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Family Mainstreaming: wenn Kinder mitbestraft werden

Mag. Dorit Bruckdorfer - 20.6.2012 10:16

Wenn ein Elternteil ins Gefängnis muss, brauchen Kinder besondere Unterstützung. Alles ist plötzlich anders: Die Gefühlswelt und das familiäre Gefüge geraten durcheinander, dazu kommen oft finanzielle Probleme. Manchmal wird dem Kind und auch Außenstehenden gegenüber der Gefängnisaufenthalt eines Familienmitglieds überhaupt verschwiegen.

Selbst wenn die Karten offen auf dem Tisch liegen und das Kind weiß, dass ein Elternteil im Gefängnis ist, belastet das die Familie: „Nicht selten verlieren Mütter und Väter durch die veränderte Lebenssituation, durch die Haft oder durch existenzielle Sorgen und Einsamkeit den Blick für die Not und die Bedürfnisse ihrer Kinder. Viele Kinder verlieren ihr Vertrauen in die Eltern oder entwickeln psychische Auffälligkeiten. Partnerschaften scheitern, Familien zerbrechen. Unterstützungsangebote sind Mangelware. Und dort, wo Angehörige große Anstrengungen unternehmen, die familiären Beziehungen aufrecht zu erhalten, haben sie mit den familienfeindlichen Bedingungen der Haft zu kämpfen“ schreibt die Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe e.V. mit Sitz in Bonn im Mai 2012 in ihrer Forderung nach einer familiensensiblen Gestaltung des Strafvollzugs.



In zwölf Punkten wird aufgezählt, was in einem nach dem Prinzip des Family Mainstreamings (durchgängige Familienorientierung) ausgestalteten Strafvollzug beachtet werden soll. Dazu gehört ein Familienbeauftragter pro Vollzugsanstalt, die Schulung des Personals der Anstalten im Umgang mit Angehörigen und Kindern sowie vorrangig offener Vollzug für straffällige Eltern, um ein geregeltes Familienleben zu fördern. Bedarfsgerechte Besuchszeiten wären ebenso zu ermöglichen wie kindgerechte Besuchsräume oder Kontaktmöglichkeiten via Telefon und Internet (Skype). Für besondere Ereignisse im Leben des Kindes sollte es gesonderte Ausgangsmöglichkeiten geben. Der Umgang mit der Krise Haft soll durch Seminare und Eltern-Kind-Gruppen innerhalb und außerhalb der Anstalt erleichtert werden. Eine weitere Forderung lautet, bevorzugt alternative Sanktionsarten wie elektronisches Monitoring anzuwenden und die genannten Angebote wissenschaftlich zu evaluieren. All diesen Maßnahmen vorangestellt: „Das Konzept des Family Mainstreamings ist bei allen gerichtlichen und vollzuglichen Entscheidungen von Anfang an und durchgehend zu berücksichtigen.“

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe sieht es als politische Verantwortung und Pflicht des Staates, Familien zu unterstützen, die unverschuldet in schwierige Situationen geraten sind. Sie bezeichnet die Familie als Basis zur erfolgreichen Wiedereingliederung von Straffälligen in die Gesellschaft. Nach Schätzungen seien in Deutschland eine halbe Million Menschen von der Inhaftierung eines Angehörigen betroffen. Darunter viele Kinder, die unter den jetzigen Bedingungen in ihrem in der UN-Kinderrechtskonvention beschriebenen Recht auf Familie, Fürsorge und regelmäßigen Umgang mit beiden Elternteilen behindert werden.

Webtipp:
http://www.bag-s.de

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