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Blog und Diskussion

Schulsozialarbeit als wirksame Form der Gewaltprävention

Jürgen Kaiser MBA - 8.5.2019 10:04

Verstörende Bilder kursieren derzeit in den sozialen Medien. In einer berufsbildenden höheren Schule in Wien kam es offenbar seit längerem zu massiven Provokationen einem Lehrer gegenüber, die schließlich in einem Eklat endeten. Wer den Konflikt ausgelöst hat und in welcher Form er stattgefunden hat kann hier nicht beurteilt werden. Tatsache ist, dass der beteiligte Schüler laut Medien von der Schule suspendiert wurde. Der beteiligte Lehrer wurde von der Klasse abgezogen und befindet sich im Krankenstand. Zusätzlich wurde von der zuständigen Stelle eine Kommission eingerichtet, die Umstände und Hintergründe dieses Konflikts klären soll.

 

In Medien und Politik wird der Vorfall breit diskutiert, skandalisiert und Schuldige werden gesucht. Verlässlich werden (wie oft bei derartigen Anlässen) sogenannte Bootcamps für gewalttätige Schülerinnen und Schüler gefordert. Die gewaltpräventive Wirksamkeit solcher Bootcamps wird wissenschaftlich angezweifelt. NEUSTART fordert deshalb schon lange flächendeckende Angebote von Schulsozialarbeit. Kinder und Jugendliche verbringen einen wesentlichen Teil ihrer Zeit in der Schule. Ihre Kontakte mit Gleichaltrigen basieren häufig auf Bekanntschaften in der Klasse oder in der Schule. Diese sozialen Gefüge spielen eine Rolle bei der Herausbildung positiven Sozialverhaltens. Sie können aber auch auf die Entstehung von Gewalt und Delinquenz Einfluss nehmen.

 

Schulsozialarbeit unterstützt Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrerinnen und Lehrer, bei der Bewältigung problematischer Situationen. Sie wirkt gewaltpräventiv durch Hilfe zur schulischen, außerschulischen und familiären Integration von auffälligen Schülerinnen und Schülern. Schulsozialarbeit unterstützt das familiäre Umfeld bei der Bewältigung schulischer Probleme und Krisen durch Krisenintervention. Wichtig dabei wäre die möglichst durchgehende Anwesenheit von Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern während der Schulwoche, um ausreichende niederschwellige Unterstützung anbieten zu können. Dadurch würde gewährleistet, dass sowohl Schülerinnen und Schüler, deren Eltern oder das Lehrpersonal die Zuständigen für Schulsozialarbeit unkompliziert ansprechen können.

 

Eine wichtige Aufgabe der Schulsozialarbeit ist, mit passgenauen Angeboten auf verschiedene Problemlagen im Schulalltag zu reagieren. Im gegenständlichen Fall wäre eine Möglichkeit gewesen, sich mit dem betroffenen Lehrer und der Klasse frühzeitig zusammenzusetzen, um mögliche Konfliktursachen zu klären. Mit einer Mediation können neue konstruktive Umgangsformen miteinander entwickelt werden. Dabei lernen Schülerinnen und Schüler Stellung zu beziehen, wenn sie mit antisozialem Verhalten von Mitschülerinnen und Mitschülern nicht einverstanden sind. Konstruktive und prosoziale Konfliktlösungsstrategien werden entwickelt und in ihren Alltag integriert.

 

Jürgen Kaiser MBA ist Leiter des Zentralbereichs Sozialarbeit von NEUSTART

 

 

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Daniela Himmelsbach schrieb am 09.05.2019 10:26

Die Finanzierung einer flächendeckenden Schulsozialarbeit ist sicherlich nicht einfach, der Mehrwert für die Gesellschaft wäre jedoch enorm. Ich bin selbst in der Schulsozialarbeit tätig, die Schülerinnen und Schüler nutzen das Angebot gerne. Durch die permanente Gruppensituation im Unterricht kommt es häufig zu Überforderungen, sowohl von Seiten der Lehrerinnen und Lehrer, als auch auf Schülerebene. Wenn es Möglichkeiten einer Aus-Zeit gibt, wo Konflikte besprochen werden können und abseits einer Schuldsuche eine konstruktive Lösung erarbeitet werden kann, so ist dies ein Gewinn für die unmittelbar Beteiligten, aber auch für das Umfeld der beteiligten Personen. Die Chance durch informelles Lernen im Rahmen der Schulsozialarbeit eine Konfliktlösungskompetenz zu erwerben ist nicht zu unterschätzen und präventiv.

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