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Blog und Diskussion

Cybermobbing und Strafrecht 1

Winfried Ender - 21.7.2010 08:55

Mobbing an sich ist keine neue Erscheinung. Das absichtliche und systematische Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen von Personen im Internet oder über das Handy wird Cybermobbing genannt. Neben SMS und E-Mail werden im Internet Foto- und Videoplattformen (zum Beispiel Flickr, YouTube) und Soziale Netzwerke (etwa Facebook) dazu missbraucht. Diese Kommunikationsinstrumente sind mittlerweile unverzichtbarer Alltag von Jugendlichen. Die „neuen“ Medien folgen eigenen Spielregeln, haben eigene Qualitäten und Konsequenzen.

Anders als bei herkömmlichen Formen des Mobbings enden die Belästigungen nicht mit Ende des Schul- oder Arbeitstages und machen auch vor den eigenen vier Wänden nicht Halt. Durch die permanente und immer mobilere Verfügbarkeit von Internet und Handy ist es Jugendlichen nur schwer möglich, solchen Angriffen zu entgehen. Mit einem einzigen Klick kann beispielsweise ein peinliches Foto, eine Beschimpfung, eine Drohung schnell an eine große Anzahl an Empfängern geschickt werden. Einmal veröffentlicht, können solche Inhalte praktisch nicht aus dem Internet entfernt werden.

Die Anonymität (mit falschem Usernamen oder falscher E-Mail-Adresse) ist nur eine scheinbare. Das lässt einerseits die Hemmschwelle für Belästigungen sinken, andererseits kann die Anonymität für zusätzliche Angst und Verunsicherung bei den Opfern sorgen. Was jedoch oft vergessen wird: Jede Aktion im Web (zum Beispiel Chatten, eine E-Mail schreiben, eine Website besuchen, ein falsches Profil anlegen) hinterlässt Spuren. Über die sogenannte „IP-Adresse“ kann der benutzte Computer eindeutig identifiziert und ausgeforscht werden. In Strafverfahren geschieht dies regelmäßig und erfolgreich.

Oft sind beim Cybermobbing die Rollen der „Täter“ und der „Opfer“ nicht ohne weiteres zu trennen. Attacken können als Gegenattacken wiederkehren und so die ursprünglichen Täter zu Opfern werden lassen. Die Beteiligten kennen einander meist im realen Leben oder ahnen bereits, wer dahinterstecken könnte. Da sich diese Art von Mobbing im virtuellen Raum abspielt ist es für Eltern, Lehrer, Ausbildner, Betreuer, die wenig Erfahrung mit Internet und Handy besitzen, ein kaum sichtbares und daher völlig unbekanntes Thema.

Wie schnell beim Cybermobbing die Grenze zum strafrechtlichen Tatbestand überschritten werden kann zeigen unsere Erfahrungen im Tatausgleich und in der Jugendhilfe. Nicht sehr häufig, jedoch regelmäßig haben wir es bei unseren Klienten mit den Tatbeständen Gefährliche Drohung, Beharrliche Verfolgung (Stalking), Nötigung, Pornografische Darstellung Minderjähriger und Verleumdung zu tun.

Aufgrund dieser Erfahrungen und Nachfragen von Schulen und Jugendarbeit haben wir bei NEUSTART Vorarlberg erfolgreich ein Übungsmodul zum Einsatz bei jungen Menschen und Eltern entwickelt. Ziel dieses Moduls ist es, die Wahrnehmungen und das Wissen über Cybermobbing, neue Medien und Strafrecht zu schärfen. Erfasst wird auch, wie relevant die verschiedenen Formen des Cybermobbings in der jeweiligen Gruppe bereits sind (mehr über Cybermobbing und die Ergebnisse unseres Einsatzes mit diesem Präventionsmodul folgt in Teil 2 des NEUSTART weblog im Herbst). Bis dahin: Erst denken – dann klicken.

Winfried Ender ist Leiter von NEUSTART Vorarlberg

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Zu diesem Beitrag gibt es |2 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Michael Pech schrieb am 21.07.2010 14:38

Ich bin ebenfalls sehr begeistert, dass das Thema aufgegriffen wird und bin schon sehr gespannt auf Teil 2. Ich gehöre auch eher zu jener Generation, die den neuen Medien und deren überflutungsartige Verwendung (und Missbrauch) etwas ratlos gegenübersteht und bin aber in der Klientenarbeit zunehmend damit konfrontiert. Orientierungshilfen sind mir sehr willkommen.

Purz schrieb am 21.07.2010 11:05

Find ich toll und hochinteressant, dieses brennende Thema mal zu benennen - ich hatte im vergangenen Jahr, anlässlich einer Infoveranstaltung in einer Schule auch Anfragen bzw. eine Diskussion dazu.
Auch auf KlientInnenseite "schleicht" sich diese Thematik (neue Medien - Cybermobbing) in immer mehr Betreuungen.