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Blog und Diskussion

We will never forget'

Alfred Kohlberger - 15.5.2011 09:27

So wurde der amerikanische Präsident Barack Obama in verschiedenen Medien nach der Tötung von Osama bin Laden zitiert. Wir vergessen niemals! Angesichts des Dramas, das sich rund um 9/11 abgespielt hat, eine Reaktion, der durchaus Verständnis entgegengebracht wird.

Ende vergangener Woche brachten die Oberösterreichischen Nachrichten das Ergebnis einer Umfrage zu diesem Thema: An die 60 Prozent hielten die Tötung von Osama bin Laden für gerechtfertigt. Der Rest hielt die Tötung für nicht legitim beziehungsweise hatte keine Meinung dazu. Eine andere Zeitung wiederum hat eine Befragung von Angehörigen von Opfern des Terroranschlags auf das World Trade Center in New York gebracht – niemand dieser Befragten verspürte Erleichterung oder Genugtuung.

Gemischte Gefühle also, die sich hier auftun. Mit dem Abstand von mehr als einer Woche haben sich meine Gefühle zu dieser Sache geklärt. Aus meiner Sicht kann ein Satz wie „wir vergessen niemals" nichts zur Bewältigung von Konflikten beitragen. Auch nichts dazu, einen zivilisierten, humanen oder lösungsorientierten Umgang mit Konflikten oder abweichendem Verhalten zu fördern.

Natürlich sind so banale Konflikte wie ein tätlicher Streit um einen Parkplatz (wie er zum Beispiel in unserem Tataugleich immer wieder einmal vorkommt) und der Wahnsinn des Anschlags in New York (oder andere Terroranschläge) nicht vergleichbar. Aber der Grundsatz ist der gleiche. Die Lösung des Konflikts, des Streits beginnt jedenfalls woanders. Die Lösung beginnt auch nicht mit Vergessen, sondern mit der Auseinandersetzung über die Ursachen. Rachegefühle sind dabei jedenfalls ein schlechter Ratgeber.

Alfred Kohlberger ist Leiter von NEUSTART Oberösterreich

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Zu diesem Beitrag gibt es |2 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Alfred Kohlberger schrieb am 13.05.2011 10:12

Lieber Klaus,
ich stimme in weiten Bereichen mit dir überein. Nur habe ich meine Zweifel, ob sich dieses "We´ll never forget" von Präsident Obama nicht in erster Linie an die Rachegefühle wendet. Weil bei der Herstellung von Recht geht es aus meiner Sicht nicht darum, sich auf die gleiche Stufe wie Verbrecher zu stellen. Deshalb denke ich, dass das System des Gegenschlages letztendlich zu keiner Lösung führen wird. Ich bin hier vielmehr dem Gedanken verpflichtet, dass ausschließlich ein Prozess vor unabhängigen Gerichten diese Spiralen stoppen kann.
Alfred Kohlberger

Klaus Binder schrieb am 13.05.2011 07:21


"Forgiveness doesn't mean forget what happened ... If something is serious and it is necessary to take countermeasures, you have to take countermeasures." (Dalai Lama, 3.Mai 2011 zum Tod von Osama bin Laden)
Völlig richtig, Rachegefühle sind ein schlechter Ratgeber und schaffen selten Gerechtigkeit. Simon Wiesenthal sagte, bei der Verfolgung der Naziverbrecher geht es um Recht und nicht um Rache. Gleichzeitig postuliert er für dieses einmalige Verbrechen in der Geschichte der Menschheit ein „Niemals vergessen“.
Vergeben und Mitgefühl kann ich dem Täter entgegenbringen, die destruktive Tat muss aber abgelehnt werden und es muss versucht werden Gerechtigkeit wiederherzustellen. Desto größer das verursachte Unrecht ist, desto tiefer wird es sich in das Gedächtnis der Opfer und der Zeugen eingraben. Verbrechen im Ausmaß von 9/11 oder dem Mord an 8000 Bosniaken 1995 in Srebrenica fordern stärkere Reaktionen als nur die Auseinandersetzung mit den Ursachen der Tat. Ob in Ruanda oder Ex- Jugoslawien, für die Opfer war und ist es unendlich wichtig, dass das Unrecht und Leid, das ihnen zugefügt wurde, nicht vergessen wird und die Täter mit den von ihnen begangenen Verbrechen konfrontiert und bestraft werden.
Obamas „We will never forget“ appelliert nicht an niedrige Rachegefühle. Es soll Opfer und Täter erinnern, dass die abscheulichen Verbrechen, deren Initiator Osama bin Laden war, auch nach Jahren nicht vergessen sind. Wäre es anders gemeint, der Dalai Lama hätte sicher nicht die Eingangs zitierte Aussage getätigt.
Klaus Binder Sozialarbeiter Neustart / Einrichtung OÖ