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Blog und Diskussion

Frauen im Anti-Gewalt-Training

Edeltraud Lechner-Schlager - 9.5.2012 08:59

November 2011: Fünf Frauen zwischen 15 und 25 Jahren, alle wegen Gewalttaten gegen Frauen in ihrem sozialen Nahbereich verurteilt, haben die Weisung erhalten, bei NEUSTART Graz ein Anti-Gewalt-Training zu absolvieren. Mit Männern haben wir solche Trainings schon erprobt. Ist das Konzept auch auf die Frauengruppe anwendbar?

Nach neun von elf Trainingsterminen zeigt sich: Die Entwicklung einzelner und der gesamten Gruppe verläuft in unterschiedlichen Phasen und nicht linear – egal, ob es sich um Männer oder um Frauen handelt. Der auffälligste Unterschied zu Männergruppen gleich in der Anfangsphase des Trainings war die Art und Weise, wie rasch die jungen Frauen oberflächlichen Kontakt und Bezug zueinander herstellten und sich als Gruppe formierten. Sie zeigten dabei ein immenses Mitteilungsbedürfnis.

Der gemeinsame Außenfeind, der diese rasche erste Gruppenbildung begünstigte, war schnell gefunden: „andere (blöde) Frauen“. Massive Abwertung von Frauen und Weiblichkeit prägten die ersten Trainingseinheiten. Die Teilnehmerinnen spalteten den Begriff „Frauen“ in „akzeptierte Frauen“ (in der Gruppe anwesende) und „unmögliche Frauen“, die (als reale Opfer) Gewalt verdient haben oder (als potenzielle Opfer) Gewalt verdienen. Diese Haltung und Interaktion verdeutlichte, wie wichtig die ausführliche Auseinandersetzung mit Weiblichkeit und Frauenbildern, mit Selbstwert und der Austragung von Konflikten und Konkurrenz in der Gruppe ist.

Die Teilnehmerinnen haben lange an ihren informellen Regeln „Wir sind die Guten, wir mögen uns alle, wir denken und wollen alle das Gleiche und wir vermeiden Auseinandersetzungen, so gut es geht“, festgehalten. In dieser Phase konnten vorgegebene Themen behandelt und besprochen werden, zum Beispiel Ursachen, Formen und Konsequenzen von Gewalt, Kommunikation und Wahrnehmung. Die für gute Arbeitsfähigkeit und Vertrauensbasis notwendige Klärung der Beziehungen und Individualisierung im Sinne von „Wir dürfen unterschiedlich denken und unterschiedliche Bedürfnisse haben und werden hier trotzdem akzeptiert“ war allerdings noch nicht erfolgt.

Dieser Entwicklungsschritt wurde schließlich durch einen Konflikt zwischen der ältesten (und dominanten) Gruppenteilnehmerin und mir (als Trainerin) eingeleitet; dabei ging es um Selbst- und Fremdwahrnehmung, Konfrontation und Grenzsetzungen. Die recht heftige Auseinandersetzung ermöglichte es den anderen Frauen, sich selbst in der Gruppe zu positionieren, Stellung zu beziehen und zu erleben, dass Differenzen aushaltbar sind und niemand verletzt oder ausgeschlossen wird. In der nächsten Sitzung wurde die Konfliktsituation noch einmal besprochen und reflektiert. Im Anschluss daran war erstmals konstruktive Deliktbearbeitung möglich.

Es gibt Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei ihren Gewaltdelikten. Im Anti-Gewalt-Training werden die verschiedenen Phasen und Themen anders ausgetragen. Doch die Dynamik in den Gruppen ähnelt einander, und so bietet das Übungsfeld Anti-Gewalt-Training für beide Geschlechter eine Chance auf einen konstruktiven Umgang mit Konflikten und Aggressionen.

Edeltraud Lechner-Schlager ist Sozialarbeiterin bei NEUSTART Steiermark

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Zu diesem Beitrag gibt es |1 Kommentar|

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Kommentare zu diesem Beitrag:

Alexandra Lidl schrieb am 10.05.2012 09:25

Liebe Edeltraud!
Danke für diesen Beitrag und Gratulation zur Gruppe. Ich glaube, dass deine Erfahrungen für alle GruppentrainerInnen bei Neustart imensen Wert haben und ich hoffe doch, dass beim nächsten Fachtag ein ausführlicher Bericht und Auseinandersetzung mit dem Thema Frau+Gewalt+Gruppe möglich sein wird.
Auf ein Wiedersehen Lg. Alexandra