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Blog und Diskussion

Schalom Bait – Leben ohne Gewalt in der Familie

Mag. Dorit Bruckdorfer - 7.7.2010 09:10

Gewalt ist ein Zeichen von Hilflosigkeit. Und: Gewalt ist ubiquitär. Gewalt ist nicht nur, wenn in einer Familie der Vater Frau und Kinder prügelt. Gewalt wird auch psychisch ausgeübt. Gewalterfahrungen beinhalten das Miterleben von Gewalt, Gefühle von Angst, Ohnmacht, sich mitschuldig fühlen, im Stich gelassen fühlen, Demütigung oder Ablehnung. „Gewalt hat viele Formen und tritt in jeder Gesellschaft in irgendeiner Weise auf“ so David Vyssoki, ärztlicher Leiter von ESRA.

Gewalt gibt es auch dort, wo es sie nicht geben dürfte. Shalom Bait, das friedliche Heim, der Hausfrieden, die Harmonie und der gute Wille zwischen den Eheleuten ist aus jüdischer Sicht ein über allem stehendes und wichtiges Ziel; der Zusammenhalt der Familie ist wesentlicher Bestandteil jüdischen Lebens und deshalb unbedingt aufrechtzuerhalten. Familiäre Gewalt als Tabuthema: weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Umso bemerkenswerter ist, dass Frauen der jüdischen Gemeinde im November 2009 unter dem Titel „Schalom Bait“ eine Bewegung gegen Gewalt in der Familie initiiert haben.

Damit wird ein schambesetztes Thema enttabuisiert und bewusst öffentlich gemacht, um die Scham zu nehmen. „Frauen haben hohe Kompetenz, mit Gewalterfahrungen im Alltag umzugehen“, weiß Gerda Netopil, Leiterin der Sozialen Arbeit bei ESRA. Deshalb ist es schwierig und dauert lange, bis sich Betroffene Rat und Hilfe holen – oftmals erst nach jahrzehntelangem Leiden. Zu bekennen, dass es Gewalt in der Familie auch in der jüdischen Gemeinde gibt, darüber zu sprechen, ist ein wichtiger Schritt – umso mehr, weil mit „Schalom Bait“ institutionelle Hilfe angeboten wird in einem Umfeld, in dem man einander kennt.

Bedeutsam ist auch, dass alle in Wien tätigen Rabbiner die Initiative unterstützen. Denn sie sind wichtige Anlaufstelle in Fragen der Lebensgestaltung. Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg plant eine Zusammenfassung und Erklärung wichtiger Gebote und Allegorien aus der Tora, die missverständlich sein können; sie sollen so erläutert werden, dass ihre Auslegung für die Gemeindemitglieder eindeutig ist und Gewalt ausschließt. Außerdem wollen die Rabbiner, „wenn der Hausfriede schief hängt“, verstärkt darauf achten, dass neben der Wiederherstellung von Shalom Bait auch die zugrunde liegenden Probleme bearbeitet werden.

Konkrete Hilfe bietet „Schalom Bait“ betroffenen Frauen und Kindern bei Gewalt in der Familie mit Aufklärung, Vorbeugung, anonymer und kostenloser Information und Beratung, Hilfe und Unterstützung. Lösungen bewegen sich im sozialen, medizinischen, finanziellen, rechtlichen und auch fremdenrechtlichen Kontext. Seit für das Tabuthema auch eine Telefonhotline eingerichtet wurde, beobachtet ESRA, dass sich mehr Personen in der Beratung melden. Dass beides akzeptiert wird, ist nicht selbstverständlich, da Betroffene als erstes in ihrer sozialen Umgebung, ihrem natürlich gewachsenen Umfeld und nicht bei Institutionen Kontakt und Hilfe suchen.

Deshalb geht man bei ESRA äußerst behutsam mit Informationen zur Telefonhotline um: Die Anzahl der bisherigen Kontakte ist zwar bekannt, man möchte aber derzeit noch keine Aussagen dazu machen (die Evaluierung wird ein Jahr nach der Installierung erfolgen). Die bisherigen Erfahrungen mit der in deutscher, englischer und russischer Sprache (bis Ende des Jahres soll hebräisch dazukommen) angebotenen anonymen Telefonberatung, die an vier Tagen in der Woche für zwei Stunden besetzt ist, werden so zusammengefasst: Das Angebot wird (langsam) angenommen und entspricht in der Relation den Erfahrungen und Untersuchungen anderer Beratungen (etwa der Gemeinde Wien Frauen-Hotline) im ersten Jahr des Bestehens einer anonymen Frauenhotline.

Bislang haben sich drei Gruppen von Anruferinnen gemeldet; die erste Gruppe sind „Schweigeanrufe“; bei diesen wird abgetastet, probiert – aber die Anruferin spricht nicht. Das Schweigen kann bis zu einer Stunde oder länger dauern – die Sozialarbeiterinnen von ESRA können damit professionell umgehen. Als zweites melden sich Bezugspersonen; als dritte Gruppe Betroffene selbst. Beim Umgang mit familiärer Gewalt ist laut ESRA die Reaktion und Haltung des näheren und weiteren sozialen Umfelds wichtig. Das bedeutet: artikulieren, darüber sprechen und schreiben, nicht die Ohren verschließen, nicht weggehen, Betroffene nicht stigmatisieren. Weil sein kann, was nicht sein darf.

ESRA Hotline gegen Gewalt in der Familie (MO, DI, DO 10-12 Uhr, MI 15-17 Uhr): 01 / 212 55 18

Webtipp: www.esra.at

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