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Blog und Diskussion

Das Dilemma mit dem Opfer

Nikolaus Tsekas - 18.4.2012 07:56

Der Falter brachte in seiner Ausgabe 14/2012 die Titelgeschichte „Du Opfer!“. Thema ist die Auseinandersetzung mit der scheinbaren „Opferlust“  und eine kulturhistorische Annäherung an unterschiedliche Opferbegrifflichkeiten. Die Schlagzeile „Du Opfer!“ wird im Artikel als „schlimmstes Schimpfwort“ unter Jugendlichen erklärt – im Sinne von: Du bist schwach, kannst dich nicht wehren und wirst untergehen …! Im Strafecht wurden dem Opfer – längst überfällig – durch die Strafrechtsreform mehr Rechte zugestanden. Überraschend erscheint, dass das Recht auf Unterstützung nur selten in Anspruch genommen wird. Was sind die Gründe dafür?

Die Einstellung der Gesellschaft zur Opferwerdung ist differenziert. Mitleid mit dem unschuldigen Opfer und das Bedürfnis nach Verurteilung des Täters sind tief verwurzelt. Allerdings auch die Funktion des „Opferlamms“, welches uns zur Verfügung steht, wenn wir es gerade benötigen. Oder die eigene Opferrolle zu betonen, wenn wir sie gerade als hilfreich und unterstützend für unsere Pläne erachten (aber diese Rolle auch schnell wieder verlassen zu können, wenn die Last zu groß wird).

Das Leben ist jedoch nicht so einfach; die klare Zuordnung einer Rolle ist vielfach schlicht nicht möglich. Schwierig wird die Auseinandersetzung besonders mit Menschen, die nicht unmittelbar in ein gängiges Opferschema passen. Ein Opfer, das sich nicht so verhält, wie Opfer sich zu verhalten haben, ist suspekt und wird daher zum „Nichtopfer“ gemacht. Ein Opfer muss am Boden liegen und soll am besten auch nicht mehr aufstehen; die Gesellschaft gibt Schutz und Hilfe, dafür soll „das“ aber bald „wieder gut“ sein und dann nicht mehr darüber gesprochen werden.

Die Grenzen zwischen Täterschaft und Opferwerdung sind in den meisten Fällen (leider) nicht scharf zu ziehen. Die tägliche Auseinandersetzung in der medialen Öffentlichkeit trägt zur Verwirrung bei. Auf wenig Platz werden klare und einfache Zuordnungen vorgenommen, die oft schon am nächsten Tag mit neuer Information wieder geändert werden.

Niemand möchte gerne Opfer sein und schon gar nicht Opfer eines strafrechtlichen Delikts werden. Die Schande, ohnmächtig in eine Situation geraten zu sein, wo man scheinbar nur mehr Passagier ohne Mitgestaltungsmöglichkeit ist, prägt den unmittelbaren emotionalen Zustand nach einer Tat. Eine tiefe Kränkung und Verletzung des persönlichen Sicherheitsgefühls führt in vielen Fällen zu einem Rückzug. Aufgrund dieser traumatischen Erfahrung ist es für Menschen die Opfer wurden auch so schwer, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Mit plakativen Schlagzeilen wie „Du Opfer!“ (so gut der Artikel auch geschrieben sein mag) helfen wir Menschen nicht, über ihre Erfahrungen und Bedürfnisse zu sprechen. Unsere Wahrnehmung in der Arbeit mit Opfern zeigt, dass diese eine Erklärung und Entschuldigung für den Vorfall wünschen. Sie wollen gehört und verstanden, aber nicht hinterfragt und in Misskredit gebracht werden. Opfer möchten wahrgenommen werden und mit notwendiger Hilfe die Opferrolle auch wieder überwinden können. Dieses Ziel können wir im Rahmen des Tatausgleichs mit einer Konfliktregelung anbieten, aber auch mit einer Prozessbegleitung für ein Strafverfahren vor Gericht.

Nikolaus Tsekas ist Leiter von NEUSTART Wien 1

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