
Mittwoch, 25. August 2010
Der in den USA aktuelle Charity-Trend des Big-Spending (Superreiche garantieren schriftlich, dass die Hälfte ihres Vermögens nach ihrem Tod an karitative Zwecke geht) hat sich in Österreich noch nicht etabliert. Im Kommen ist der Privatstiftungsmarkt, der angeblich künftig verstärkt gemeinnützige Projekte unterstützen will. Bislang stammt ein Drittel des gesamten Spendenaufkommens in Österreich von Unternehmen, die sich teilweise auch gerne öffentlich dazu bekennen. Das Pro-Kopf-Spendenaufkommen beträgt in Österreich 67,- Euro. Die meisten Chancen, bespendet zu werden, haben große und bekannte Non-Profit-Organisationen, von denen die 50 größten (laut Spendenbericht 2009 des Österreichischen Instituts für Spendenwesen) im Jahr 2008 mehr als 235 Millionen Euro erhalten haben. Das deckt bei großen NPOs bis zu zehn Prozent ihrer Aufwendungen ab; von einer reinen Finanzierbarkeit durch Spenden ist das immer noch weit entfernt. NEUSTART liegt im Feld der Spenden sammelnden Organisationen weit abgeschlagen; das mag daran liegen, dass wir vorwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Für solche Organisationen „stellen Spenden eine wichtige Finanzquelle für neue Initiativen dar. Spendenmittel sind ‚Entwicklungsgeld’“, so der Spendenbericht 2009. Im nicht-monetären Spendenbereich geht es uns gut: Wir haben 900 ehrenamtliche Mitarbeiter (mehr als hauptamtliche), die durch ihr Engagement gesellschaftliche Verantwortung leben. Das ist umso beachtlicher, als ehrenamtliche Arbeit etwa für Obdachlose oder Suchtkranke die geringsten Prozentwerte ausweist. Werden wir geldmäßig also in geringem Ausmaß bespendet, weil Straffälligenhilfe, die Arbeit mit Opfern und Prävention als öffentliche Aufgabe gesehen werden? Oder liegt es gar am Spendengrund?
"Fundraising für Underdogs" vollständig lesen
Mittwoch, 4. August 2010
Seit etwa 2000 gibt es Initiativen, vor allem seitens des ÖBDS (Österreichischer Berufsverband der SozialarbeiterInnen), zur Einführung eines Berufsgesetzes für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in Österreich. Derzeit befasst sich das Parlament mit einem diesbezüglichen Antrag von Abgeordneten der FPÖ. Er ist weitgehend identisch mit dem bereits bekannten Entwurf des ÖBDS, wobei jedoch auf eine Gender gerechte Formulierung verzichtet wurde und relevante Veränderungen der Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel die Dauer der einschlägigen Ausbildung an der Fachhochschule, ignoriert wurden. Dementsprechend fehlt in den folgenden Passagen die Gender gerechte Schreibweise, soweit unmittelbar auf den Entwurf Bezug genommen wird.
"Sozialarbeitsgesetz: Erneuerung eines untauglichen Vorschlags" vollständig lesen
Mittwoch, 21. Juli 2010
Mobbing an sich ist keine neue Erscheinung. Das absichtliche und systematische Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen von Personen im Internet oder über das Handy wird Cybermobbing genannt. Neben SMS und E-Mail werden im Internet Foto- und Videoplattformen (zum Beispiel Flickr, YouTube) und Soziale Netzwerke (etwa Facebook) dazu missbraucht. Diese Kommunikationsinstrumente sind mittlerweile unverzichtbarer Alltag von Jugendlichen. Die „neuen“ Medien folgen eigenen Spielregeln, haben eigene Qualitäten und Konsequenzen. Anders als bei herkömmlichen Formen des Mobbings enden die Belästigungen nicht mit Ende des Schul- oder Arbeitstages und machen auch vor den eigenen vier Wänden nicht Halt. Durch die permanente und immer mobilere Verfügbarkeit von Internet und Handy ist es Jugendlichen nur schwer möglich, solchen Angriffen zu entgehen. Mit einem einzigen Klick kann beispielsweise ein peinliches Foto, eine Beschimpfung, eine Drohung schnell an eine große Anzahl an Empfängern geschickt werden. Einmal veröffentlicht, können solche Inhalte praktisch nicht aus dem Internet entfernt werden.
