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Blog und Diskussion

Mehr Mut zu Zivilcourage im Online-Diskurs

Mag. Laura Roth Bakk. phil. - 29.5.2019 07:44

Das Klima in den sozialen Medien wird rauer. Schuld sind Hass-Postings, Verschwörungstheorien und Menschen, die Fake News in Umlauf bringen. Menschen, die Dinge teilen, die ihnen selbst am sprichwörtlichen Stammtisch schwer von den Lippen gehen. Das klingt plausibel, ist es aber nur bedingt: Es ist zwar einfach, mit dem Finger auf andere zu zeigen, doch in Wahrheit sind wir alle mitverantwortlich für die Gesprächskultur im Netz.

 

On- und offline kochen die Emotionen hoch, wenn die Meinungen auseinandergehen. Beleidigungen, Anschuldigungen und Falschaussagen sind die Folge. Der große Unterschied: Online liest ein Personenkreis mit, dessen Ausmaß nur schwer zu fassen ist. Ein Personenkreis, der verhetzende Aussagen still verfolgt, kommentiert oder teilt und so zum Multiplikator wird. Bestehend aus Menschen, die womöglich leicht zu beeindrucken und im schlimmsten Fall empfänglich für extremistisches Gedankengut sind. Der Schneeball beginnt zu rollen. Um ihn aufzuhalten ist auch im Internet Zivilcourage gefragt. Nicht zuletzt, um aufzuzeigen, dass es zum Streitthema auch andere Meinungen gibt.

 

Hass mit Hass zu begegnen ist der falsche Weg. Es gibt Alternativen: etwa Gegenrede (Counter Speech). Dabei werden Hass-Posterinnen und -Poster aktiv konfrontiert und ihre Falschaussagen sachlich widerlegt. Sie geraten in Erklärungsnot und ihre Postings verlieren an Wirkung. Das Ziel ist dabei nicht, sie umzustimmen, sondern stille Mitlesende zum Nachdenken zu bringen und Betroffenen solidarisch zu Seite zu stehen. Es ist außerdem wichtig, hasserfüllte Inhalte direkt an das jeweilige Netzwerk zu melden, die Urheberinnen und Urheber zu blockieren und Meldestellen einzuschalten. Strafrechtlich relevante Inhalte können bei jeder Polizei-Dienststelle zur Anzeige gebracht werden. Dafür empfiehlt es sich, im Vorfeld so viele Beweise wie möglich zu sammeln (Screenshots).

 

Damit es aber gar nicht erst soweit kommt und die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Hetze überschritten wird, müssen wir alle unsere Verantwortung als mündige Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Online-Diskurs wahrnehmen. Das gilt auch für Seiten-Betreibende wie NEUSTART. Es liegt an uns, Konflikte sachlich zu moderieren, die Meinungsfreiheit aller Beteiligten zu respektieren und angemessen zu reagieren, wenn Grenzen überschritten werden.

 

Webtipps
Strategien für Counter Speech
Hass im Netz melden
NEUSTART Pilotprojekt Dialog statt Hass

 

Mag. Laura Roth Bakk. phil. ist zuständig für Social Media bei NEUSTART

 

 

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