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Blog und Diskussion

Lindsay Lohan - die Zukunft des Strafens?

Andreas Zembaty - 14.7.2010 08:37

Wegen Trunkenheit am Steuer und Fahrerflucht bei einem Unfall im Jahr 2007 wurde Lindsay Lohan zu zehn Stunden gemeinnütziger Arbeit und – zu Haftstrafe verurteilt – in eine Haftanstalt überstellt. Nach 84 Minuten wurde sie enthaftet. Der Grund: Überfüllung. Nach Nichteinhaltung der Bewährungsauflagen (die elektronische Fußfessel meldete Alkoholkonsum) wurde sie zu einer 90-tägigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Hat das alles irgendetwas mit dem am letzten Freitag vom Nationalrat beschlossenen elektronisch überwachten Hausarrest zu tun? Auf den ersten Blick: nein. Vielmehr ist der künftige Umgang mit elektronischer Überwachung in Österreich angesichts der gelebten Praxis in Amerika zu bedenken. Es gibt 2,4 Millionen Inhaftierte in den USA. Jeder dritte Afroamerikaner war in Haft, jeder sechste Latino; in den Familien dieser Bevölkerungsgruppen kennt also jeder einen, der in Haft war. In Denver Colorado/Cannon City leben 36.000 Menschen. 16 Prozent davon sind in Haft (5.760). Grund: die größte Ansammlung von privaten und öffentlichen Gefängnissen. Darunter das Hochsicherheitsgefängnis Supermax, in dem aus Sicherheitsgründen das Bett, der Sessel und der Tisch in der Einzelzelle aus Beton sind und ein zehn Zentimeter breiter Lichtschlitz die einzige Verbindung zur Außenwelt darstellt. Mit 50 Dollar Monatslohn für arbeitende Häftlinge gelingt es den Privatgefängnissen, erhebliche Gewinne zu machen.

Viele der Sicherheitsbeamten leiden unter diesen Bedingungen – sie entwickeln ein Art Burnout Syndrom (correction fatigue), das mit einem polizeilichen Selbstverständnis auch in der Freizeit und in der Familie einhergeht. In der Alltagskommunikation (auch zu Hause) werden so wie in der Kommunikation mit Häftlingen nur Antworten mit Ja und Nein akzeptiert. Pessimismus und Zynismus herrschen vor. Der Wert von anderen und von sich selbst wird gering geschätzt. Gefühlsäußerungen werden grundsätzlich ausgespart. Isolation und Einsamkeit auch außerhalb der Mauern sind weitere Folgen dieser Erkrankung.

100.000 Personen tragen in den USA eine Fußfessel. Auch für Alkohol am Steuer wird die Fußfessel angewendet, die über den Körperschweiß auch den Verstoß gegen das strikte Alkoholverbot messen und melden kann. Zwölf Dollar pro Tag betragen die Kosten, 18 Dollar werden von den durchwegs privaten Firmen dem Staat verrechnet, die hohen Telefonkosten muss der Proband selbst tragen. Die Probation Officer überwachen die Anwendung und melden Verstöße. Ein anderes Modell in den USA lässt die Fußfessel weg – ein Computer ruft den Probanden zu Hause an und erkennt über ein Stimmerkennungsprogramm, ob er selbst das Gespräch führt und somit auch zu Hause ist. Zusätzlich wird in diesem Programm aber mit Gruppenarbeit Betreuung angeboten. „Die Fußfessel erinnert mich dauernd, was ich falsch gemacht habe, sie sagt mir aber nicht, was ich richtig mache und verbessern kann“ formuliert ein Proband seinen Nutzen aus den Betreuungsprogrammen.

Die Technik allein schafft es nicht, den Sinn der Strafe zu vermitteln. Sie hilft nicht dabei, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Noch dazu wird nach sechsmonatiger Anwendung eine mentale Klaustrophobie bei Probanden beobachtet; selbst in intimen Situationen ist die Fußfessel immer dabei. Auch bei kurzzeitiger Anwendung tritt verstärkt Nervosität und das Gefühl, gedemütigt zu sein, bei den Probanden auf. Auch hier ist ein Betreuungsangebot wichtig, um den Erfolg (nur 14 Prozent Rückfall) abzusichern.

Der österreichische Weg sieht Betreuung vor. Die positiven Erfahrungen mit sozialarbeiterischer Betreuung in den vorangegangenen Modellprojekten haben diese Entscheidung begründet. Lindsay Lohan, offenbar nur in einer wechselseitig kokett angelegten „Betreuung“ durch die Medien, hätte sich wohl auch eine andere Qualität von Betreuung verdient.

Andreas Zembaty ist Pressesprecher von NEUSTART

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

rafael schrieb am 29.07.2010 00:22

ich muss in einen monat eine strafe von 4 monaten antreten aber ich kenne das gefängnis schon und ich will auf keinen fall rein !!!
jetzt habe ich das von der elektronischen fußfessel gehört wollte fragen was muss ich tun um das zu beantragen und wie gross sind meine chancen das ich sie bekomme????
ich werde schauen das ich persönlich zu euch vorbei schaue aber das ihr wisst was mein anliegen ist
lg: lenczowski rafael vieleicht kann mich ja jemand von euch anrufen danke in vorhinaus!!!
bitte helft mir