"Cybermobbing und Strafrecht 1" vollständig lesen
Mittwoch, 14. Juli 2010
Wegen Trunkenheit am Steuer und Fahrerflucht bei einem Unfall im Jahr 2007 wurde Lindsay Lohan zu zehn Stunden gemeinnütziger Arbeit und – zu Haftstrafe verurteilt – in eine Haftanstalt überstellt. Nach 84 Minuten wurde sie enthaftet. Der Grund: Überfüllung. Nach Nichteinhaltung der Bewährungsauflagen (die elektronische Fußfessel meldete Alkoholkonsum) wurde sie zu einer 90-tägigen Freiheitsstrafe verurteilt. Hat das alles irgendetwas mit dem am letzten Freitag vom Nationalrat beschlossenen elektronisch überwachten Hausarrest zu tun? Auf den ersten Blick: nein. Vielmehr ist der künftige Umgang mit elektronischer Überwachung in Österreich angesichts der gelebten Praxis in Amerika zu bedenken. Es gibt 2,4 Millionen Inhaftierte in den USA. Jeder dritte Afroamerikaner war in Haft, jeder sechste Latino; in den Familien dieser Bevölkerungsgruppen kennt also jeder einen, der in Haft war. In Denver Colorado/Cannon City leben 36.000 Menschen. 16 Prozent davon sind in Haft (5.760). Grund: die größte Ansammlung von privaten und öffentlichen Gefängnissen. Darunter das Hochsicherheitsgefängnis Supermax, in dem aus Sicherheitsgründen das Bett, der Sessel und der Tisch in der Einzelzelle aus Beton sind und ein zehn Zentimeter breiter Lichtschlitz die einzige Verbindung zur Außenwelt darstellt. Mit 50 Dollar Monatslohn für arbeitende Häftlinge gelingt es den Privatgefängnissen, erhebliche Gewinne zu machen.
"Lindsay Lohan - die Zukunft des Strafens?" vollständig lesen
Mittwoch, 7. Juli 2010
Gewalt ist ein Zeichen von Hilflosigkeit. Und: Gewalt ist ubiquitär. Gewalt ist nicht nur, wenn in einer Familie der Vater Frau und Kinder prügelt. Gewalt wird auch psychisch ausgeübt. Gewalterfahrungen beinhalten das Miterleben von Gewalt, Gefühle von Angst, Ohnmacht, sich mitschuldig fühlen, im Stich gelassen fühlen, Demütigung oder Ablehnung. „Gewalt hat viele Formen und tritt in jeder Gesellschaft in irgendeiner Weise auf“ so David Vyssoki, ärztlicher Leiter von ESRA. Gewalt gibt es auch dort, wo es sie nicht geben dürfte. Shalom Bait, das friedliche Heim, der Hausfrieden, die Harmonie und der gute Wille zwischen den Eheleuten ist aus jüdischer Sicht ein über allem stehendes und wichtiges Ziel; der Zusammenhalt der Familie ist wesentlicher Bestandteil jüdischen Lebens und deshalb unbedingt aufrechtzuerhalten. Familiäre Gewalt als Tabuthema: weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Umso bemerkenswerter ist, dass Frauen der jüdischen Gemeinde im November 2009 unter dem Titel „Schalom Bait“ eine Bewegung gegen Gewalt in der Familie initiiert haben.
"Schalom Bait – Leben ohne Gewalt in der Familie" vollständig lesen
Mittwoch, 30. Juni 2010
(* Text eines Spruchbandes von Rapid-Fans am Innsbrucker Tivoli) Der Begriff „Subkultur“ wurzelt in den Untersuchungen der „Chicago School“ der Soziologie aus den 1940er-Jahren und wurde hauptsächlich zur Beschreibung abweichender Werte und Normen ethnischer Minderheiten herangezogen. Im Umfeld der britischen Untersuchungen des „Center for Contemporary Cultural Studies“ wurde der Begriff auf die Jugendkulturen der 1960er- und 1970er-Jahre angewandt; heute ist er weitgehend verschwunden, am ehesten taucht er gelegentlich in Berichten über Drogenszenen auf. Historisch betrachtet sind Substanzenkonsum und Subkulturen eng miteinander verwoben. In seinem empfehlenswerten Buch „sky high. Droge und Musik im 20. Jahrhundert“ beschreibt Harry Shapiro am Beispiel der USA das Geflecht aus Migration, Musik und Rauschmittelkonsum als subkulturelles Universum, dem das Establishment mittels zunehmend repressiver Gesetzgebung zu Leibe rückte. Dabei entlarvt er die prohibitive Drogenpolitik als ein Vehikel zur Bekämpfung unliebsamer Immigrantengruppen und zeigt gleichzeitig auf, wie hochgradig drogeninspiriert die heute etablierte Jazzmusik eines Charlie Parker oder Louis Armstrong war.
