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Blog und Diskussion

Fundraising für Underdogs

Mag. Dorit Bruckdorfer - 25.8.2010 10:13

Der in den USA aktuelle Charity-Trend des Big-Spending (Superreiche garantieren schriftlich, dass die Hälfte ihres Vermögens nach ihrem Tod an karitative Zwecke geht) hat sich in Österreich noch nicht etabliert. Im Kommen ist der Privatstiftungsmarkt, der angeblich künftig verstärkt gemeinnützige Projekte unterstützen will. Bislang stammt ein Drittel des gesamten Spendenaufkommens in Österreich von Unternehmen, die sich teilweise auch gerne öffentlich dazu bekennen. Das Pro-Kopf-Spendenaufkommen beträgt in Österreich 67,- Euro. Die meisten Chancen, bespendet zu werden, haben große und bekannte Non-Profit-Organisationen, von denen die 50 größten (laut Spendenbericht 2009 des Österreichischen Instituts für Spendenwesen) im Jahr 2008 mehr als 235 Millionen Euro erhalten haben. Das deckt bei großen NPOs bis zu zehn Prozent ihrer Aufwendungen ab; von einer reinen Finanzierbarkeit durch Spenden ist das immer noch weit entfernt.

NEUSTART liegt im Feld der Spenden sammelnden Organisationen weit abgeschlagen; das mag daran liegen, dass wir vorwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Für solche Organisationen „stellen Spenden eine wichtige Finanzquelle für neue Initiativen dar. Spendenmittel sind ‚Entwicklungsgeld’“, so der Spendenbericht 2009. Im nicht-monetären Spendenbereich geht es uns gut: Wir haben 900 ehrenamtliche Mitarbeiter (mehr als hauptamtliche), die durch ihr Engagement gesellschaftliche Verantwortung leben. Das ist umso beachtlicher, als ehrenamtliche Arbeit etwa für Obdachlose oder Suchtkranke die geringsten Prozentwerte ausweist. Werden wir geldmäßig also in geringem Ausmaß bespendet, weil Straffälligenhilfe, die Arbeit mit Opfern und Prävention als öffentliche Aufgabe gesehen werden? Oder liegt es gar am Spendengrund?

Auf der Skala der Spendenbereitschaft liegen Tierschutz, humanitäre Hilfe und Kinder ganz oben. Für Menschen mit Behinderung, sozial schwache oder kranke Menschen spendet man gerne. Weniger beliebt sind Randgruppen. Die Spendenbereitschaft für Asylanten oder Straffällige hält sich in Grenzen, auf der Spendenskala sind sie ganz unten angesiedelt (ein schwacher Trost: irgendwo nahe davor liegen Menschenrechte, gefolgt von Kunst und Museen). Der gemeinsame Nenner der 100 größten Spendenorganisationen Österreichs lautet „unverschuldete Notlage“; mutmaßlich selbst verschuldete Notlagen sind keine Sympathieträger. Dem könnte man entgegensetzen, dass ja auch die Idee, die hinter einer Organisation steht, unterstützenswert wäre (für ein Leben ohne Kriminalität beispielsweise) – ohne das Betreuungsspektrum der Organisation (vom Opfer im Tatausgleich über den Jugendlichen in der Bewährungshilfe oder bei gemeinnütziger Leistung bis zum Haftentlassenen) irgendwie bewerten zu müssen. Fakt ist, dass Spender ihr Geld lieber in konkrete Projekte und direkte Unterstützung als in administrativen Aufwand (oder gar die Sicherung von Arbeitsplätzen) fließen sehen. Wir haben etliche langjährige und treue Spenderinnen und Spender, die uns – sichtlich aus tiefer Überzeugung der Sinnhaftigkeit unserer Arbeit – unterstützen. Sie tun das, damit das Geld Klienten zugute kommt (von denen viele Kinder haben, die wiederum unverschuldet an einer Notlage mitleiden).

