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Blog und Diskussion

Hass in der Gesellschaft

Nikolaus Tsekas - 10.4.2019 08:08

Es ist schwer, sich mit anderen Meinungen intensiv auseinanderzusetzen, eine eigene Sichtweise zu entwickeln und diese dann zu äußern. Die Äußerung freier Meinung ist ein verbrieftes Recht in unserer demokratischen Gesellschaft. Für dieses Recht haben viele Generationen großen Einsatz gebracht. Diese Meinungsäußerung muss aber in einer Art und Weise kommuniziert werden, die nicht zur Abwertung einer Person oder einer Gruppe von Personen führt.

 

Die Grenzziehung fällt vielen Menschen schwer, weil Emotionen die Haltung beeinflussen. Wir werden mit Informationen überflutet, das gesellschaftliche Zusammenleben ist komplex. Vorbehalte und Abwertungen nehmen zu, ebenso die Polarisierung. Auf der einen Seite gibt es eine große Offenheit für unterschiedliche Lebensformen und auf der andern Seite dominieren in der öffentlichen Diskussion einfache Zuschreibungen nach Gut und Böse. Falschnachrichten zu erkennen wird zunehmend schwieriger. Je nach persönlicher Werthaltung suchen wir uns aus der Fülle das für uns Passende heraus.

 

NEUSTART arbeitet seit vielen Jahren mit Menschen und begegnet ihnen mit Achtung und Respekt, ohne Taten zu verharmlosen oder zu bagatellisieren. Diese Erfahrungen haben uns gezeigt, dass wir bei jedem Menschen einen individuellen Weg zur Vermeidung von Hass und damit möglicher neuerlicher Straffälligkeit finden müssen. In unserem Projekt Dialog statt Hass arbeiten wir konkret mit Personen, die das Delikt der Verhetzung in sozialen Medien begangen haben. Wir stellen fest, dass die intensive Auseinandersetzung mit der Reflexion des eigenen Verhaltens zur nachhaltigen Verhaltensänderung führt.

 

Die Verpflichtung, gegen Hass aufzutreten, verlangt Zivilcourage und eine strafrechtliche Reaktion auf Gesetzesbruch. Die Sanktion muss sozial konstruktiv sein, denn nur dann können wir die Menschen erreichen. Dieser Weg ist aufwändiger und intensiver als bloße Strafe. Dennoch: Die Reaktion auf Hass muss der Dialog sein.

 

Nikolaus Tsekas ist Leiter von NEUSTART Wien 1

 

 

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