"Sex & Drugs & Ottakringer* – Sucht und Subkultur" vollständig lesen
Mittwoch, 23. Juni 2010
Ramazan kam 2009 als Flüchtling aus der Russischen Föderation nach Österreich. Nachdem er an der Grenze aufgegriffen wurde folgte eine Unterbringung im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen in der Bundesgrundversorgung. Die Bundesgrundversorgung leistet in Österreich im Wesentlichen die Betreuung von Asylwerberinnen und -werbern im Zulassungsverfahren; außerdem wenn ihr Antrag auf Asyl im Zulassungsverfahren zurückgewiesen wurde oder ihr Antrag unter Aberkennung der aufschiebenden Wirkung der Berufung abgewiesen wurde. Von Traiskirchen aus sollte Ramazan – nach Zulassung seines Asylverfahrens in Österreich – in die Landesgrundversorgung eines der neun Bundesländer Österreichs überstellt werden (die Landesgrundversorgung der Bundesländer ist für die Betreuung von Asylwerberinnen und -werbern im zugelassenen Verfahren zuständig, sofern sie sich nicht selbst versorgen können beziehungsweise versorgt werden). Bevor jedoch eine Zuweisung erfolgte entfernte sich Ramazan aus Traiskirchen, um Bekannte in Wien zu besuchen – und bei ihnen zu bleiben. Damit wurde er aus der Bundesgrundversorgung abgemeldet. In der Folgezeit lebte er ohne Versicherung und Einkommen aus legalen Bezügen in Wien. Nach einigen Eigentumsdelikten zur Geldbeschaffung wurde Ramazan zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt. Im Zuge seiner Entlassung wurde er von mir im Rahmen der Haftentlassenenhilfe beraten. Sein gesundheitlicher Zustand hatte sich aufgrund einer Nierenschädigung verschlechtert und es existierten von der Versorgung her keine Alternativen nach der Haft. Der Asylantrag Ramazans befand sich noch im laufenden Verfahren.
"Asyl: mühevoller Weg in die Grundversorgung" vollständig lesen
Mittwoch, 16. Juni 2010
Im Rahmen der 4. Wiener Frühjahrstagung für Forensische Psychiatrie am 28.5.2010 zum Thema „Kinder- und Jugendkriminalität“ ließ der renommierte deutsche Kriminologe Christian Pfeiffer mit einigen bemerkenswerten Forschungsergebnissen aufhorchen: Die Hannoveraner Forscher befragten etwa 45.000 Jugendliche in Deutschland und fanden, dass die Befunde der sogenannten Dunkelfeldforschung zur Entwicklung der Jugendgewalt seit 1998 insgesamt betrachtet eine gleichbleibende bis rückläufige Tendenz zeigen. Die Polizei erfasste 1998 8,2 Prozent der Jugendlichen und 8,9 Prozent der Heranwachsenden als verdächtig, eine Straftat begangen zu haben. Bis 2006 sanken diese Werte auf 7,4 Prozent unter den Jugendlichen und auf 8,4 Prozent unter den Heranwachsenden. Die Häufigkeit von Mord, Totschlag und Raubdelikten ging in dieser Zeit ebenfalls zurück. Die Häufigkeit schwerer Körperverletzungen unter Jugendlichen nahm hingegen zu. Gefährliche und schwere Körperverletzung wird gemäß Definition im Gegensatz zur einfachen Körperverletzung von mehreren Tätern begangen oder mit Gegenständen ausgeführt – sei es durch Messerstiche oder Stiefeltritte. Unter Jugendlichen stieg die entsprechende Tatverdächtigenziffer je 100.000 Personen von 1998 bis 2006 von 669,46 auf 931,66; unter den Heranwachsenden von 707,61 auf 1.008,4.
"Jugendkriminalität: verstärkt Hauptschule Gewaltbereitschaft?" vollständig lesen
Mittwoch, 9. Juni 2010
Seit einigen Jahren (mit der Abwahl der seit Jahrzehnten regierenden PRI – Partido Revolucionario Institucional – und damit einhergehenden Machtverschiebungen) tobt in Mexiko ein offener Drogenkrieg, der bisher zu mehreren tausend Toten geführt hat. Die Auswirkungen auf den illegalen Drogenmarkt Nordamerikas konnten bis ins sonst eher von Schwerkriminalität verschonte Kanada verfolgt werden, wo es unter Drogenbanden in Vancouver zu zahlreichen tödlichen Schießereien kam. In der Stadt Wels meldet ein Sprecher des Magistrat einen Erfolg bei der Vertreibung von Fixern aus zwei öffentlichen Toilettenanlagen durch die Installation von UV-Licht. Dadurch wäre es nun für Benutzer und für das Reinigungspersonal viel sicherer als vorher, da weniger Spritzen herumlägen.
