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Haft: Kinder brauchen ihre Eltern

Mag. Klaus Priechenfried - 20.10.2010 09:19

Zwei von drei Söhnen von Vätern, die in Haft sind, werden später einmal selbst Hafterfahrungen machen. Das geht aus einer Studie hervor, die dem britischen Parlament vom Prison Reform Trust vorgelegt wurde. Deshalb wird bessere Unterstützung für die Kinder und die Familien von Inhaftierten gefordert; und – bei Familien, die trotz der Haft des Vaters zusammen bleiben wollen – ausreichend Kontaktmöglichkeiten zur emotionalen Aufrechterhaltung des Familienzusammenhalts.

Sicherlich gilt auch hierzulande, dass die Kontakte zur Familie extrem leiden unter der Trennung und der mangelhaften Qualität der Besuchsmöglichkeiten. Angehörige müssen oft sehr lange Fahrzeiten auf sich nehmen, weil die Insassinnen und Insassen weit weg von zu Hause untergebracht sind. Das gilt ganz besonders für Frauen. Sie werden in einer Anstalt im südöstlichen Niederösterreich untergebracht – egal, wo ihre Angehörigen leben. Außerdem ist die Besuchszeit kurz; der länger dauernde Familienbesuch, der auch intensivere Kontakte zulässt, wird selten gewährt. Üblicherweise sitzt man am Tisch in der Besucherzone und spricht. Es gibt keinen Spielplatz für Kinder, keine Entspannung, keine Familienatmosphäre.

In Norwegen, Dänemark und Schweden gibt es eigene Unterbringungen, in denen die Familie gegen Ende der Haft (in einem speziellen Freigangsmodell) wieder gemeinsam mit dem Insassen wohnen kann. Damit wird die Familie stabiler und gibt sowohl den Kindern den nötigen Halt als auch den ehemaligen Straftätern die Chance, ein neues Leben gemeinsam mit ihrer Familie zu beginnen. Der Übergang zum Leben nach der Haft geht fließender und das Rückfallsrisiko sinkt; denn wir wissen aus der Forschung, dass Personen dann aus der kriminellen Karriere aussteigen, wenn sie wertvolle soziale Beziehungen haben, die sie verlieren würden.

Wir können also die Weitergabe von problematischen Verhaltensweisen von den Vätern auf die Söhne in den meisten Fällen nicht durch Trennung der Familie, sondern durch Unterstützung von Familien, die auch während der Haft Kontakt halten wollen, erreichen. Dazu braucht es aber die Infrastruktur für längere Besuche in den Anstalten und begleitende Unterstützung für die Familie.

Mag. Klaus Priechenfried ist Leiter des Zentralbereichs Sozialarbeit bei NEUSTART und Leiter von NEUSTART Wien 5

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Zu diesem Beitrag gibt es |4 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Dr. Margarete Aulehla schrieb am 18.01.2011 12:56

Lieber Herr Magister Priechenfried,
danke für Ihre, noch dazu rasche, Reaktion.
Mein Standpunkt ist immer noch, dass die Haft an sich die Ursache des Übels ist. Hier gehört bei der Konzeption des Bestrafungs- bzw. Rsozialisierungssystems angesetzt, und hier ist der beste Präventionsansatz gegen diese furchtbare Proliferation der Haftquoten durch die famliären Generationen zu sehen.
Alles weitere ist Kosmetik.
Freundliche Grüße,
Margarete Aulehla