Finanzstarke Organisationen, die ihre Fundraising-Töpfe vergeben, müssen auch ihren Mitarbeitern gegenüber rechtfertigen können, weshalb sie sich für ein Sozialprojekt engagieren. Unpopuläre Themen bedeuten erhöhten Erklärungs- und Kommunikationsaufwand – sowohl nach außen als auch nach innen. Vielleicht schreckt das manche ab. Zum Glück nicht alle, wie die zweiten Sparkassen beweisen: Sie tragen durch die Möglichkeit eines Bankkontos maßgeblich zur Wiedereingliederung unserer Klienten in die Gesellschaft bei. Was uns jedenfalls fehlt ist die österreichische Version von Buffet und Gates (wobei unbekannt ist, ob sie ihr Vermögen in Straffälligenhilfe stecken werden) und die Gunst der österreichischen Unternehmer und Stiftungen.

Die in Deutschland mittlerweile am meisten umworbene Zielgruppe spendensammelnder Organisationen sind die Gerichte und Staatsanwaltschaften. Sie können Geldauflagen zugunsten gemeinnütziger Vereine verhängen; diese erhalten inzwischen 30 bis 70 Prozent der Bußgelder. Justiznahe Dienste (Bewährungshilfe, Straffälligenhilfe, Opferhilfe, Drogenhilfe) liegen mit einem Marktanteil von durchschnittlich 30 Prozent schon weit vorne. Gemeinnützige Organisationen, die sich professionell um die Erschließung solcher Geldquellen bemühen, betreiben „Bußgeldmarketing“. Im restlichen Europa (und auch hierzulande) darf das mangels gesetzlicher Gegebenheiten noch ein Fremdwort sein. Sollte sich das einmal ändern: Die Diskussion ist eröffnet.

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Zu diesem Beitrag gibt es |4 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Mag. Dorit Bruckdorfer schrieb am 15.10.2010 12:38

Nun, der Schluss, Geld statt für Werbung direkt für Klienten auszugeben liegt zwar nahe – doch Kampagnen bieten uns auch die Möglichkeit, mehr Menschen über unsere Arbeit zu informieren und so den Kreis potenzieller Unterstützer zu vergrößern. Ohne die Unterstützung von Werbeagenturen und anderen Organisationen, die uns mit stark reduzierten und somit marktunüblichen Sozialtarifen unsere Kampagnen ermöglicht haben (die – ebenfalls branchenunüblich, weil unfinanzierbar – nur maximal einen Monat lang liefen) hätten wir diese gar nicht durchführen können. Durch die von Ihnen genannten Plakatkampagnen haben wir zum Beispiel neue Ehrenamtliche gewonnen – eine für uns wichtige Form der Unterstützung. Der Slogan „Werbung wirkt“ hat sich nachweislich bestätigt – die Kampagnen haben uns Befragungen zufolge zu Aufmerksamkeit und einer Steigerung des Bekanntheitsgrads verholfen (in den Folgejahren ohne Kampagne ist unser Bekanntheitsgrad wieder gesunken). Wir befinden uns mit dieser Strategie in guter Gesellschaft mit anderen NPOs, die in ihrer Werbetätigkeit allerdings viel aktiver als wir unterwegs sind.

Egon Rivera schrieb am 05.10.2010 10:42

Wenn ihre Firma soviel Geld für "Werbeplakate" wie die mit den Schafen (schwarze und weisse), der Gewalt, den Nackten (frau/mann) etc aufbringt, wie sollte da jemand auf die Idee kommen, daß für ihre zu Betreuenden Geld fehlt?

Dorit Bruckdorfer schrieb am 13.09.2010 15:30

Danke für Ihr Lob, das freut uns natürlich. Es stimmt, dass wir überwiegend aus Mitteln des Bundes finanziert werden. Gerade dort, wo es um rasche und unbürokratische Überbrückungshilfen für Klienten in Krisen geht, sind wir aber auf Spendengeld angewiesen; etwa für Lebensmittelgutscheine oder Notunterkünfte. Damit können oft genug Rückfälle verhindert werden. Unter http://www.neustart.at/AT/de/Mithilfe/Spenden/ gibt es übrigens auch die Möglichkeit, online zu spenden...

Thomas Sturm schrieb am 10.09.2010 15:23

Ich wußte gar nicht, daß Neustart auch Spenden sammelt, sondern bin davon ausgegangen, daß es sich dabei um eine staatlich finanzierte Organisation handelt. Vielleicht sollte der Verein in dieser Richtung aktiver sein.
Ich finde Neustart ist eine toller Verein mit kompetenten und engagierten Mitarbeitern...