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Blog und Diskussion

Werden Mädchen immer gewalttätiger?

Alfred Kohlberger - 28.3.2012 09:18

ORF.at berichtete am 27. März 2012, dass ein dreizehnjähriges Mädchen kurz vor Mitternacht von drei anderen jungen Frauen überfallen und dabei zu Boden gerissen wurde. Ziel dieses Überfalls war es offenbar, an das Handy der Dreizehnjährigen zu kommen. Immer, wenn derartige Vorfälle passieren, werden wir mit der Frage konfrontiert, ob Mädchen immer gewalttätiger werden. Laien, aber auch Experten urteilen tendenziell: „Gefühlsmäßig werden mehr Mädchen straffällig und das Ausmaß der Gewalt nimmt zu."

Fakt ist, dass die Zahl der verurteilten Frauen nicht zu-, sondern abnimmt. Die gerichtliche Verurteilungsstatistik zeigt: Von insgesamt 5.561 Verurteilungen im Jahr 2010 entfielen 85,5 Prozent auf Männer und 14,5 Prozent auf Frauen. Zirka ein Prozent der Verurteilungen betraf 14- bis 17-jährige Mädchen. Überraschend ist, dass der Anteil der weiblichen Verurteilten seit dem Jahr 2000 kontinuierlich um insgesamt 20 Prozent gesunken ist!


Wenn man den Fokus auf Delikte gegen Leib und Leben legt, zeigt die Verurteilungsstatistik 2010, dass 43 Prozent aller Verurteilungen wegen dieser Delikte ausgesprochen wurden. Hier liegt der Anteil der Täterinnen bei 17 Prozent. Insgesamt – und auch das entspricht häufig nicht unseren Eindrücken zu diesem Thema – ist die Anzahl der Verurteilungen wegen Delikten gegen Leib und Leben seit 2005 um 12 Prozent zurückgegangen. Dieser Rückgang trifft sowohl Frauen als auch Männer.

Das Ausmaß der Gewalt zu beurteilen ist insgesamt schon schwieriger, da dies nicht mit allgemeinen Verurteilungsstatistiken aufzuklären ist. Auffallend für mich ist, dass Frauen häufiger (als noch vor zwei oder drei Jahren) von Gerichten zu unseren Anti-Gewalt-Trainings zugewiesen werden. Das stellt uns in der Abwicklung der Anti-Gewalt-Trainings manchmal vor Herausforderungen, da die Anzahl der zugewiesenen Frauen trotzdem noch immer relativ gering ist. Wir nehmen Frauen dann in ein Anti-Gewalt-Training auf, wenn wir mindestens zwei Frauen für ein Training haben. Dann achten wir darauf, dass auch das Trainerpaar gemischt-geschlechtlich ist.

Eine unserer Trainerinnen, die erst vor kurzem wieder ein Anti-Gewalt-Training beendet hat, berichtet: „Zu Beginn versuchen viele Frauen (oft mehr als Männer), sich beim Anti-Gewalt-Training in der Gruppe durchzusetzen, indem sie sich mit ihren Taten besonders hervorheben. Aber bei fast allen ist es uns gelungen, sie zu einer intensiven Auseinandersetzung mit ihren Delikten zu motivieren und sich so ihrer Verantwortung für ihre Taten bewusst zu werden. Ich habe den Eindruck, dass Frauen dann sogar stärker vom Anti-Gewalt-Training profitieren."

Auch wenn sich nicht so leicht beurteilen lässt, ob das Ausmaß der Gewalttätigkeit steigt, bin ich überzeugt, dass wir mit unseren Angeboten wie zum Beispiel dem Anti-Gewalt-Training zumindest die richtige Antwort auf Gewalttätigkeit geben können.

Alfred Kohlberger ist Leiter von NEUSTART Oberösterreich

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Zu diesem Beitrag gibt es |3 Kommentare|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

yusuf schrieb am 03.04.2012 14:54

Kommentar von der Redaktion gelöscht, da darin zu rechtswidrigen Handlungen aufgerufen wurde.

Alfred Kohlberger schrieb am 28.03.2012 16:00

Liebe Kollegin,
ich habe mir ihren Beitrag für "Wien heute" angesehen; ich finde es interssant und auch bestätigend, dass wir inhaltlich über die Teilnehmerinnen an Anti-Gewalt-Trainings ähnliches sagen können und halte das auch für den wesentlichsten Punkt.
Dass man aufgrund Aufsehen erregender Fälle, die mediale Bedeutung bekommen, manchmal nur einfache Botschaften hören will, macht es umso notwendiger, auch immer wieder den Blick auf die Fakten zu werfen.

Dorrit Pammer-Mikunda schrieb am 28.03.2012 14:20

Ich habe die steigenden Zahlen gewalttätiger Frauen im gestrigen Interview mit dem ORF auch so begründet, dass subjektiv festellbar ist, dass wir immer häufiger Zuweisungen zum Anti-Gewalt-Training bekommen, dies aber auch einfach eine Antwort vom Gesetzgeber bzw. den Gerichten sein kann. Ist im Beitrag etwas anders transportiert worden.

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