"Illegale Drogen und Kriminalität" vollständig lesen
Mittwoch, 2. Juni 2010
Hast Du Zahnweh, gehst Du zum Zahnarzt. Hat Dich die Grippe erwischt, ist der Hausarzt gleich in der Nähe. Klingt alles einfach und sollte es in einem sozial entwickelten Land wie Österreich auch sein. In Österreich besteht Versicherungspflicht, das heißt, dass jeder Arbeitnehmer seinen Beitrag zur Krankenversicherung leisten muss, ob er will oder nicht. Es gibt weiters diejenigen, welche ihren Unterhalt vom Arbeitsmarktservice beziehen – auch diese Menschen sind versichert. Und doch gibt es laut einer Studie vom österreichischen Gesundheitsministerium 210.000 in Österreich lebende Personen über 15 Jahren, die nicht krankenversichert sind – Tendenz steigend. Obwohl das bereits mehr als drei Prozent der österreichischen Bevölkerung sind, gibt es eine noch höher geschätzte Dunkelziffer, da nicht versicherte Personen von den Krankenkassen nicht erfasst werden. Dieselbe Studie besagt, dass die Betroffenen geringes Einkommen und wenig Bildung haben – und sich vor allem in relativ schlechtem Gesundheitszustand befinden.
"Nicht gesund - na und?" vollständig lesen
Mittwoch, 26. Mai 2010
Anlässlich einer wirklich bedenklichen Gesetzesreform im Wiener Landtag, die nahezu jede Form des Bettelns unter Strafe stellt und sich in der Begründungsformulierung weniger auf erhobene Daten als auf vorurteilsbeladene Vermutungen stützt, wurde mein eigenes Verhältnis zu bettelnden Personen wieder einmal in Frage gestellt. Um es gleich einzugestehen: Ich habe bettelnden Personen gegenüber einen ausgesprochen schlecht reflektierten moralischen Standpunkt, der noch dazu mit meinen Stimmungen schwankt. Die im Folgenden angeführten Überlegungen führen dazu, dass ich manchmal etwas hergebe, manchmal nicht. Ich stelle diese Überlegungen dar und bitte alle Leserinnen und Leser, ihren eigenen Standpunkt hier zu posten; entweder, indem sie sich einfach einem meiner Standpunkte anschließen oder indem sie ihren eigenen, von meinem Repertoire abweichenden Standpunkt darstellen. Vorwürfe, meine Standpunkte seien widersprüchlich und ich solle mir das gescheiter überlegen, bevor ich es schreibe, bitte nicht posten (diesen Vorwurf mache ich mir schon selbst)!
"Abstimmung: Wie halten Sie es mit Bettlern?" vollständig lesen
Mittwoch, 19. Mai 2010
Bei der achten Armutskonferenz in Österreich referierte Universitätsprofessor Richard Wilkinson (University of Nottingham/UK) über gerechte Gesellschaften. Warum reagieren wir so stark auf Ungleichheiten? Für Wilkinson sind wichtige psychosoziale Faktoren wie sozialer Status, frühe Kindheitserfahrungen und Freundschaft maßgeblich. Als Bewährungshelferin möchte ich den sozialen Status näher beleuchten: In diversen Versuchen konnte festgestellt werden, dass in Situationen, die auf den sozialen Status abzielen und uns vor anderen „blöd“ dastehen lassen, höchste Stressmerkmale ausgelöst werden. „Wir erfahren uns über andere“ – um dieses Ergebnis zu unterstreichen brachte Wilkinson ein Beispiel: Seine Studie startete in Indien einen Versuch, bei dem Kinder aus unterschiedlichen Kasten verschiedene Aufgaben zu lösen hatten. Im ersten Durchlauf ließ man die Kinder, ohne sie über den unterschiedlichen sozialen Status aufzuklären, die Aufgaben erledigen. Hier konnte man keine großen Unterschiede in Bezug auf Wissen feststellen. Im zweiten Durchgang klärte man die Kinder darüber auf, dass sie aus unterschiedlichen Kasten stammen. Das Ergebnis brachte wesentliche Wissensunterschiede. Die Kinder aus den unteren Kasten schlossen deutlich schlechter ab als die Kinder aus den höheren Kasten. Das machte zumindest mich recht nachdenklich. In Bezug auf mein Klientel in der Bewährungshilfe und im Anti-Gewalt-Training muss ich mir die Frage stellen, wie weit dies mit als Ursache für Gewalttätigkeiten gilt.