Klaus Priechenfried schrieb am 18.01.2011 11:10

Liebe Frau Dr. Aulehla!
Herzlichen Dank für Ihre Antwort und Ihren Zuspruch in dieser Sache. Leider muss ich zugeben, dass ich auf der Suche nach dem Originalzitat nun auch erfolglos war, ich hatte es damals von einen Vortrag von Tom Schuller, der mir die Originalquelle zeigte. Es habndelte sich um eine Internetquelle des Prison Reform Trusts. Leider habe ich es nicht gespeichert und es dürfte derzeit nicht online sein. Tom Schuller ist ein Experte für lebenslanges Lernen und setzt sich dafürein, dass auch Randgruppen Bildungsmöglichkeiten erhalten, die ihren Bedürfnissen angepasst sind. Er ist Autor eines Standardwerks in diesem Bereich ("Learnig through life")
Aber auch ohne diesen letzten Beweis wieder zu beschaffen kann man schon sagen, dass alle ExpertInnen in diesem Punkt einig sind: Familiärer Zusammenhalt, oder etwas genereller formuliert, wertvolle persönliche Beziehungen sind ein wichtiger Faktor bei der Resozialisierung und schützen vor Rückfall. Diese Beziehungen müssen gefördert und erhalten werden wenn schon die Haft notwendig zu sein scheint, das ist in unserem Interesse, wenn wir keine weitere Kriminalität produzieren wollen. Es gibt Länder in denen die Insassen für die Familienbesuche ganze Tage und mehr bekommen, wobei die Haftanstalten dann ausreichend vorbrereitet sind und Spielplätze und normale Zimmer vorsehen. Davon gibt es bei uns noch viel zu wenig.
Mit freundlichen Grüßen!
Klaus Priechenfried

Dr. Margarete Aulehla schrieb am 17.01.2011 20:24

Wie heißt diese Studie mit Titel und wo kann ich sie im Internet finden? Ich war auf der Seite des Prison Reform Trust , doch vergeblich.
Die Schaffung einer verbesserten Infrastruktur, um Famiilienbeziehungen auch in Zeiten von Haft zu erhalten, ist längst überfällig. Art. 8 EMRK legt auch für Österreich rechtsgültig fest, dass das Recht auf Achtung des Familienlebens zu schützen ist.
Wie in diesem Artikel geschildert, sind die gegenwärtig vorhandenen Einrichtungen (noch) nicht in der Lage, eine würdige Aufrechterhaltung famliärer Beziehungen im Rahmen der Haft zu gewährleisten.
Erschreckend das Ausmaß, in dem auch Söhne von Vätern, die in Haft sind, später von eigener (Delinquenz) und Strafhaft betroffen sein werden.
Wenn man bedenkt, dass Kinder und ugendliche heute über Netzwerke wie Facebook regelmäßig mit einer großen Zahl von FreundInnen kommunizieren und dort auch ihre Alltagssorgen deponieren, so erweist sich, dass die Zahl der von einer Haft mitbetroffenen Kinder eweils gigantisch sein kann.
Schreibt sich eine ugendliche ihre Bedrückung durch die ungünstige Familiensituation, die durch die Haft ausgelöst wird, auf der Facebookwall von der Seele, so werden diese vielleicht nur wenigen Worte umgehend vom FB-System an hunderte FreundInnen weitergeleitet. Es ist zu vermuten, dass das Schädigungsausmaß bei eder Haft auf diese Weise sehr groß ist.
Das sollte in generalpräventiver Überlegungen hinsichtlich der Entscheidung für eine bedingte oder unbedingte Haftstrafe einfließen.
Die spezialpräventive Funktion von Gefängnisstrafen wird durch die in vielen Fällen vorliegende psychosoziale Hilfsbedürftigkeit mehr als in Frage gestellt. Die Resozialisierungschancen werden durch solche Maßnahmen nur verschlechtert.
Man sollte sich einmal etwas anderes einfallen lassen, um Straftäter zu "bessern" und ihne nund ihren Familien eine positivere Zukunftsprognose zu gewährleisten. Famlienbesuch in der Haft ist zwar schon etwas, genügt aber nicht.

Michael Pech schrieb am 21.10.2010 20:00

Lieber Klaus, gut dass Du das Thema aufgegriffen hast, ich stimme Dir voll zu. Die Frage ist, wo man das Anliegen deponieren kann, dass es auch umgesetzt wird. Unterschriftenliste ans Justizministerium?

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