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Blog und Diskussion

Cybermobbing und Strafrecht 2

Winfried Ender - 21.12.2010 08:37

Schüler einer berufsbildenden Schule posteten das Foto einer angeblich unbeliebten Lehrerperson auf Facebook, wo diese von anderen Schülern beschimpft wurde. Der Direktor erfuhr davon und griff ein. Die Seite wurde gelöscht, alle Beteiligten erhielten Verwarnungen, Verweise beziehungsweise wurden in andere Klassen versetzt. Die betroffene Lehrerperson wurde informiert, dass sie beleidigt worden war, aber nicht, von wem. Sie verzichtete auf eine Anzeige wegen Beleidigung. Der Direktor organisierte innerhalb einer Woche nach Bekanntwerden einen Nachmittag zur Aufklärung und Prävention. Die Staatsanwaltschaft verwies den Direktor an NEUSTART und er fragte an, ein einstündiges Modul zum Thema Cybermobbing dreimal hintereinander (drei Mal 50 Schüler) durchzuführen. Aufgrund der spezifischen Anforderungen des Anlassfalls haben wir, basierend auf realen Fällen unserer eigenen Praxiserfahrung aus Tatausgleich und Jugendhilfe, ein Modul entwickelt, das sich den strafrechtlichen Risiken widmet. Ziel dieses Moduls ist es, das Wissen dafür zu schärfen, wo im Umgang mit neuen Medien mögliche strafrechtliche Risiken vermieden werden können.

Zur Vorbereitung erhoben wir, inwieweit einzelne Tatbestände bereits relevant sind an der Schule. Nach einer kurzen Einführung mit Bezug auf den Anlassfall ging es gleich in die Übung. Die Schüler füllten anonym ein Arbeitsblatt mit Fallbeispielen aus. Es sind dies Beschimpfungen und Unflätigkeiten (ohne strafrechtliche Relevanz), Drohungen via E-Mail oder SMS, beharrliche Belästigung mit SMS (Stalking), Beleidigung, Weitergabe von intimen Fotos der Ex-Freundin (pornografische Darstellung Minderjähriger) et cetera.

Zu jedem angeführten Sachverhalt ist anzukreuzen, ob man es für eine strafbare Handlung hält, ob es einem selbst schon passiert ist, ob man dies selbst einmal getan hat und ob es an der Schule schon vorgekommen ist. Nach dem Einsammeln der Arbeitsblätter wurden die Lösungen vorgestellt, Fragen beantwortet, die möglichen Konsequenzen erörtert und die Opferperspektive herausgearbeitet. Die sehr angeregten Diskussionen bei den Lösungsvorstellungen und die Auswertungen zeigten ein relativ hohes Wissen über das, was strafbar ist und was nicht. Allerdings waren auch alle präsentierten Sachverhalte – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß – relevant für die Schüler und diese Schule.

Weitere, für die Hauptzielgruppe Jugendliche sehr relevante Themen, wie zum Beispiel der Schutz der eigenen Privatsphäre durch verantwortungsvolles Veröffentlichen von Inhalten (etwa richtige Profileinstellungen bei sozialen Netzwerken wie Facebook), Ausschluss aus Freundeslisten oder Gaming Communities, Fragen des Urheberrechts (Recht am eigenen Bild, Filesharing) und des Identitätsdiebstahls werden im Arbeitsblatt nicht berührt. Diese Fragen kommen aber bei solchen Veranstaltungen wie das Amen im Gebet, und dafür sollte man vorbereitet sein. Denn die Nutzung von Web 2.0 („Mitmach-Internet“) ist längst zum Mainstream bei Jugendlichen und Teil ihrer Lebenswelt geworden; und damit auch ein Teil der Lebenswelt unserer Klienten.

Noch vor wenigen Jahren waren es unterschiedliche lokale Chatrooms, wo man einander traf, dann erste nationale und internationale Plattformen wie U-Boot und SchülerVZ. Und jetzt scheinen Facebook und Twitter omnipräsent und dominierend. What’s next? Wie auch viele Lehrer und Eltern sehen wir bei NEUSTART in diesen rasanten Entwicklungen im Kommunikationsverhalten unserer Zielgruppe (oder dem der eigenen Kinder) eine Herausforderung. Ein klassischer Fall von Generationenkluft. Wir über 45-jährigen gehören oft – und in Sachen Web 2.0 sicher – zu den typischen Nachzüglern („laggards“) bei der Adaption von Innovationen (Everett M. Rogers, „Diffusion of Innovations“, 1962, 2003); die Jungen sind in der Regel die „early adaptors“ oder die „innovators“.

Der erste Teil dieses Blogs ist am 21. Juli 2010 erschienen.

Winfried Ender ist Leiter von NEUSTART Vorarlberg

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Isabell schrieb am 10.02.2011 00:53


Interessanter Artikel. Bin leider selbst schon Opfer von Cybermobbing geworden, das ist nicht schön.