden, dass die Befunde der sogenannten Dunkelfeldforschung zur Entwicklung der Jugendgewalt seit 1998 insgesamt betrachtet eine gleichbleibende bis rückläufige Tendenz zeigen. Die Polizei erfasste 1998 8,2 Prozent der Jugendlichen und 8,9 Prozent der Heranwachsenden als verdächtig, eine Straftat begangen zu haben. Bis 2006 sanken diese Werte auf 7,4 Prozent unter den Jugendlichen und auf 8,4 Prozent unter den Heranwachsenden. Die Häufigkeit von Mord, Totschlag und Raubdelikten ging in dieser Zeit ebenfalls zurück.

Die Häufigkeit schwerer Körperverletzungen unter Jugendlichen nahm hingegen zu. Gefährliche und schwere Körperverletzung wird gemäß Definition im Gegensatz zur einfachen Körperverletzung von mehreren Tätern begangen oder mit Gegenständen ausgeführt – sei es durch Messerstiche oder Stiefeltritte. Unter Jugendlichen stieg die entsprechende Tatverdächtigenziffer je 100.000 Personen von 1998 bis 2006 von 669,46 auf 931,66; unter den Heranwachsenden von 707,61 auf 1.008,4.

Pfeiffer gelangt zur Einschätzung, dass die meisten Jugendstudien zum Schluss kommen, dass mehrheitlich Jugendliche mit Migrationshintergrund und da vor allem das Verhalten mancher junger Türken für die höheren Delinquenzraten im Bereich der Gewalt verantwortlich seien. Diesen hafte die Gewaltbelastung jedoch nicht wie ein unveränderliches Schicksal an. Es seien vielmehr zwei klar sichtbare Hauptfaktoren, die das Auftreten von Gewalt begünstigten: die selbst erlebte Gewalt durch die Eltern und mangelnde Bildungschancen.

Hier überraschten Pfeiffer und der Soziologe Dirk Baier mit dem Finden eines bedeutenden Zusammenhangs zwischen Gewalt und Hauptschulbesuch: In der Hauptschule träfen gehäuft Jugendliche zusammen, deren in der Kindheit erlebte Kränkungen sehr stark wirkten, sodass in der Peergroup ein Klima des „Aufschaukelns“ des Erlebten entstehe und die Jugendlichen einander in der Folge „gegenseitig anstecken, Dinge zu tun, die man eigentlich nicht tun sollte". Positive Vorbilder wie etwa ein Freund, der zeige, wie man auch ohne Gewalt erfolgreich sein könne, würden fehlen.

Dort, wo immer weniger Kinder in Hauptschulen gingen, sinke das Gesamtniveau der Jugendkriminalität. Pfeiffer kann dies im Rahmen von Stadtteiluntersuchungen in Hannover nachweisen. Wo die Hauptschule dagegen die vorherrschende Bildungseinrichtung aller 10- bis 14-Jährigen ist (wie etwa auch in Österreich), gebe es die höchste Jugendgewaltrate unter Türken (am Beispiel der Stadt München sichtbar). Die niedrigste Rate habe man in Regionen geortet, wo 70 bis 80 Prozent der Türken in Realschulen oder Gymnasien gehen. Für Pfeiffer wäre daher die Abschaffung der Hauptschulen ein "kriminalpräventiver Akt". Ein gemeinsamer Unterricht aller Kinder könne eine „Verdichtung sozialer Randgruppen" verhindern.

Literaturhinweis: Dirk Baier, Christian Pfeiffer, Julia Simonson & Susann Rabold: Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt: Erster Forschungsbericht zum gemeinsamen Forschungsprojekt des Bundesministeriums des Innern und des KFN (KFN-Forschungsbericht Nr. 107, o.J.).

Mag. Dr. Harald Ristl ist Leiter von NEUSTART Burgenland, Niederösterreich Süd

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