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Blog und Diskussion

Glück zur Abschreckung von Kriminalität und Drogensucht

Mag. Klaus Priechenfried - 24.8.2011 07:47

Beim kürzlich abgehaltenen Meeting der Amerikanischen Soziologischen Gesellschaft in Las Vegas (22.8.2011) stellte Bill McCarthy von der Universität Kalifornien eine Arbeit mit dem Titel: „Get Happy! Positive Emotion, Depression and Juvenile Crime” vor (übersetzt: „Werde glücklich! Positive Emotion, Depression und Jugenddelinquenz“). Die Forschungsergebnisse sind nicht sehr überraschend, da sie aber empirisch fundiert vorgetragen werden, sind sie eine Erwähnung wert.

Es wurden 15.000 Jugendliche in die Studie einbezogen, damit gehört die Studie zu den größten unserer Zeit. 29 Prozent der Beteiligten gaben an, mindestens eine Straftat begangen zu haben, 18 Prozent gaben Kontakt mit illegalen Drogen zu. Die Auswertung der Daten und Interviews zum Verlauf ihres Lebens ergaben folgendes Hauptergebnis: Alle Bemühungen, die bewirken, dass Kindheit und Jugend glückliche Zeiten sind, tragen nachweislich zur Verhinderung von künftiger Kriminalität und Drogensucht bei!

Bislang wurden sehr häufig negative Emotionen und ihre Rolle bei der Auslösung von delinquentem Verhalten untersucht. Es gibt noch keine Untersuchungen, welchen Einfluss positive Emotionen haben. Die positivste Emotion, nämlich Glücklichsein (Happiness), und ihr Einfluss auf das Handeln wurde im Verlauf der 15.000 Lebensgeschichten genauer studiert. Das Ergebnis ist eindeutig, die sehr lebensnahe Hypothese wird von den Daten bestätigt. Die positiven Effekte der Glücksgefühle (die laut Studie einhergehen mit starken Beziehungen zu anderen Menschen und mit einem positiven Selbstbild) bewirken, dass sich Einstellungen und Handlungen auf sozial förderliche Weise entwickeln. In der Folge werden Handlungsentscheidungen getroffen, die wiederum sozial orientiert sind und ihrerseits positive Emotionen befördern.

Ein weiteres Ergebnis zeigt, dass der Wechsel von Emotionen im längeren Verlauf ebenfalls einen Einfluss auf die Delinquenzentwicklung hat. Nimmt im Jahresverlauf das Glücksgefühl beständig ab oder zu, so steigt oder sinkt die Delinquenzneigung auch unabhängig vom Ausgangsniveau. Glück ist also eine Abschreckungsstrategie, die wirksam Delinquenz verhindern kann. Damit wird einmal mehr gezeigt, dass frühzeitig einsetzende und in der ganzen Kindheit und Jugend anhaltende Präventionsarbeit ein wirksames Mittel ist, um später Katastrophen zu vermeiden. Machen wir uns daran, diese Strategie umzusetzen!

Quelle (23.8.2011): http://www.sciencedaily.com/releases/2011/08/110822091859.htm

Mag. Klaus Priechenfried ist Leiter von NEUSTART Wien 2

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Zu diesem Beitrag gibt es |2 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Klaus Priechenfried schrieb am 25.08.2011 10:25

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar!
Sie haben recht, die Ansätze zur verstärkten Beschäftigung mit Prävention gibt es seit einiger Zeit, wenn auch noch nicht ausreichend zielgenau, wie ich meine, ebenso gibt es eine gewisse Orientierung darauf, positive Verläufe von Kindheit und Jugend zu unterstützen und zu verstärken. Letztere alledings immer noch stark überlagert von Orientierung an der Vermeidung negativen Verhaltens. Primärprävention, also flächendeckende Unterstützung positiver biografischer Verläufe in Kindheit und Jugend sind noch Mangelware. Dabei wäre gerade das aber im Sinne des Social Return of Investment das Wirksamste, wie wir aus Studien wissen. Primärprävention unterstützt alle Kinder und Jugendlichen und wäre daher nicht stigmatisierend. Deswegen wohl auch ihre Wirksamkeit.
Ihre Bemerkung es brauche viel Zeit in der Sozialarbeit, um Glück in den Lebensverläufen (wieder) herzustellen stimmt, betrifft aber dann die Tertiär- oder manchmal auch Sekundärprävention. Hier ist schon ein Problem mit dem Individuum bekannt, daher wird es der Sozialarbeit zugewiesen, womit schon eine negative Zuschreibung passiert ist. Freilich gilt hier was sie sagen: die Wirksamkeit liegt letztlich in der Qualität der Sozialen Arbeit, die wiederum - unter anderen Faktoren - mit der Zeit, die sie für den Klienten hat, steigt oder fällt. Daher sind steigende Fallzahlen nicht förderlich, außer sie können durch bessere (effizientere) Methoden kompensiert werden. Bei den Dokumentationsanforderungen ist es komplizierter meiner Meinung nach, es gibt da sehr sinnvolle Maßnahmen, die die Zeit wert sind, und andere nebeneinander. Nicht beobachten kann ich die negativen Folgen erschwerter Kommunikation zwischen den Einrichtungen.
Wie Sie werden auch wir uns bei NEUSTART bemühen die Sache voranzubringen, denken wir also weiterhin an das Eintreten von wirkungsorientierten Mustern in der Präventionsarbeit, die in Österreich etwa die komplette Umstellung der Arbeitsteilung im Förderwesen zwischen Bund, Ländern und anderen Stellen (AMS zB) erfordert, dann erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit des Eintretens :-)
Liebe Grüße!
Klaus Priechenfried

Matthias Schedl, DSA, Kompetenzenbilanz-Coach, System.Coach, Innsbruck schrieb am 24.08.2011 16:01

Zum Thema Glück/Zufriedenheit im Zusammenhang mit Präventionsarbeit: Die Positive Psychologie bietet seit Jahren gute Konzepte und Anregungen auf diesem Gebiet, in der Bildungs- und Beratungsarbeit kommen sie z.T. schon zum Einsatz. Es benötigt aber neben dem eindeutigen Bekenntnis zu "positiv-konstruktivistischen" Ansätzen und einem entsprechenden Menschenbild ("Es gibt da etwas zwischen Schwarz und Weiß....!") auch ZEIT, um mit dem jeweiligen Klientel sinnvoll und mit angemessen tiefgfreifend zu arbeiten. Soziale Kompetenz entwickelt sich eben nur über Zeit und inhaltliche Qualitäten (Präsenz, Motivation, Rückmeldung etc.). Und diese Kompetenzen sind die Basis für gelingende soziale Kontakte und damit einer der Hauptbausteine für "Glück" und "Lebenszufriedenheit".
Gerade aber die Ressource Zeit wird in der gesamten Sozialarbeit tendenziell immer stärker eingeschränkt - steigende Fallzahlen pro Mitarbeiter/in, erhöhte Dokumentationsanforderungen, erschwerter Austausch zwischen den Einrichtungen etc. . Ich frage mich, wie Einrichtungen - wie eben auch Neustart - hier einen Beitrag leisten können, um sich eben "auf den Weg zu machen, diese Strategie umzusetzen?"
Gemäß den Erkenntnissen der Glücksforschung denke ich positiv (das erhöht die Wahrscheinlichkeit des Eintretens von gewünschten Prozessen...;-) - die echten Veränderungen beginnen im Kopf - und hoffe auf ähnliche "Denkbewegungen" auf gesellschaftlicher und institutioneller Ebene.

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