"Sozialer Status beeinflusst Stress und Gewalt" vollständig lesen
Mittwoch, 12. Mai 2010
„…die helfen den ganz armen Leuten…“ das entspricht dem Bild, das die Bevölkerung von Sozialarbeitern nach wie vor hat. Dass das überwiegend mit ehrenamtlicher, unentgeltlicher Tätigkeit assoziiert wird, ist ebenfalls Fakt. Alle Professionalisierungsschritte der Vergangenheit durch Ausbildung und professionelleren Auftritt der Sozialarbeitsorganisationen haben kaum etwas an dieser Sichtweise in der Bevölkerung verändert. Vielleicht ist die wirtschaftliche Krise und damit die problematische Entwicklung in der Finanzierung von Sozialarbeitsorganisationen eine Chance, das eigene Selbstbild zu ändern. Sozialarbeit als Problemlösungsagentur: Das bestehende Selbstbild der Sozialarbeit (ÖBDS2004) fußt auf der Unterstützung einzelner oder Gruppen, denen die „Alltagsbewältigung mit eigenen Mitteln … nicht gelingt“. Ganzheitliche Problemsicht wird als gesamtheitliche Sicht verstanden. Soziale Gerechtigkeit und internationale ethische Werte sind weitere Grundfesten des Berufsbilds. Aktionistischer wird die Diktion wenn „individuelle und gesellschaftliche Ursachen, die soziales Unrecht entstehen lassen“ als solche bekämpft werden sollen. Umso mehr überrascht die Einschränkung bei der Zielgruppendefinition auf „Benachteiligte, Diskriminierte und Randgruppen“. Wie will man denn gesellschaftliche Ursachen bekämpfen, wenn man die Verursacher nicht als Zielgruppe definiert?
"Sozialarbeit in der Krise?" vollständig lesen
Mittwoch, 5. Mai 2010
Der hellenistische Übeltäter – eine Metapher: Die Krise um den möglichen Bankrott von Griechenland ist das bestimmende Thema in der medialen Berichterstattung. Obwohl die Entscheidung über eine solidarische Unterstützung für den in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Staat längst vereinbart war, schlug die Stimmung in der medialen Berichterstattung um. „Betrüger“, „Verbrecher“, „Schmarotzer“ und noch vieles mehr war und ist in den letzten Tagen in der Diskussion über Griechenland zu hören und zu lesen. Argumentiert wird im Stil von „keine Gnade für die Verletzung von Normen“ – „wir kennen diese Machenschaften doch zur Genüge, zuerst haben sie uns betrogen und jetzt wollen sie auch noch Hilfe“ – „strengere Strafen und Schluss mit dem Verständnis“ – „wir unterstützen nur mehr diejenigen, die unverschuldet in Schwierigkeiten geraten sind, schließlich müssen wir mit unseren Ressourcen haushalten“ – „auch wir sind in einer schwierigen Situation und haben nicht zu illegalen Mitteln gegriffen“.
"Bewährungshilfe für Griechenland" vollständig lesen
Mittwoch, 28. April 2010
Rechtsorientiertes Denken ist in dem Milieu, in dem sich unsere Klientinnen und Klienten oftmals bewegen, durchaus üblich und anerkannt. Nicht nur dort: Die Präsenz rechter Positionen ist in der österreichischen Politik sehr ausgeprägt (wie wir fast täglich in den Medien sehen). Aber: Rechts ist nicht gleich rechts. Die Bandbreite ist vielfältig; sie beginnt bei rechtsorientierten Jugendlichen, die häufig sozial massiv benachteiligt sind und somit am Rand der Gesellschaft stehen. Ihre rechte Gesinnung ist sehr oft eine Protesthaltung aufgrund dieser gefühlten und in den meisten Fällen auch realen sozialen und wirtschaftlichen Benachteiligung. Dann gibt es die Skinheads, die – im Gegensatz zum Ursprung der Skinhead-Bewegung im England der Sechzigerjahre des vorigen Jahrhunderts – sehr häufig überzeugte Rassisten und Nationalisten sind. Das Spektrum reicht weiter bis zu den Rechtsextremen, die mit der Neonazi-Szene sympathisieren und sehr oft auch durch gewalttätige Übergriffe auf Nicht-Österreicher und Minderheiten auffallen.
"Verständnis für rechtsextreme Jugendliche?" vollständig lesen
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