Cookies akzeptieren
Wir verwenden Cookies für eine optimale Nutzererfahrung, Media Sharing und um Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr darüber erfahren

Tipps für heikle Situationen

Hier finden Sie viele Informationen und Antworten, wenn eine Angehörige oder ein Angehöriger von Ihnen einer kriminellen Handlung beschuldigt oder verurteilt wurde, wenn Sie gerade aus der Haft entlassen worden sind oder wenn Sie Opfer von Kriminalität geworden sind.

Online-Beratung

Sie können alle Ihre Fragen an die NEUSTART Online-Beratung stellen. Bitte erklären Sie kurz den Hintergrund Ihrer Frage und geben Sie den Wohnort und das Bundesland an. Es ist nicht notwendig, dass Sie Ihren Namen angeben – wir antworten auch gerne auf anonyme Anfragen.

Blog und Diskussion

Sozialnetz-Konferenz - finde selbst die Lösung

Susanne J. Pekler - 21.11.2012 07:55

Institutionelle Systeme tendieren dazu, Entscheidungen ohne die Betroffenen zu treffen. Bei Conferencing-Modellen geht es um die Einbindung der Betroffenen und ihrer sozialen Umwelt. In der Bewährungshilfe soll mit dieser Methode das Repertoire für Jugendliche und junge Erwachsene erweitert werden. Vorbild ist „Family Group Conferencing“ mit Ursprung in Neuseeland, wo sich das konventionelle Justiz- und Sozialsystemals ungeeignet für die Lösung der Probleme der eingeborenen Bevölkerung herausgestellt hat. Mittlerweile wird dieser Ansatz in einigen europäischen Ländern (England, Irland, Niederlande, Deutschland) in unterschiedlichen sozialen Bereichen mit Erfolg praktiziert.


Eine Sozialnetz-Konferenz eignet sich besonders für alle Probleme, wo es um Inklusion und Integration geht: also um den Übergang von Haft in Freiheit, den Übergang zur Selbstständigkeit, den Übergang in das Arbeitsleben. Eine Sozialnetz-Konferenz kann auch für einen Plan zur Wiedergutmachung und Aussöhnung unter Einbindung des Opfers und dessen Unterstützern einberufen werden, wenn das Opfer das möchte. Die Vorteile dieser Methode liegen einerseits in der Aktivierung von Familie, Freunden und Bekannten des Klienten (also des Sozialnetzes) und andererseits in der Stärkung des Klienten, da ihm die Lösung seiner Probleme mit Hilfe seines sozialen Umfelds selbst zugetraut und nicht von externen Experten vorgeschlagen oder vorgeschrieben wird. Der Klient lädt – mit Unterstützung eines NEUSTART Koordinators – alle Personen zur Konferenz ein, die ihm wichtig sind. Die Sozialarbeiter stellen die Problemlage dar und informieren, dann erarbeitet der Klient mit seinem sozialen Netz einen Plan für die Problemlösung. Dieser wird dann den Fachkräften präsentiert, allenfalls adaptiert (die Lösung muss natürlich auch für die professionelle Sozialarbeit akzeptabel sein) und anschließend umgesetzt; die Einhaltung der Vereinbarung wird überprüft.


Kollegen aus Deutschland und den Niederlanden haben uns im Vorfeld über Stolpersteine und Mühsal bei der Implementierung der „Conferencing-Methode“ berichtet. So zeigte sich etwa, dass viele Klienten durch jahrelange Betreuungserfahrungen in unterschiedlichen Institutionen „verlernt“ haben, selbst Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und sich maßgeschneiderte Lösungen von außen a la „Supernanny“ wünschen, wie sie es aus dem Fernsehen kennen.


Bis Herbst 2013 sollen in der Steiermark, Kärnten, Oberösterreich und Wien je 15 Konferenzen durchgeführt und evaluiert werden. Um Fälle zugewiesen zu bekommen haben NEUSTART Koordinatoren in den letzten Monaten hauptamtliche wie ehrenamtliche Kollegen eingebunden, Richter und Staatsanwälte über das Projekt informiert und dabei Indikation, Methode und Ablauf dargestellt. Die Resonanz war durchaus positiv; wir stellen aber auch Skepsis und eine gewisse Zurückhaltung bei den Fachkräften fest. Das ist nur natürlich, wenn neue Wege beschritten werden – trotzdem wünschen wir uns etwas mehr Mut bei Zuweisungen, denn nur durch Praxis können Erfahrungen gemacht werden.


Bisher konnten fünf Klienten für die Idee einer Konferenz gewonnen werden. Wichtige Voraussetzungen seitens der Klienten scheinen zu sein: die eigenen Probleme wahrzunehmen und dazu stehen zu können sowie den Mut zu haben, Familie und Freunde um Hilfe und Unterstützung zu bitten.


Susanne J. Pekler ist Leiterin von NEUSTART Steiermark

Zurück zur Übersicht

Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

Ihre Meinung zählt

Wir freuen uns über Ihren Kommentar zu diesem Blogeintrag

Kommentare zu diesem Beitrag:

Roland Schmidt schrieb am 09.12.2013 10:30

Eine erfolgversprechende Vorgangsweise! Es wäre schön, eine Internet-Quelle mit einer detaillierteren Beschreibung darüber zu erhalten. Danke für den Blog
Roland Schmidt, www.LIVE-mediation.com